Transviamala – Erlebnisbericht von Anne-Marie Flammersfeld

Redaktion FIT for LIFE

«Schnaps im Ziel?!» – Ein Läufergerücht

Im Sommer habe ich zum ersten Mal von diesem wunderschönen Lauf «Transviamala» durch eine Kundin erfahren, die ich als Personal Trainerin in St. Moritz betreut habe. Petra wollte als Test, ob sie fit genug für den Transviamala ist, mit mir auf die Fuorcla Surlej am Skigebiet Corvatsch joggen. Nach ungefähr 3h45 und insgesamt ca. 1800 Höhenmetern rauf und runter waren wir beide überzeugt, dass der Transviamala sicher ein Erlebnis wird!

Transviamala-Run

Die Sommermonate vergingen für mich mit hartem Training. Nicht unbedingt für den Transviamala, sondern eher für den Köln Marathon, den ich 2 Wochen vorher noch laufen sollte. Bei diesen 42,195 km auf Asphalt wurde mir bewusst, wie sehr ich die Berge, die Wälder und das stete Höhenprofil gewohnt war und welche Probleme sich nun bemerkbar machten. Zu dem Zeitpunkt dachte ich mit keinem Gedanken an den Transviamala; zudem hatte ich es auch versäumt, mir frühzeitig einen Startplatz zu sichern und musste nun auf Glück und Zufall im Gewinnspiel von FIT for LIFE warten.

Transviamala-Run by Jan Kunz

Petra, meine Kundin, und ihr Laufteam, welches aus ihrem Mann, einer guten Freundin und ihrem Laufpartner bestand, kündigten sich für das Renn-Wochenende in St. Moritz an. Wir verbrachten gemeinsam den Vorabend bei einem feinen Wildessen. Kohlenhydrate und eine gute Portion Eiweiss sollten eine gute Energiebasis bilden und der Tropfen Rotwein beruhigte unsere Nerven. Nervös waren wir eigentlich nur wegen der schlechten Wetterprognose. Frau Holle legte in St. Moritz bereits in der Vornacht in ein weisses Gewand über Berge und Wiesen und das Thermometer kletterte in den Keller.

Am frühen Sonntagmorgen machten wir uns auf den Weg über den verschneiten Julierpass – die letzte Hürde, die wir nehmen mussten. Auf rutschiger und vereister Strasse war das Fahren nicht gerade angenehm. Da wir sehr zeitig losgefahren sind, konnten wir uns vor Ort in aller Ruhe umziehen und die Startnummern abholen. Die gute Organisation des Veranstalters beruhigte uns, so dass keinerlei Nervosität aufkam. In der warmen Sporthalle herrschte eine angenehme Atmosphäre, jedoch war die Vorfreude in vielen Gesichtern zu lesen. Draussen fing es bereits wieder an zu schneien.

Pünktlich zum Start verbesserte sich das Wetter und wir freuten uns riesig auf den Lauf. Mit dem Startschuss konnte das im Körper ruhende Adrenalin ausgeschüttet werden. Es sorgte dafür, dass ich auf den ersten zwei Kilometern unglaublich schnell unterwegs war. Aber ich hatte anscheinend einen ganz guten Tag erwischt, denn meine Beine rannten automatisch. Meine Lauffreunde hatte ich schon kurz nach dem Start aus den Augen verloren, aber so war es auch abgemacht. Jeder sollte in seinem Tempo rennen, um sich dann anschliessend gemeinsam im Ziel bei einem Schnaps wieder zu treffen. Das Gerücht mit dem Schnaps hatte Laufkollegin Birgit am Vorabend in die Welt gesetzt. Leider blieb es bei dem Gerücht.

Transviamala by Jan Kunz

Die Strecke präsentierte sich sehr abwechslungsreich und im Vergleich zu meinem Marathonerlebnis hatte ich grosse Freude. Schnell und koordinativ geschult, hüpften meine Füsse über Stock und Stein, treppauf- und treppab. Bei dem hohen Tempo musste ich höllisch aufpassen, dass ich mich nicht überschlug oder auf einer feuchten Wurzel ins Rutschen kam. Aber die Schlucht war landschaftlich einfach grossartig und jagte mir ein breites Grinsen ins Gesicht. Auf den Hängebrücken musste ich gegen die Schwerkraft ankämpfen und dachte kurzzeitig, dass mich der Schwungimpuls über das Geländer katapultieren würde. Eine Tempoverlangsamung wirkte dementsprechend entgegen. Das kurzzeitige Anstehen an den Stufen brachte meinen Puls vorübergehend runter, aber die Freunde und der Spass blieben erhalten.

Wurde mein Läuferherz beim Marathon in Köln noch von tausend Beifall klatschender Fans angefeuert, zierte beim Viamala-Run eine Reihe von Kühen, Pferden und älteren Dorfbewohnern mit Hut, Stock und langem Bart die Laufstrecke. Diese waren jedoch mindestens eine gleichwertig hohe Bereicherung.

Transviamala-Run

Mit Powerriegeln und energiereichen Getränken gut versorgt, war selbst der heftige Anstieg über die Asphalt-Serpentinen kurz vor dem Ziel zu schaffen. Jedoch waren die letzten Meter dieses Anstiegs doch anstrengender, als ich gedacht hatte und mein Gehirn versetzte meinen Körper in Alarmbereitschaft. Es sendete nur noch die Buchstaben D U R S T. Und das mit Blaulicht und Martinshorn. So platze es völlig hilflos aus mir heraus, und ich rief: „Durst! Ich habe grossen Durst!“ Als ob ein Engel höchst persönlich abgesandt wurde, reichte mir der Läufer neben mir seine prall gefüllte Trinkflasche. Ein tiefer Schluck von seinem Getränk zauberte nicht nur das Lächeln zurück auf mein Gesicht. Ich hatte plötzlich auch wieder Unmengen an Energie, wodurch ich die letzten zwei Kilometer mit beschwingter Leichtigkeit lief.

Im Endspurt über die Zieltreppe konnten mich nur die Helfer von Datasport aufhalten, denen ich geradewegs in die Arme lief. Mit den Worten «Stopp, du bist im Ziel!» erkannte, ich dass ich es geschafft hatte! Ein tolles Lauferlebnis genau nach meinen Vorstellungen. Ich komme wieder. Herzlichen Dank!

Transviamala-Run by Jan Kunz

Schlagworte:

Kommentar schreiben