Engadin Skimarathon 2010 – Erlebnisbericht von Andrea Freiermuth
Redaktion FIT for LIFE
Mein erster Engadin Skimarathon
Maloja. 9 Uhr, minus 15 Grad. Überredet hat Mann mich. Ich und Engadin Skimarathon? Nein, dieses Stock- und Skigewurstel brauch ich als überzeugte Genussläuferin nicht. Trotzdem stehe ich nun hier am Start.
9.20 Uhr. Peng – und los gehts. Es ist eng. Doch als ob ich mit «Achtung, leicht zu nerven» angeschrieben wäre, kommt mir niemand zu nahe. Ich allerdings fahre einige Mal auf – und auf einen Stock. Sorry, wollte nicht drängeln.
Anfängerfehler: Zu warm angezogen
Mir ist heiss. Wohl doch eine Schicht zu viel angezogen. Typisch Anfängerin halt. Noch vor der ersten Steigung reisse ich mir die Kappe vom Kopf.
Und dann kommt er: Der Anstieg zur Sprungschanze. Ganz gesittet in Dreier-Kolonnen gehts aufwärts – so viel Disziplin hätte ich den ehrgeizigen Marathönler gar nicht zugetraut.
St. Moritz Bad. 10.20 Uhr Spätstens hier flätze ich mich normalerweise ins Café, lese Klatschhefte und informiere mich über die Promi-Dichte im teuersten Alpendorf der Welt. Nicht so heute. Zum Trost fixiere ich das knackige Füdli vor mir – und im «eins-eins» weiter gehts.
Vor dem Kempinski hats richtig viel Volk. Der Speaker vermeldet gerade, dass Dario Cologna den Engadiener gewonnen hat – und ich hab noch nicht mal die Hälfte.
Mexikaner und Gaddafis unterwegs
Im Stazerwald gibts erstmals richtig Stau. Uff, schön. Endlich etwas ausruhen. Der Grund für den stockenden Verkehr ist äusserst amüsant: Zwei als Mexikaner verkleidete Typen, die einen Kaktus aus Skiern mit sich ziehen. Auf meiner Höhe fahren auch vier Gaddafis, bei deren Anblick jeweils frenetischer Applaus ausbricht – wovon insgeheim auch ich zehre.
Am Lej da Staz lasse ich mir von Zuschauern Bananen und getrocknete Aprikosen direkt in den Mund stecken – und stürze mich bald guten Mutes in die berüchtigte Abfahrt. Kein Problem. Alles im Griff und alles gar nicht so schlimm, wie es immer heisst.
Pontresina, 11 Uhr. Ohne Sturz, Schmerz oder sonst einen Ablöscher erreiche ich Kilometer 21 und überlege auch nicht mal eine Sekunde, es beim Halbmarathon zu belassen. S-chanf ruft.
Ab Samedan weitet sich Feld. Doch anstatt genüsslich alleine dahinzuskaten, hefte ich mich an die Skier einer Vorfahrerin – «zwei-eins» immer schön den Rhythmus übernehmen. Um die Männer mache ich einen grossen Bogen, denn jene, die jetzt auf meiner Höhe sind, fahren nicht sauber – und stürzen hin und wieder grundlos.

Ab La Punt ist es hart
La Punt, 11.40 Uhr. Jetzt schmerzen die Füsse. Es ist verdammt heiss – und irgendwie kleben die Skis. Aber andern scheint es schlechter zu gehen. Wenn ich so weiter fahre, dann unterbiete ich mein heimliches Ziel von vier Stunden deutlich. Also nichts wie weiter.
Fotopoint auf den Golanhöhen. Natürlich läche ich. Bin ja schliesslich Genussfahrerin. Aber ists mir auch gelungen?
S-Chanf, 12.47.10,5 Uhr. Zieeeeel. I did it. Unter dreieinhalb Stunden. Unglaublich. Mit einem besseren Wachs, der passenden Kleidung und der richtigen Einstellung werde ich nächstes Jahr noch schneller sein.












