Spucken beim Joggen: verboten?

Claude «Moser» Ramme

Copyright: Chocolat01/pixelio.deGewichtige Probleme

Männiglich kennt mich mittlerweile als ausgeprägten Moseri, der sich in diesem Forum immer mal wieder als humorloser Zeitgenosse outet. Mitunter klingts spitzfindig oder auch bloss banal, aber immer beschäftigts mich – woraus Sie erkennen: ich habe gewichtige Probleme. Ja, und bei Problemen holt man halt einfach die Polizei.

Drum bin ich ein überzeugter Anhänger des Polizeistaates. Früher gabs ja noch so etwas wie eine soziale Kontrolle durch die Nachbarn, aber heute, im Zeitalter der Toleranz (je nach Lesart auch: Gleichgültigkeit) braucht es Gesetze und die harte Hand der Polizei beim Durchgreifen.

Daraus lässt sich denn auch ableiten, dass ich das Spuckverbot, das die Zürcher Gemeinden Wallisellen (Rang 1), Gossau (2) und Oberwenigen (3) einführten, durchaus begrüsse. Weil erfolgreich, wollen Wädenswil, Uster, Dübendorf jetzt auch. Endlich hört es auf mit dieser «Choderei».

Bekanntlich geht es hier um den öffentlichen Grund. Also eigentlich alles, was nicht privat ist. Wozu auch der Wald gehört und die Strasse und was auch immer, wo die Menschen sich verlustieren, wenn sie nicht daheim sind oder beim Nachbarn.

Natürlich müssen wir der Konsequenz halber nun auch alle Vögel abschiessen, die sich bemüssigt fühlen, den öffentlichen Raum zuzukoten. Ob Spatzen oder Tauben, Enten oder Möwen. Wer je auf der Zürcher Seepromenade promenierte, versteht meinen Wunsch. Auch die vielen Katzen, die sich in perfekt gepflegten Beeten erleichtern, gehören stante pede auf den Tisch, in Form eines Katzenfilets.

Judith Lisser-Meister/pixelio.deZurück zu den Menschen – jene mit tropfendem Kebab oder überflüssigen Salatblättern. Sie sollten umgehend geahndet werden, wenn nicht sogar eingesperrt. Weil auch nicht besser als Spucken, Erbrechen, Kaugummi verlieren.

Als Verfechter der Diktatur habe ich zurzeit natürlich ein veritables Problem mit meinem inneren Schweinehund, der mir als Jogger immer mal wieder Speichel in den Rachenraum schiebt zwecks Entledigung im öffentlichen Raum. Da hilft natürlich auch die Ausrede nicht, dass ich einen viralen Infekt mit mir rum schleppe, der einfach raus muss – zumindest Teile davon.

Vielleicht sollten wir daran denken, Halter mit Spucksäcklein aufzustellen, die wir als Jogger mitlaufen lassen könnten – sollte es uns gluschten, zu rotzen, gäbs dafür den rosa Spuckbeutel. Oder überall Spucknäpfe aufstellen. Wäre doch super – und käme mir entgegen, damit ich nicht mehr mit unsauberem Gewissen durch die Wälder seckle.

Sagen Sie mal, ja Sie, aus dem Rest der Schweiz, was haben Sie eigentlich für gewichtige Probleme?

Matthias Balzer/pixelio.de

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