FIT for LIFE am Zürich Staffelmarathon

Marius Stahlberger

© Erwin ZügerDuathlon statt Marathon

Ausschlafen, den Wettkampf gemütlich angehen, und mich auf meine 17 Kilometer konzentrieren, die Stimmung in der Wechselzone aufsaugen, um dann die Strecke bis ins Ziel zu geniessen zu können. Als Stadtzürcher, der nur als Schlussläufer von Meilen zurück laufen müsste, hätte man eigentlich viele Vorteile auf seiner Seite, die man beim 1. Staffelmarathon ausnutzen sollte.  Müsste, hätte, sollte. Der Konjunktiv ist bekanntlich des Sportlers unbeliebtester Freund. Und so kam es, wie es kommen musste: nämlich ganz anders. Am Ende darf ich sagen, ich war wohl einer der wenigen Läufer, der statt eines Marathons einen Duathlon lief. Genau deswegen werde ich diesen Wettkampf nicht so schnell vergessen. Aber der Reihe nach…

Ruhe vor dem Sturm

Dass das mit dem Ausschlafen nichts werden würde, war klar. Schliesslich musste ich unserer Startläuferin Sonja den Zeitmesschip bringen. Da ich mit dem Velo von zu Hause bis an den Start nur 5 Minuten brauchte, konnte ich zumindest mein Kraftfutter, bestehend aus Müesli, Bananen und Sportgetränken, in aller Ruhe in mich reinschaufeln. Im Nachhinein betrachtet muss ich sagen, das war wohl die Ruhe vor dem Sturm.

SonjaVelo statt Zug

Bis kurz nach dem Startschuss lief alles wie geplant. Sonja schickte ich mit einem beherzten «Hopp Söne» auf die ersten 10 Kilometer. Anschliessend war der Plan, dass ich mit dem Velo von Andi, unserem zweiten Läufer, in die nächste Wechselzone nach Erlenbach fahre, um dann von dort mit dem Zug nach Meilen zu gelangen. Da Andi aber noch Fotos schiessen wollte, konnte ich viel zu spät losradeln. Nur knapp vor Andi traf ich in Erlenbach ein und stellte fest: Mit dem Zug nach Meilen wird es nichts, dafür würde die Zeit nicht reichen. Schliesslich stand Regina, unsere 3. Läuferin, bereits in den Startlöchern und würde in Kürze von Andi ins Rennen geschickt.

Die einzige Lösung war erneut: radeln, und zwar so schnell es ging. Also übernahm ich Reginas Velo und fuhr rasch in Richtung Meilen, um so viel Vorsprung wie möglich auf sie herauszuholen. Vielleicht hätte ich besser die Seestrasse gemieden und wäre besser oberhalb der Bahnlinie gefahren. Aber eben, das mit dem Konjunktiv hatten wir ja schon.

Zu viele Zuschauer, um zügig nach Meilen zu kommen

Die 5 Kilometer von Erlenbach bis Meilen wurden zum Wettkampf gegen die Zeit. Eigentlich dachte ich, das sei dann erst soweit, wenn ich am Laufen bin. Denkste. Auf dem Trottoir gab es fast kein Durchkommen, so viele Zuschauer standen Spalier. In Meilen angekommen wusste ich, es kann sich nur um Sekunden handeln, bis Regina eintrifft.

Velo abschliessen, noch schnell einen Banane runterdrücken, aufs WC, umziehen. Die ganze Zeit über las die Speakerin die Startnummern der eintreffenden Staffelläufer runter. «Nochmals Glück gehabt», dachte ich, während ich meine Laufschuhe schnürte. Unsere Nummer, die 7067 war nicht zu vernehmen. Der Zeitplan schien knapp aufzugehen.

© FIT for LIFE; Marius Stahlberger kurz vor dem Ziel5 Minuten Zeitverlust in der Wechselzone

Von wegen. Regina war schon lange da. «Gefühlte 5 Minuten», sagte sie mir. Ständig hätten sie und die Zuschauer meinen Namen gerufen. «Jetzt muss Du einige Minuten aufholen», rief eine Zuschauerin.

Tja, wenn ich gewusst hätte, wie meine unmittelbare Vorbereitung auf die 17 aussehen würde, hätte ich mehr Radeinheiten trainiert.

Zumindest erwischte ich läuferisch einen relativ guten Tag. Die Temperaturen waren für mich perfekt und die diversen Überholmanöver motivierten mich zusätzlich. Die vielen Zuschauer am Bürkliplatz verliehen mir den Extraschub für den Schlussspurt und so erlebte ich trotz aller Strapazen einen tollen Wettkampf auf einer schönen Strecke bei unerwartet perfektem Wetter.

Gratulation ans Lesertem!

Am Ende verloren wir 4 Minuten auf das FIT for LIFE-Leserteam, unsere Herausforderer. Mit 3:12:38 waren die aber auch ziemlich stark und wohl auch mit einem perfekten Wechsel kaum zu schlagen gewesen. Deshalb an dieser Stelle: Herzlich Gratulation an Ingrid Plüss, Markus Ehrensperger, Christine Jenni und Peter Roth. Und natürlich auch an alle anderen Staffelläufer und Marathonis. Bis zum nächsten Jahr!

FIT for LIFE-Leserteam

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