Sportbranche entdeckt LOHAS
Stefan KauschÖko-Innovation auf der Skipiste
Der Begriff «LOHAS» steht für «Lifestyle of Health and Sustainability» und wurde vom US-Amerikaner Paul Ray in seinem Buch «Cultural Creatives» vor zehn Jahren zum ersten Mal erwähnt. Er beschrieb eine Bevölkerungsgruppe, die einem genussvollen, gesunden und nachhaltigen Lebensstil frönt. Ein LOHAS konsumiert mit gutem Gewissen ethische und ökologische Produkte, ohne dass er oder sie auf Spass, Luxus, Bequemlichkeit verzichtet.

Personen, auf die der LOHAS Begriff besonders zugeschnitten ist, sind Ausdauer- und Outdoorsportler. Sie legen Wert auf Gesundheit und eine intakte natürliche Umwelt. Marktstudien schätzen heute den LOHAS-Anteil an der Bevölkerung auf 15% – 30%. Der Lifestyle verspricht den Sportartikelherstellern also «big business». Die Kunst dabei ist, die Balance zwischen Marketing und glaubwürdiger Produktinnovation zu finden.
«Damit der Winter weiss bleibt: Umweltfreundliche Atomic-Innovationen gegen den Klimawandel». Mit diesem Werbespruch zielt der Atomic auf die LOHAS ab. Atomics Vorzeigeprojekt ist der «nachwachsende» Skischuh Renu 110 aus Biokunststoff, Bambusfasern, Kork und Baumwolle. Er ist zur Gänze recycelbar (resp. zu 80% gemäss externem Gutachten) und spart bei der Produktion gemäss Hersteller 51% fossile Brennstoffe ein. Zugleich erfüllt er alle Performance-Ansprüche, die man von einem Top Skischuh erwartet.
Leider gibt die Website von Atomic keine Auskunft, wie viel CO2 eingespart wird oder ob der Schuh nach Gebrauch vom Sportgeschäft zurückgenommen und die einzelnen Teile wiederverwendet werden. Auch schuldig bleibt die Antwort, ob der Anbau der natürlichen Rohstoffe ökologisch und fair angelegt ist. Dies würde den LOHAS sicher auch interessieren.
Haben Sie Ihren recycelbaren Skischuh schon angeschafft? Nein?! Ist auch nicht so einfach. Den Renu 110 gibt es gemäss Atomic erst in 11 Sportgeschäften in der Schweiz (siehe Liste unten). Weitere Sportmarken, die ihre ersten Öko-Schritte wagen sind North Face (Schlafsack Green Kazoo), Voelkl (Tourenski Nanuq) oder Burton (Snowboard Eco Nico). An der Internationale Fachmesse für Sportartikel und Sportmode (Ispo) werden im Februar 2010 die neuesten Öko-Innovationen mit dem ECO Responsibility Awards ausgezeichnet. Man darf gespannt sein.
Sportartikelhersteller sind in den Startlöchern. Nun liegt der Ball bei den Sportgeschäften, die «grünen» Artikel zu listen und bei den Endkunden, die Produkte nachzufragen. Mein Gratistipp: Glaubwürdigkeit vor big business schützt vor bösen Überraschungen.
Sportgeschäfte mit dem Atomic Renu 110: Passe Montagne SA, 1004 Lausanne; Silver Sport, 1659 Rougemont; Central Sports, 1972 Anzère; Nord Sud Sport, 2022 Bevaix; Alpin Center GmbH, 3812 Wilderswil; Bayard Sport & Fashion, 3920 Zermatt; Affeier Burgener-Sport AG, 3984 Fiesch; Imholz- Sport AG, 6463 Bürglen (nur ein Schuh für einen Skilehrer bestellt); Cresta Sport Mode AG, 7133 Obersaxen (Skischuh ausverkauft); Heierling & CO Sportschuh-Fitting, 7260 Davos Dorf (im Verkauf); Chris Sports Systems, 9542 Münchwilen (kein Skischuhverkauf).
Schlagworte: Nachhaltigkeit












