Wasserratte am Walliseller Lauf
Regina SenftenChlorwasser: Motivationsspritze und Lustkiller
Mich als Wasserratte bringt man nur schwer in Laufschuhe. Und noch viel mehr braucht es, damit ich an einem Laufevent teilnehme. Als ein Freund von mir, der nächstes Jahr am Ironman Monaco 70.3 starten will, jedoch vorschlug, gemeinsamen an den Walliseller Lauf zugunsten krebskranker Kinder zu gehen und vorgängig noch 2 km im Hallenbad Wallisellen zu schwimmen, war ich einverstanden. Erst schwimmen, dann laufen und dann wieder schwimmen. In dieser Kombination sollte auch ich 9,5 km laufen überleben, dachte ich mir. Falsch gedacht!

Ich kann nicht beschreiben, wie qualvoll 9,5 km sein können, wenn man sie rennend absolvieren muss! Angefangen hat alles ja ganz schön. Da der Start und das Zielgelände des 17. Walliseller Laufs unmittelbar neben dem Hallenbad Wallisellen zu liegen kam, konnte ich es mir leisten, vor dem Lauf ausgiebig zu schwimmen. Herrlich! So ging ich ganz entspannt und gut aufgewärmt an den Start.
Bei strahlendem Herbstwetter führte der Lauf über 2 Runden durch die Strässchen und Feldwege von Wallisellen. Am Anfang lag das Feld eng beieinander. Ein nettes Wort hier, ein Schwatz mit einer Club-Kollegin da: das lief sich gut an. Ab und zu heiterte eine Guggenmusik die Sportler auf.

Der Hammermann liess aber nicht auf sich warten. Er schlug bei mir, die ich seit Wochen nicht laufen war und daher ziemlich untrainiert am Start stand, in zweifacher Ausführung zu.
Der erste Hammer widerfuhr mir, als mich kurz vor Ende meiner ersten Runde die Siegerin der Frauen überholte. Maja Gautschi ist zeitgleich mit mir gestartet und hat die beiden Runden exakt doppelt so schnell absolviert. Wahnsinn! Und wie leichtfüssig sie an mir vorbeitrabte – unfassbar!
Der zweite Hammer traf mich bei km 4,5, als ich am Hallenbad vorbeirannte. Drinnen sah man all die glücklichen Schwimmer mit Pullbuoys und Brettchen hantieren. Hatten die es schön! Wussten die von ihrem Glück? Statt mich schnurstracks wieder in die Fluten zu werfen, musste ich erst noch pflichtschuldig meine zweite Runde absolvieren. Ich versuchte, mich aufs Laufen zu konzentrieren. Aber die Gedanken schweiften immer wieder ab. Ins Chlorwasser. Ich malte mir aus, mit welchen Einheiten ich mich nach dem Laufen im Wasser «belohnen» werde. 5×100 m Lagen? Oder 10×50 m Paddelübungen? Oder einfach 800 m Rückenschwimmen? Hach, ich konnte es kaum erwarten, im Wasser zu liegen und mich von einem Beckenrand zum anderen treiben zu lassen.
Vor lauter Ungeduld rannte ich wohl etwas schneller als zuvor. Die Beine fühlten sich jedenfalls bald schon an wie weich gekochte Spargeln, der Kopf war rot und ich japste nach Luft. Alle Zuschauer riefen mir mitleidig zu: «Hopp, sisch nüme wiit!»
Nicht mehr weit?! Denkste, noch immer lagen 1,5 km vor mir! Qualvolle 1,5 km, bei denen ich die Beine schwer auf den harten Asphalt plumpsen liess und die Musik im iPod noch ein wenig lauter drehte, um zu überleben.
Doch dann wars geschafft! Endlich im Ziel. Tief Luft holen und die Beine ausschütteln! Und dann nichts wie ins Wasser. Man kann sich nicht vorstellen, wie wohlig es sich im Wasser anfühlt, wenn man davor eine Stunde lang durchs Gelände gerannt ist! Wie im Himmel! So auf Erden! Das kühle Wasser um den heissen Kopf. Der Auftrieb, der einen schweben lässt. Vorwärtskommen, ohne dass man sich gross abmühen muss. Herrlich! Allein um dieses Wohlgefühl danach zu erleben, haben sich die 9500 qualvollen Meter gelohnt! Nie haben mir 10×50 m 9er-Atmung mehr Spass gemacht als nach dem 17. Walliseller Lauf!
Schlagworte: Erlebnis









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Jetzt habe ich beim Lesen mächtig mit dir mit gelitten…