Was wir von Zecken lernen können
Claude «Moser» RammeVerbissenheit im Sport
Vor ein paar Monaten habe ich über Humor im Sport geschrieben und gemeint, dass wir Sportler und Sportlerinnen den Sport nicht immer so ernst nehmen sollten. Aber also: das sollte man dann doch nicht allzu ernst nehmen. (Es gibt ja Leute, die behaupten, von mir darf man ohnehin höchstens zwanzig Prozent ernst nehmen!) Deshalb jetzt im Ernst – ohne Ernst geht es im Sport nicht, will man nicht nur des Spasses wegen mitmachen. Wer Leistungsziele hat und sich verbessern will, sollte mit einem guten Stück Verbissenheit an die Sache rangehen. Will heissen: für die nächsten paar Zeilen ändere ich meine Meinung. Ganz im Ernst. Wo kämen wir hin im Sport, wenn wir immer drüber lachen könnten? Oder anders gefragt: wieso gibt’s in Deutschland so viele gute Triathleten? Ich sag’s mal vorsichtig: die nehmen die Sache ernst. Habt ihr schon mal mit Deutschen trainiert? Aber hallo, das ist eine ganz eigene Herangehensweise. (Und plötzlich leuchtet mir ein, weshalb ich es nie viel weiter als ins obere Mittelfeld geschafft habe, egal, welche Sportart.)
Es sind die verbissenen Sportlerinnen und Sportler, die es weit bringen im Sport. Nicht die lockeren, unaufgeregten. Ich habe gerade die Szene vor Augen, als der immer so easy going wirkende Australier Chris McCormack sich beim Ironman Germany beim Radsplit über die Nachwuchstriathleten Jan Raphael und Markus Fachbach aufregte, weil die in seinen Augen zu wenig Nachführarbeit leisteten. «They are shit», sagte er wörtlich. Und man möchte ihm zurufen, Triathlon ist eine Einzelkämpfersportart, also klemm die Arschbacken zusammen und hör auf zu jammern. Aber: Macca hat 2007 den Ironman Hawaii gewonnen. Er hat überhaupt so gut wie alles gewonnen, was man gewinnen kann. Wie auch der Wadenbeisser Stadler. Oder der immerernste Kanadier Peter Reid. Oder der König der Verbissenheit Dave Scott, der Hawaii gleich sechs Mal siegreich verliess.
Dasselbe Muster findet sich in allen Sportarten. Man stelle sich die Milchschnitte-Komiker Klitschko und Klitschko im Boxring vor, wenn sie so viel Spass hätten wie beim Werbedreh. Das würde blutiger Ernst – was es ja auch so ist. Einfach nur’s Kalb machen bringt’s nicht. Da könnt ihr auch Fernsehsportler werden. Das dürft ihr eine Spur lockerer angehen. Obwohl es auffällt, dass gerade Fernsehsportler die Sache noch ernster nehmen als die Sportler.
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