Spinning-Kino – heisser Sport für kalte Tage
Regina SenftenWegen Hugh Jackman völlig von der Rolle
Unten auf der Rolle Velofahren, oben auf Grossleinwand einen Kinofilm anschauen: das ist Spinning-Kino. Ein Genuss, der vor allem die Sportler unter den Kino-Liebhabern anspricht.

Mitten im trendigen Zürcher Seefeld öffnet das Spinning-Kino jeweils im Winter jeden Monat- und Donnerstagabend seine Tore, um Kinoliebhaber für sportliche Höchstleistungen zu begeistern. Wer jetzt aber Spinning-Velos mit roten Plüschsätteln, Popcorn und Pausen-Eis erwartet, irrt gewaltig. Die Räumlichkeiten an der Wiesenstrasse 11 haben mit dem Kodak Theatre am Walk of Fame etwa so viel gemeinsam wie Fabian Cancellara mit Nicole Kidman. Und trotzdem gehören beide irgendwie dazu.

In der zum Kinosaal umfunktionierten Garage stehen vier Spinning-Velos und 10 Rollen vor der Grossleidwand bereit. An diesem kalten Donnerstagaben im Dezember sind alle Plätze restlos ausverkauft. Triathleten, Ironwomen, Hobby-Gümmeler und Kinofans stürmen die Plätze. Die Initiatoren Michael Albert und Martin Frei freuts. Die Idee «Indoor Cycling meets Hollywood» scheint voll aufzugehen.
Spätestens wenn der Jingle von 20th Century Fox verklungen ist und die Leinwand den Filmtitel preisgibt, wird klar, weshalb heute full house herrscht! Gezeigt wird das monumentale Kino-Epos aus Down Under: Australia mit Hugh Jackman. Jetzt verstehe ich, weshalb überdurchschnittlich viele Frauen auf den Velos sitzen. Wer will sich denn den atemberaubenden Hugh Jackman entgehen lassen, wenn er dazu noch an der Grundlagenausdauer für die nächste Triathlonsaison feilen kann? Nie haben zwei Fliegen auf einen Schlag mehr Reize versprochen!

So schnappe ich mir also ein Velo in der hintersten Reihe und komme neben Vera und Fredi zu sitzen. Sie eine knallharte Triathletin, die schon am Einfahren ist, bevor der Film überhaupt begonnen hat. Er ein Allgemeinmediziner, der seine Freizeit am liebsten auf dem Velo verbringt. Und dazwischen ich, die ich mir noch nicht recht vorstellen kann, wie ich einen ganzen Film lang auf dem schmalen Sattel aussitzen soll.
Zugegeben, 166 Minuten auf dem Spinning-Velo können ganz schön lang sein. Thomas, zwei Sättel neben mir, steht schon nach zehn Minuten auf und lockert sich die Beine, bevor er sich an der Bar ein Bier schnappt und wieder weiterstrampelt. In der ersten Reihe piepst irgendwo eine Polar-Uhr. Ist der Puls schon derart hoch? Hugh Jackman war doch noch kaum zu sehen!
Gelassen treten alle Zuschauer in die Pedale. Michael geht zwischendurch mit heissem Tee, Weihnachtsgebäck und Focaccia durch die Reihen. Auf der Theke stehen Bierflaschen für Durstige bereit. Dann, plötzlich, wird es unruhig in der hinteren Reihe. Fredi tuschelt aufgeregt zu mir herüber: «Jetzt musst Du Dich dann festhalten, sonst kippst Du mir noch vom Rad.» Er weiss wovon er spricht: Schliesslich ist er Arzt und kann sehr wohl abschätzen, ob frau vor Begeisterung über den im australischen Outback duschenden Hugh Jackman in Ohnmacht fällt oder sich gerade noch am Velolenker festhalten mag.
Mittlerweile ist auch mein Puls ganz oben. Nicht so sehr, weil ich mich derart abmühe auf dem Rad. Das überlasse ich anderen. Thomas etwa ist schon derart am Limit, dass er sich mit einer zweiten Flasche Bier stärken muss. Bei mir ist es eindeutig Hugh, weswegen ich völlig von der Rolle bin. Aber weil die Stimmung so locker, die Leute so sympathisch und das Filmangebot so gut ist, werde ich sicherlich wieder mal einen gefreuten Abend im Spinning-Kino verbringen!










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gute Idee und tolle Sache…. es scheint als muss man das mal mache und mit von Part(y)ie sein….. Gratulation