Triathlon: Aerodynamik ist alles, alles andere ist nichts
Claude «Moser» RammeWiederkehr der Eierköpfe
Triathlon ist eine Sportart, die aufgrund ihres geringen Alters nicht mit Traditionen aufwarten kann – ausser vielleicht damit, immer Avantgarde zu sein, neu auf Teufel komm raus. So entwickelten Triathletinnen und Triathleten von Beginn an ein einzigartiges Flair für High-Tech.

Sie erfanden das Fahrrad neu; sie zogen sich als erste (im Sport) bunt an – was nicht bloss der letzte Schrei war, sondern manchmal auch zum Schreien; sie verstauten ihre bunten Klamotten gottlob als Erste wieder; sie hockten sich in Badehosen aufs Velo und machten sich danach genau so auf die Socken; Laufschuhe wurden nicht mehr geschürt, sondern festgezurrt. Und so weiter.
Triathletinnen und Triathleten waren eine Mischung aus Existentialisten und Extrovertierten. Das Fremdwort dafür: cool.
Und jetzt das. Die früher so auf ihre Individualität bedachten Triathleten sehen heute aus wie in der Fabrik produziert. Und sind damit vom gleichen Virus befallen wie die Autobauer: Aerodynamik ist alles, alles andere ist nichts.
Der Gipfel dieser Entwicklung zeigt sich in den Aerohelmen, deren Ursprung allerdings ganz wo anders zu verorten ist. In Grossbritannien gab es in den 60er Jahren die Fernsehshow «The Eggheads», wo fünf Obergescheite als Besserwisser der Nation amteten (seit 2003 läuft die Show wieder). Als Eierköpfe wurden und werden gerne Intellektuelle und Akademiker bezeichnet, die vor lauter Kopfzermatterei ihre Haare verlieren.
Es liegt ja halbwegs auf dem Weg, wenn Triathleten sich als gescheiter als alle anderen darstellen möchten. Aber müssen sie deswegen dümmer als alle anderen aussehen?
Vermutlich waren diesbezüglich die Quelle der Inspiration die «Coneheads» (cone: Kegel). 1977 als Sketch in «Saturday Night Live» erstaufgeführt und 1993 in einem 90-minütigen Film verewigt, zeigten die Coneheads, die als Aliens zur Welt niederfuhren, dass man mit einem solchen Aussehen durchaus als Mensch durchgeht. Was irgendwie ja auch beruhigend ist.
Ich werde jetzt mal ein bitzeli wehmütig. Früher ging’s darum, ein Tag lang ein Held zu sein. Heute scheint das einzige Ziel, eine halbe Minute schneller im Ziel zu sein. Diese komischen, riesigen, heissen und ohne Zweifel ungefähr doppelt so schweren Helme sollen dabei helfen. Tun sie das? Beobachtungen zeigen: Die meisten nicken relativ häufig mit dem Kopf – kein Wunder bei dem Gewicht – und richten dabei das Helmhinterteil in den Himmel. Was erwiesenermassen bremst. Die ganze Aerodynamik ist zur Sau.
Es ist bezeichnend, dass die Hawaii-Sieger der letzten Jahre, Chrissie Wellington (2007-2009) und Craig Alexander (2008, 2009), keinen solchen Helm trugen.

Schlagworte: Mosers Mission









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Recht hat er, sieht deppert aus. Jedoch gibt es das Gefühl alles richtig gemacht zu haben, wie z. B. auch das Fahren mit Scheibenrad, und schon nur das Gefühl schneller zu sein beflügelt. Und in der heutigen Dichte der beinahe gleichschnellen Triathleten entscheide 30 Sekunden um eine Qualifikation für Hawaii oder nicht. Greetz, Chris