Marathon-Enttäuschung, trotz perfekter Vorbereitung

Stefan Müller

Mein Luzerner Marathonerlebnis

Nun neigt sich das Jahr schon bald dem Ende zu, und es sind schon rund zwei Monate vergangenen, seit der 3. Lucerne Marathon über die Bühne ging. Mit meinem eigenen Rennen an diesem 25. Oktober 2009 war ich dermassen unzufrieden, dass ich keine Lust verspürte einen Erlebnisbericht darüber zu schreiben. Mittlerweile habe ich die Enttäuschung jedoch verdaut.

Start zum 3. Lucerne Marathon 2009

Ich habe bereits wieder neue Marathonziele ins Auge gefasst, und mit einer ersten Trainingsrunde rund um die Horwer Halbinsel habe ich mich vor einigen Wochen auch mit der Luzerner Marathonstrecke wieder versöhnt.

Am Morgen des 25.10.09 stand ich um fünf Uhr auf und nahm ein leicht verdauliches Frühstück zu mir. Anschliessend machte ich einen kurzen Spaziergang ums Haus und stellte mir nochmals vor, wie ich ein paar Stunden später die Ziellinie im Verkehrshaus mit einem Lächeln auf den Lippen überqueren würde. Endlich war der Tag da, auf den ich so lange hingearbeitet hatte.

Das gesamte Training verlief ganz nach Plan, und die letzten Testrennen fielen sehr erfolgsversprechend aus, so dass ich überzeugt war, dass ich meine hochgesteckten Ziele erreichen würde. Ich wollte eine Zeit von 2h 30min anpeilen und damit meine bisherige Bestzeit von 2:35h deutlich unterbieten.

Um 9 Uhr war es dann so weit. Der Startschuss fiel und in Luzern wurden etwa 8000 Marathon-, Halbmarathon- und Schnuppermarathonläufer und -läuferinnen auf die Strecke rund um die Horwer Halbinsel geschickt. Ich nahm mir vor, die erste Runde ruhig anzulaufen, damit ich auf der zweiten Runde noch etwas zusetzen kann. Vor allem wollte ich in den Steigungen auf der ersten Hälfte der Runde nicht schon zu viel Kraft verpuffen.

Stefan Müller am 3. Lucerne Marathon

Genau so verlief dann auch die erste der beiden Runden. Ich schaute nicht auf die Konkurrenz, lief mein eigenes Rennen und passierte die Halbmarathonmarke wie geplant in 1:15.12h. Von da an erhöhte ich das Tempo leicht und konnte mich um ein paar Ränge verbessern. Schon bald befand ich mich an sechster Stelle, und der Abstand zu einigen vor mir Laufenden war gar nicht so gross. Doch leider spürte ich, nachdem ich die Steigungen zum zweiten Mal hinter mich gebracht hatte, dass meine Waden bereits langsam «hart» wurden. Ich versuchte jedoch weiterhin locker zu bleiben und konnte mein Tempo aufrechterhalten.

Nach rund 34km, als ich zum zweiten Mal durch Horw lief, lag ich nach wie vor an sechster Position. Von da an kamen jedoch zu den verhärteten Waden auch noch leichte Schwindelgefühle hinzu. Das Rennen wurde zu einem Kampf. Ich dachte nicht mehr an den Zieleinlauf, sondern versuchte mir kleinere Etappenziele zu stecken: «…bis zum nächsten Verpflegungsposten, …bis zur ‚Ufschötti’, wo ich im Sommer oft schwimmen gehe, …bis zum KKL und zur Seebrücke, wo die Stimmung gigantisch sein wird, und mich die Zuschauer ins Ziel ‚tragen’ werden.»

Nachdem ich dieses Etappenziel erreicht hatte, war ich wieder fest davon überzeugt, dass ich die Ziellinie im Verkehrshaus überqueren würde. Und so kam es dann auch, aber das mit dem Lächeln auf den Lippen konnte ich wohl nicht einhalten.

Auf den letzten acht Kilometern brach das Tempo gewaltig ein. Ich verlor noch sechs Ränge und einige Minuten. Schlussendlich lief ich nach 2:36.58h als 12. ins Ziel. Ein Ergebnis, über das ich sehr enttäuscht war. Natürlich blieb ich nur gerade eineinhalb Minuten über meiner persönlichen Bestleistung, doch ich war zuvor so gut in Form und habe mir für dieses Rennen so viel vorgenommen, dass ich einfach nicht zufrieden sein konnte. Insgeheim liebäugelte ich im Vorfeld gar mit einem Podestrang, wovon ich schlussendlich weit entfernt war. Da die Vorbereitungen sowie die Testrennen so gut verliefen, konnte ich nach dem Lucerne Marathon sogar von einer Niederlage sprechen. Woran es jedoch lag, darüber kann ich nur spekulieren.

Mittlerweile habe ich die grosse Enttäuschung aber wegstecken können, und ich bin bereit, wieder neue Ziele anzugehen. Im Frühling werde ich erneut versuchen meine Marathonbestzeit zu verbessern. Ob ich dann am 31. Oktober 2010 in Luzern wieder am Start sein werde, lasse ich noch offen. In der Woche nach dem Marathon konnte ich es mir jedenfalls überhaupt nicht vorstellen im kommenden Jahr wieder den Lucerne Marathon zu laufen. Vor einigen Wochen habe ich jedoch wieder eine Trainingsrunde um die Horwer Halbinsel absolviert und mich dabei mit der Luzerner Marathonstrecke versöhnt.

Stefan Müller am 3. Lucerne Marathon

Wenn ich heute nochmals an den 3. Lucerne Marathon zurückdenke, so bleiben mir – nebst meinem enttäuschenden Resultat – vor allem die tolle Stimmung an der Strecke und die vielen Reaktionen und Gratulationen nach dem Rennen in bester Erinnerung. Zu meinem Heimrennen kamen viele Verwandte und Bekannte um mich anzufeuern, von denen dann die meisten schlussendlich – im Gegensatz zu mir – sehr zufrieden waren mit meinem Rennen.

So waren zum Beispiel in Horw, wo ich als Primarlehrer unterrichte, viele meiner Schülerinnen und Schüler an der Laufstrecke, welche sehr begeistert waren, dass ihr Lehrer so weit vorne mitgelaufen war. Der Lucerne Marathon 2009 war also trotz allem auch für mich auf eine Art ein schönes Erlebnis und ich kann mir mittlerweile durchaus vorstellen, bei der vierten Ausgabe im Jahr 2010 wieder dabei zu sein.

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Kommentare

Ein Kommentar zu “Marathon-Enttäuschung, trotz perfekter Vorbereitung”
Roland Breitenmoser 7.1.2010 17:42 Uhr

Lieber Stefan

Dein Bericht vom Marathon hat mich sehr beeindruckt. Ich finde er ist schön und ehrlich geschrieben. Du wirst feststellen, dass dieser Marathon nur eine Etappe von vielen schönen Sporterlebnissen sein wird. Wichtig ist, dass der Wettkampf in schöner Atmosphäre stattfindet und Luzern ist wahrlich schön.

Viele Grüsse von einem alten Lauffreak.
Roland

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