«Meine» Ironman 70.3 WM in Clearwater
Irene Gambaro
Trotz Schwimmverbot erfolgreich in Clearwater
Ein unvorhergesehener Schwimmstart, eine leichte Kurskorrektur auf der Schwimmstrecke, eine superschnelle Zeit auf dem Rennvelo und einen 11. Rang im Ziel: Irène Gambaro hat die Ironman 70.3 WM in Clearwater/Florida 2009 voller Gegensätze in extremis erlebt.
Am 9. November genossen mein Mann und ich unseren ersten Tag in Clearwater bei herrlichem warmem Wetter. Ein lockerer Jog dem Strand entlang liess die Strapazen des Fluges im Nu vergessen. Auch das Meer lud zum Bade ein. Mit Csőke Balázs, meinem Schwimmtrainer, der als Profi ebenfalls an der WM teilnahm, versuchten wir den Delphinen, die sich in unserer Bucht tummelten, nachzuschwimmen.

Dienstag und Mittwoch unternahmen wir eine Reise der Küste entlang Richtung Norden mit dem Ziel Cedar Key, eine kleine Insel als wunderbares Naturparadies, wo die Zeit stehen geblieben ist. Doch plötzlich wechselte das Wetter und heftige Sturmböen fegten über unsere Köpfe. Das Schnorcheln mit den Seekühen musste deshalb auf ein weiteres Jahr verschoben werden, da das Meer zu wellig war. Wir erfuhren von den Amerikanern, dass der Hurricane «Ida» Florida gestreift hatte! Dieser tobte sich aus in El Salvador und Cancun und forderte dort Todesopfer. Also hatten wir riesiges Glück, dass es nur bei einem harmlosen Unwetter blieb.
Wir unternahmen eine Bootstour, Delphine schwammen neben uns und viele Vögel, vor allem Pelikane, aber auch einen wunderschönen Seeadler konnten wir bestaunen.
Donnerstag: Treffpunkt um 08.00h am Pier mit Eitzinger Gruppe und Csőke Balázs. Gemütlich marschierte ich dem Strand entlang, es war stark bewölkt und der Wind blies recht stark. Das Meer war aufgepeitscht und praktisch niemand war im Wasser. Als ich die anderen Athleten erreichte, standen alle noch am Wasserrand und niemand wagte sich in die Fluten. Auch Csőke Balázs streikte! Nun, ich war schon da, und so rannte ich in die Wellen hinein mit ein paar wenigen anderen Athleten.

An ein normales Schwimmen, also Crawlen, war gar nicht zu denken! Die Strömung war so stark, wir wurden richtig abgetrieben, glücklicherweise nicht ins offene Meer hinaus, sondern parallel zum Strand. Herauskommen? Keine Chance! Kurze Zeit später wurde ein Schwimmverbot aufgestellt mit Flaggen. Das konnte ja noch heiter werden, in 2 Tagen war der Wettkampf!
Wieder zurück im Hotel und nach einem feinen Frühstück wollte ich mein Fahrrad testen, aber bei diesem Wind hatte ich einfach keine Lust, so liess ich es bleiben. Nach dem Wettkampf Check-In, welches rasch und kompetent vor sich ging, fuhren wir nach Tampa ins Sea Aquarium. Dort gelang es den Meeresbiologen vor ein paar Jahren, Seepferdchen zu züchten. Ein kleines Wunderwerk der Natur, zauberhaft diese Wesen.
Freitag: Schönes Wetter! Ich fuhr auf meinem Velo ein paar Kilometer die Gulf Boulevard hinunter. Gänge, Bremsen: alles funktionierte. Beruhigt stellte ich das Velo zurück in unser Hotelzimmer. Gemütlich fuhren wir zum John’s Pass Village, beobachteten wieder Delphine und entspannte ich mich. Das Wetter war herrlich trotz Wind, aber das Meer war immer noch ziemlich aufgewühlt. Um 17h beim Check-In erfuhr ich, dass das Schwimmen nicht am Pier stattfinden würde. Auf einem Blatt wurde kommuniziert: IMPORTANT NOTICE TO ATHLETHS: Due to lingering weather conditions from Tropical Storm IDA, we have relocated the swim to the Harbor site of Clearwater Beach. Und da stand noch unter anderem: NO SWIMMING WILL BE PERMITTED ON FRIDAY IN THE HARBOR AREA. NO EXCEPTIONS. Und dann noch: AGE GROUP TIME TRIAL START!
Da hatte ich keine Ahnung, was das heisst und was mich erwarten würde, aber ich würde es ja schon sehen am nächsten Morgen. Ein wunderschöner Sonnenuntergang krönte diesen Freitagabend und nicht allzu spät ging ich zu Bett, da ich den Wecker auf 4.30 h stellen musste. Um 5.15 h früh marschierte ich zum Start, es war noch dunkel und aus allen Ecken strömten mir schlaftrunkene Athleten entgegen. Das Bodymarking ging flott von sich, die Nummer 266 bekam ich auf die Arme gestempelt. Letzter Check beim Velo, Pneus kontrolliert, alles klar, dann zum Schwimmstart.

Da Blockstarts nicht möglich waren, wurden wir einer nach dem anderen ins Wasser gelassen, nachdem die Profis aber miteinander im Wasser starten konnten. Wir durften nicht einschwimmen und ich begriff zuerst gar nicht, wie das mit der Zeit funktionieren sollte, aber es war eine Matte am Rande installiert worden. Ohne sich vorher anzunässen oder einzuschwimmen ging’s los. Es waren ein paar wenige Bojen gesetzt, die ich aber gar nicht sehen konnte, da der wunderschöne Sonnenaufgang jegliche Sicht auf diese verunmöglichte.
Schon bald wurde ich von Männern überholt und das Gehacke im Wasser nahm seinen Lauf, ich wurde sogar mal bei einer Boje voll hinunter gedrückt, und dann geschah es: mir war plötzlich so wohl beim Schwimmen, keine Ellbogen im Gesicht mehr. Da merkte ich, dass ich völlig in die falsche Richtung geschwommen bin. Hektik breitete sich bei mir aus und Ärger, so schwamm ich so schnell wie möglich wieder zu den Leuten und schon war der Ausstieg in Sicht. Ohne Wasserbrausen gings in die Wechselzone, ein Blick auf die Uhr stimmte mich doch etwas tröstlich: die Zeit war nicht gar zu schlecht.

Vollste Konzentration aufs Velo. Vom letzten Jahr wusste ich um die Schlaglöcher und sonstige Gefährlichkeiten, schon nach kurzer Zeit erblickte ich den ersten Sturz, dann einen «Chlapf», Platten vor mir bei einer Mitstreiterin und nochmals einige Stürze. Ein Blick auf meinen Tacho zeigte mir, dass ich recht flüssig unterwegs war. Von riesigen Pulks wurde ich überholt, da hiess es für mich; ja nicht die Konzentration verlieren, egal wie viele dich überholen, trampen, trampen, trampen. Ich schaffte die 90 km in 2h32, für mich eine wirklich schnelle Zeit.
Ich war ganz aufgestellt und machte mich auf die Laufstrecke. Leider fühlte ich mich auf den ersten paar Kilometern nicht wohl. Es war heiss, aber das liebe ich ja eigentlich. Überdies musste ich sogar mal kurz anhalten, und dann ging es plötzlich. Vier Mal mussten wir über eine Brücke mit 12% Steigung, aber die Leute feuerten einen an und die letzten Kilometer flog ich nur noch ins Ziel. Es war wieder ein tolles Rennen. Mein Resultat: 11. Rang in meiner Agegroupe mit 5.07.38
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