Events in der Welt des Ausdauersports

Startschuss: Ausdauersport-Anlässe im Spannungsfeld von Innovation und Repetition

Weshalb ist eine Veranstaltung Kult, eine andere nur eine unter vielen? Was braucht es, um auch in zehn Jahren noch Kult zu bleiben oder gar zum Vorbild, zum Trendsetter zu werden?

Viele Highlights der heutigen Lauf- und Triathlon-Szene hatten ihre Geburtsstunde vor 25 und mehr Jahren. Sie sind meist durch Pionierleistungen Einzelner entstanden und nur durch stete Erneuerung und Weiterentwicklung im Team zu institutionalisierten, Jahr für Jahr wiederkehrenden Fixsternen herangewachsen. Mit einer neuen Idee einen vergleichbaren Kultstatus zu erlangen, ist nicht wirklich planbar. Mittels Internet kann man zwar jedem neuen Trend virtuell nachspüren und jede neue Idee kostengünstig publizieren. Aber genau die richtige Mischung zwischen Utopie und Realität zu finden, die wie ein Meteor einschlägt, wird immer einem «Fischen im trüben Teich» gleichkommen.

Ohne Genialität, Mut, Ausdauer, Risikofreudigkeit und grenzenlosen Einsatz schwimmt, läuft und rollt auch in Zukunft nichts. Ein Veranstalter muss bereit sein, für seine Idee ins kalte Wasser zu springen, sich über Berge zu quälen und durch Einöden zu kämpfen - denn es ist schlussendlich das eigene Feuer, das darüber entscheidet, ob etwas nur im Verborgenen glimmt oder irgend einmal schweizweit lodert.

Mit dem Ausdauersport haben wir leider das Pech, dass er sich auch in Zukunft am Fernsehen nicht mediengerecht (sprich Sponsoren gerecht) präsentieren lässt. Nichts ist für die breite Masse der aktiven «TV-Zapper» langweiliger als ein Marathon oder ein Ironman live in ganzer Länge. Ausdauersport-Events kosten viel und bringen vergleichsweise kleine Werbe- und Sponsoring-Erträge. Für einen TV-Sender gibt es nichts Aufwändigeres als einen 7-tägigen Gigathlon.

Doch zumindest haben wir in der Schweiz das Glück, dass wir unsere Events zum grössten Teil mit den Startgeldern hoch motivierter Teilnehmer, mit wertvollen Leistungen freiwilliger Helfer und grenzenloser, eigener Kreativität finanzieren und organisieren können. Aber man vergisst leicht, dass das kleine, empfindliche Pflänzchen immer zuerst gehegt und gepflegt werden muss, bis es stark genug ist, um zu wachsen und sich als Original etablieren zu können. Diese Durststrecke muss vom Veranstalterteam in jedem Fall durchlitten werden. Des Veranstalters Kapital sind die aktiv Sporttreibenden - sie müssen wir mit unseren Veranstaltungen zuerst begeistern. Und nicht die Touristiker, die Marketingplaner, die Sportartikler, die Politiker, die Medienleute. Sie alle kommen dann (fast) von selbst.

  • Schweizer Erfindung: GigathlonCopyright: Swiss Olympic Gigathlon

  • Fand erst einmal statt: Ultralauf The WayveCopyright: Alphafoto.com

  • Ein Klassiker: Jungfrau-MarathonCopyright: Swiss-Image

  • Alpen-Triathlon: InfernoCopyright: Swiss-Image

  • Jedes Jahr ein Saisonhöhepunkt: Engadin SkimarathonCopyright: Swiss-Image

Standen in den vergangenen 20 Jahren noch die organisatorische Machbarkeit und der persönliche Leistungsbeweis im Fokus von Veranstaltern und Teilnehmenden, so geht es in Zukunft mehr und mehr in Richtung der persönlichen Bereicherung: Erlebnisse, Abenteuer, Entdeckungen, Freundschaften, Kulturaustausch und Lustgewinn. Die Steigerung des persönlichen «Return-on-Investment» wird im Zentrum des Ausdauersports stehen. Aber nicht noch mehr gelaufene Kilometer und erkletterte Höhenmeter, geleistete Stunden und gesparte Sekunden, investierte Franken und gewonnene Wetten, sondern Bilder und Geschichten, Mondphasen und Jahreszeiten, Schweiss und Freudentränen, Träume und Grenzerfahrungen werden gesucht werden. Dabei wird es keine Rolle spielen, ob man seine Leistung in einer grossen Masse erbringt, in einem Team seinen Beitrag leistet oder mit sich alleine unterwegs ist.

Hier liegt die grosse Chance von neuen Ausdauersport-Veranstaltungen. Die Flucht der Sporttreibenden vor Langeweile, Repetition und Unterforderung schafft Potential für Entdecker und Visionäre. Die Leistungsfähigkeit der Teilnehmenden stellt für den sportlichen Teil der Veranstaltung praktisch keinen begrenzenden Faktor mehr dar - anything goes - je anspruchsvoller, je grösser das Medienecho, aber desto kleiner anfänglich das Teilnehmerfeld. Die Erzählungen der Finisher und die daraus generierte Publizität in den Medien führen dann - vorausgesetzt, die geforderte physische Leistung liegt in der Bandbreite eines mehr oder weniger langen «sportlichen Arbeitstages» - zu einem kontinuierlichen Wachstum des Teilnehmerfeldes. Die Durchmischung mit verschiedenen Leistungskategorien beeinflusst die Grösse der involvierbaren Teilnehmerschaft in den meisten Fällen positiv und es wächst eine eigene Community heran. Aus dieser können sich die gefeierten «Heroes» der zukünftigen Austragungen herauskristallisieren, welche einer Veranstaltung schlussendlich die angestrebte, einzigartige Aura verleihen werden.

Das Fazit:
• Was Erlebniswert hat, wird erfolgreich bleiben.
• Was Neugierde weckt, wird sich durchsetzen.
• Was Langeweile verbreitet, wird verlieren.

Text: Peter Wirz (FfL 1-2/2007). Peter Wirz ist «Gründungsvater» des Gigathlon und hat diesen Text im Rahmen des 10-jährigen FIT for LIFE-Jubiläums zum Thema «Ausdauersport quo vadis?» verfasst.