Abschlagschwimmen

Kreatives Schwimmtraining

Kraul mit Abschlag ist eine beliebte Technikübung. Aber aufgepasst! In seiner ursprünglichen Ausführung bringt das Abschlagschwimmen wenig. Wir stellen Alternativen vor.

Daumenabschlag (Copyright: Andreas Gonseth)
Abschlag schulterbreit (Copyright: Andreas Gonseth)
Hundekrau-Abschlag (Copyright: Andreas Gonseth)
Abschlag mit Fäusten (Copyright: Andreas Gonseth)
Abschlag am Oberschenkel (Copyright: Andreas Gonseth)
Abschlag im Zenit / Rückenkraul (Copyright: Andreas Gonseth)

Kraul-Abschlag und wertvolle Alternativen

Bittet man Triathleten, im Schwimmtraining eine technische Übung anzuwenden, schwimmen gefühlte 90% am liebsten Kraul mit Abschlag. Warum diese Übung, die auch als «Catch-up», «Ratrappé» oder «Strecklage» bezeichnet wird, derart beliebt ist, liegt auf - oder besser gesagt in - der Hand. Während ein Arm beim Kraulschwimmen nach vorne ausgestreckt an der Wasseroberfläche liegen bleibt, führt der andere Arm einen vollständigen Kraularmzug aus. Erst wenn die Hand des Zugarms auf dem Handrücken des ruhigen Arms «abschlägt», darf der bislang ruhende Arm seinen Armzug ausführen, während der abschlagende Arm nun vorne liegen bleibt. Im Klartext heisst das nichts anderes, als dass man Kraul einarmig und wechselseitig schwimmt, wobei der Wechsel durch ein Abschlagen der Handflächen eingeleitet wird. Beliebt an dieser Übung dürfte vor allem die Tatsache sein, dass man sich voll und ganz auf einen kompletten Armzug inklusive Unterwasserbewegung konzentrieren kann und beim «Abschlag» zudem eine taktile Rückmeldung über die Position der ausgestreckten Arme erhält. Hinzu kommt, dass das Abschlagschwimmen koordinativ weniger anspruchsvoll als reines Kraulschwimmen ist und ausserdem einen hohen und langen Stützarm forciert, was durchaus erwünscht wird.

Vorsicht: überkreuzen!
Das «Problem» beim klassischen Abschlagschwimmen stellt das Überkreuzen dar. Wer wirklich jedes Mal die Handflächen übereinander schlägt, greift stetig etwas zu weit über die Körperachse. Statt in der Verlängerung der Schultern liegen die Hände nach der Eintauchphase nun vor dem Kopf – und müssen vor jedem Armzug wieder nach aussen, zur Seite bewegt werden, um einen korrekten Unterwasserarmzug einzuleiten. Das ist nicht nur ineffizient, sondern führt im extremen Fall zu einer schlingernden, wenig strömungsgünstigen Körperbewegung.

Besser: Daumenabschlag oder imaginärer Abschlag
Weitaus sinnvoller ist es da, auf das Abschlagen der Handflächen zu verzichten und stattdessen die Daumen abzuspreizen und nur an den Daumenspitzen «abzuschlagen». So ist die Gefahr des Überkreuzens gebannt und eine taktile Rückmeldung gleichwohl möglich. Weil weit abgespreizte Daumen auch nicht von allen Trainern gutgeheissen werden, lautet die perfekte Lösung für gewinnbringendes Abschlagschwimmen: Vergessen Sie den wahrhaftigen Abschlag und lassen Sie stattdessen die ruhende Hand in Verlängerung der Schulter liegen, bis der Zugarm sein Werk verrichtet hat. Mit diesem imaginären Abschlag verhindern Sie das Überkreuzen und laufen höchstens Gefahr, die Arme zu weit aussen zu platzieren.

Weitere Abschlag-Varianten im Video
Neben dem klassischen Abschlag mit seinen oben genannten Varianten gibt es im Kraulschwimmen eine Vielzahl weiterer sinnvoller Übungen, die allesamt unter dem Stichwort «Abschlagschwimmen» zu verbuchen sind. Wir stellen Sie alle im unten eingebetteten Video vor. Bauen Sie diese regelmässig ein paar Längen in Ihr Technik-Training ein! Sie schulen damit nicht nur eine lange Gleitphase und einen hohen Stützarm. Mit manchen Übungen lässt sich auch hervorragend an der Zugphase unter Wasser (Hundekraul-Abschlag), am Kraul-Beinschlag (Abschlag im Zenit), am Wassergefühl (Abschlag mit Fäusten) oder an der Körperrotation (Oberschenkel-Abschlag) arbeiten.

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