Die Wirkung von Krafttraining

Marco Caimi

Stephanie Hofschlaeger/pixelio.deKrafttraining bei Schmerzen im Bewegungsapparat

Krafttraining hat drei wesentliche Wirkungsaspekte, die für eine Schmerzreduktion in Frage kommen: Anpassung, Stoffwechsel-Steigerung und Koordinationsverbesserung.

Krafttraining führt zu Kraftanpassungen, durch mehr Kraft reduziert sich der Schmerz. Da begegnen einem zuerst vermeintliche Widersprüche: Muskelkraft als solche kann weder an den Gelenken der Extremitäten noch an den Gelenken der Wirbelsäule direkt auf die Schmerzentstehung einwirken. Rückenschmerzen werden auch unter Ruhebedingungen wahrgenommen, z.B. im Sitzen und Liegen. In dieser Situation ist die Muskulatur hingegen entspannt. Nach einem Training der Rumpfmuskulatur sitzt und liegt der Mensch wie zuvor ohne nennenswerten Muskeleinsatz. Also kann mehr Kraft direkt gar keine Auswirkung haben. Trotzdem zeigt auch hier die Praxis, dass durch eine Kräftigung auch im Sitzen und Liegen die Rückenschmerzen in 4/5 der Fälle nachlassen.

Die Lösung der (scheinbaren) Widersprüche: Durch ein gezieltes Muskeltraining wird der Stoffwechsel aller Gewebe, die am Gelenkaufbau beteiligt sind, positiv beeinflusst. Gezieltes Krafttraining regt den osmotischen Stoffwechsel der Bandscheiben, Knorpel und Bindegewebe an und schwemmt aus allen Geweben entzündliche Stoffwechselprodukte aus. Das Bandscheibengewebe, jedoch auch alle weiteren am Aufbau der Wirbelsäule beteiligten Gewebe, sind auf optimale Stoffwechselbedingungen angewiesen. Die Versorgung der Gewebe, die nicht wie die Muskulatur mit einer Durchblutung ausgestattet sind (Knorpel, Bandscheiben), findet durch osmotische und diffundierende Prozesse statt. Krafttraining initiiert solche Prozesse.

Krafttraining ist zumindest indirekt auch immer ein Koordinationstraining. Es verbessert die intra- und intermuskuläre Koordination. Durch die rechtzeitige Aktivierung von Muskeln, die am Beispiel der Wirbelsäule, für die transversale Gelenkstabilität verantwortlich sind, kommt es zu weniger Mikrobewegungen zwischen den einzelnen Wirbelkörpern. Wenn man bedenkt, dass an der Wirbelsäule die Toleranz gegenüber Scherkräften weit geringer ist als gegenüber Kompressionskräften, ist dieser kraftbedingte Stabilisierungsmechanismus von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Rainer Sturm/pixelio.de

Fotos: Stephanie Hofschläger und Rainer Sturm/pixelio.de

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