Lady Bike Academy – der Bericht von Nadia Knechtle

Redaktion FIT for LIFE

NadiaFlowige Trails, Bunny-Hops und eine Rendez-Vous mit Petrus

«Genügend Tempo, rechtzeitig die Arme strecken, Hüfte nach hinten!» So fährt man theoretisch über die Minischanze und landet mit beiden Rädern gleichzeitig auf dem Boden. Was in der Theorie einfach tönt, macht unser Fahrtechnik-Guide Franziska auch gleich vor und hilft beim ersten Versuch mit guten Tipps. «Mit dieser Push-Technik könnte man problemlos auch über grössere Schanzen springen», erklärt uns Franziska. Das lassen wir aber vorerst besser bleiben.

Es ist Freitagnachmittag und in verschiedenen Gruppen lernen wir von richtiger Bremstechnik, Gewichtsverlagerung bei steilen Stufen bis zum richtigen Bewegungsablauf bei einem Bunny-Hop die Grundregeln des Bikens. Was auch die Passanten bei der Dorfdurchfahrt durch Saanen mit Erstaunen feststellen: Wir sind eine beachtlich grosse Gruppe von 46 Personen. Und wir sind alles Frauen. Wer nun aber eine Kaffee-Klatsch-und-Tratsch-Runde erwartet, täuscht sich. Frauen können auch über die richtige Federgabeleinstellung, über Carbon und Alurahmen oder Kettenschmiere diskutieren.

Nadia KnechtleBei einem Apéro werden wir nach diesem Fahrtechnikkurs offiziell zur Lady Bike Academy begrüsst und im Hotel Alpine Lodge in Saanen/Gstaad willkommen geheissen. Das Team von Tourkultur wird vorgestellt und für Gelächter sorgt Sarah, beziehungsweise Heinz, der eine krankheitshalber ausgefallene Bikeleiterin ersetzt. Mit von der Partie sind die Bekleidungsspezialisten von Intercycle mit einem eigens eingerichteten Shop mit Bixs-Textilien sowie die Mechanikprofis, die auf Wunsch den Teilnehmerinnen Testbikes zur Verfügung stellen und fachgerecht einstellen.

«Weisst du, dass Klarsichtfolien in jeden Bikerucksack gehören?» fragt mich meine Schwester. Nein, das ist kein Tick von Frauen mit Hygienewahn. Andrea hat am Samstagmorgen den Medizin-Notfall-Workshop besucht und gelernt, dass Klarsichtfolie sehr vielseitig verwendbar ist. Zum Beispiel zum Fixieren einer Notschiene bei Beinbruch oder zum Wärmen des Kopfes bei unerwartetem Temperaturabfall. Ebenso weiss sie jetzt, was trotz Gewichtsoptimierung in keiner Notfall-Apotheke fehlen sollte. Anstelle von menschlichen Blessuren habe ich mich währenddessen mehr über Reparaturen am Bike informiert. Nebst den Basics wie Platten beheben wird uns auch gezeigt, wie eine gerissene Kette geflickt wird und wie man trotz ruiniertem Wechsler mit Singlespeed nach Hause fahren kann.

Und dass nach einer Tour nicht nur die Fahrerin unter die Dusche will, sondern je nach Witterungsverhältnissen auch das Bike etwas Pflege und die richtige Fettung braucht, ist uns Frauen schnell klar. Und wenns trotz optimal eingestelltem Sattel und passender Fahrradgeometrie dennoch im Knie zwickt und der Nacken verspannt ist, lindern die neu gelernten Massagegriffe aus dem Workshop «Knet yourself».

So, genug Theorie gelernt. Die Sonne scheint und am Nachmittag ist es nun definitiv höchste Zeit, aufs Bike zu steigen. In verschiedenen Stärkegruppen schwärmen wir in alle Himmelsrichtungen aus und geniessen die Trails rund um Gstaad.

Die Prognosen haben es vorausgesagt und leider haben die Wetterfrösche recht behalten. Es regnet Bindfäden! Und es sieht auch nicht danach aus, dass es nach dem Frühstück aufhören wird. Das Organisationsteam zeigt Flexibilität und stellt in kürzester Zeit ein Alternativprogramm mit weiteren Workshops zusammen und auch der Spa- und Wellness-Bereich des Hotels lockt. Doch schliesslich bin ich zum Biken nach Gstaad gekommen. Mit genügend trockener Kleidung wasserdicht im Rucksack verstaut, fährt unsere fünfköpfige Gruppe los. Und Petrus gibt uns recht.

Schon bald werden während des Aufstiegs zum Hornberg die Regentropfen durch unsere Schweisstropfen abgelöst. Zum Glück hat das Restaurant geöffnet und wir können uns mit einer warmen Suppe stärken und uns trocken und schön gewärmt in die Abfahrt stürzen. Und die macht richtig Spass! Unser Guide Franziska lässt keinen noch so unscheinbaren Wanderweg aus und wir freuen uns über die manchmal flowigen, manchmal aber auch ganz schön kniffligen Trails. Mit guten Tipps klappt eine enge Spitzkehre oder ein hoher Absatz beim zweiten Versuch. Der Untergrund ist wie erwartet ziemlich schlammig und die am Frühstückstisch besprochene Challenge – wer am dreckigsten zurückkommt – scheint jede von uns auf sicher zu glauben.

Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, dem Wetter zu trotzen und gut gelaunt kehren wir nach Gstaad zurück. Ein Bikewaschgang mit dem Gartenschlauch lohnt sich jetzt auf jeden Fall!

Biken in Gstaad by Swiss-Image

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