Kerzerslauf – Erlebnisbericht von Thomas Wyss
Thömu Wyss
Kerzerlauf ist «Pflichtprogramm»
Bei der Anreise ins ländliche Kerzers entnehme ich dem gewaltigen Stimmengewirr im Zugsabteil, dass «jeder anständige Läufer seine Saison mit dem 15 km langen Kerzerslauf beginne». Ui, nochmals Schwein gehabt, denke ich, denn ich bin ja hier mit dabei und will schliesslich kein verkorkstes Sportjahr. Wie ein «richtiger» Läufer bin ich schon fast 2 Stunden vor der Startzeit auf dem Startgelände und kann viele vertraute Gesichter erkennen. Über den Winter durch trainiert jeder zu Hause auf seiner angestammten Laufrunde und freut sich, wenn es nun richtig losgeht. Klar wird auf Understatement gemacht: «Jä, näi, wäisch ich bin jetze brueflich no meh engagiert u kann nur no 4 x go trainiere». Man hört von «Bobolis» und «Bräschte», damit schon vor Zielankunft klar ist, dass auch dieses Jahr nichts mit einer persönlichen Bestzeit ist.

Respekt vor den rüstigen, schnellen Läufern!
Und es geht ja auch nicht primär um die Laufzeit sondern um die Freude am gemeinsamen Laufen. Wir wünschen uns an der Startlinie «ä guete Louf» und schon geht’s ab, als wären wir auf der Flucht. Die ersten Kilometer vergehen wirklich wie im Fluge und ich denke, wie lange ich die Pace meiner Mitläufer halten kann und ab welchem Kilometer ich für mein Höllentempo bestraft werde. Ich tänzle behände wie Natascha Badmann und höre in der Tat die Vöglein von den Bäumen zwitschern. Kilometer 8 und ich bin immer noch dabei. Links und rechts neben mir Läufer, die viel älter als ich aussehen. Sind die jetzt schon vor dem Golaten so vom Lauf gezeichnet oder sind es wirklich alte Laufroutiniers? Es ist Letzteres und ich staune immer wieder, wie zwanzig Jahre ältere Läufer immer noch so «buschper» sind, Chapeau an euch Oldies, ihr seid meine Vorbilder und hoffe insgeheim, später auch mal noch so fit wie ihr zu sein!
Beinahe persönliche Bestzeit
Die Steigung habe ich von meiner letzten Teilnahme vor ein paar Jahren viel ruppiger in Erinnerung gehabt, obwohl mir fast das Herz aus dem Brustkasten platzt. So, jetzt gilt es auf die Zähne zu beissen und auf den letzten 4 Kilometer ja nicht abreissen lassen. Nichts mehr Vögelein und so, die Badmann ist aus dem Kopf, es ist eher der Hammermann der im Anmarsch ist. Jetzt wird es hart, aber die Plagerei hat schon bald ein Ende und ich verpasse meine persönliche Zielvorgabe nur um läppische 1,7 Sekunden; das Pflichtprogramm von Kerzers war somit ein Erfolg und der Käsekuchen im Bahnhof Bern hat noch nie so gut geschmeckt wie heute; und für jeden kaputten Zehennagel gibt es zur Feier des Tages noch einen Mohrenkopf. Das erste Hüngerlein ist gestillt, aber schon auf der Weiterreise im Zug habe ich wieder das Verlangen etwas zu essen. Denn nach dem Wettkampf ist immer auch vor dem Wettkampf. Zum Glück habe ich zwei Bananen im Säckli. Damit sollte ich morgen beim Kürprogramm am StrongmanRun in Thun noch besser klettern können.













