Ein Aufklärer
Marco Caimi
«Bad science»
So stand’s in der NZZ am Sonntag vom 7.2.2010: Ben Goldacre, Jahrgang 74 ist Psychiater. Sieht etwas verwirrt und nicht besonders gesund aus. Offenbar hat er es satt, in die Untiefen menschlicher Seelen zu blicken. Daher fühlt er sich nun zum Kolumnisten berufen. In der englischen Zeitung «The Guardian» schreibt er die Kolumne «bad science». Er sei «dazu geprügelt worden, diese Kolumne zu schreiben». Es mache ihm «Spass, zu zeigen, dass Leute, die sich als Experten bezeichnen, Idioten sind.»
Vor allem zieht er über Vitamine und Co. her und behauptet, dass man eher an zusätzlichen Vitaminen sterben könne, als dass sie etwas für die Gesundheit beitragen würden. Er führt 230 000 Menschen ins Feld, an denen man Vitamin A und E ausprobiert habe. (Über diese falsch designten Studien betreffend Dauer der Gabe, Dosis und Art haben wir an dieser Stelle schon mehrfach berichtet! Die positiven Studien an mindestens so viel Probanden erwähnt Mr. Goldacre natürlich nicht).
Die Nahrungsergänzungsmittel-Indiustrie sei weltweit ein 55 Milliarden-Geschäft. Wahrscheinlich macht diese Tatsache Vitamine bereits unnötig. Es gibt andererseits Pharmafirmen, die setzen mit einem Medikament mehr als eine Milliarde um…
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Ein uns bestens bekanntes Pharma-Unternehmen hat nach kürzlich erfolgter Publikmachung der Jahreszahlen verkündet, dass bei den Krebsmedikamenten und Impfstoffen «noch grosses Potential in unserer Gesellschaft liege». Ziemlich mühsam, wenn banale Mittel wie Mikronährstoffe Krebs oder Infekte verhindern oder mildern würden…
A propos bad science zum Ersten: Als Psychiater dürfte er Mühe haben, eine saubere Studie vorzulegen, die die Wirksamkeit der mehrjährigen Psychoanalyse nach Kriterien seiner vergötterten evidence based medicine nachweisen würde (ausser der Ausgabe von zehntausenden von Franken/Euros/Dollars seitens der Patienten und Kassen).
A propos bad science zum Zweiten: Die von ausgewiesenen Wissenschaftlern prophezeite Pandemie «Schweinegrippe» hat die Steuerzahler in Europa Abermillionen für PR und Impfstoffe gekostet. Eingetreten ist so gut wie nichts davon, was bereits mit gesundem Menschenverstand vorauszusehen war. Real bad science, Mr. Goldacre!
Randbemerkung: Ben Goldacre arbeitet für den National Health Service, das öffentliche und steuerfinanzierte Gesundheitssystem Grossbritanniens, mittlerweile eines der schlechteren in Europa.
Schlagworte: Gesundheit












