Running bei Vollmond: Erkenntnis einer höheren Ordnung

Claude «Moser» Ramme

Ein epischer Moment

Meine bescheidenen Beiträge kursieren ja als «Mosers Mission». Der einzige Grund, weshalb ich mich Moser nenne, ist folgender: Unter diesem Namen lässt sich’s akkurat rummosern. Denn es ist so schön einfach, an allem und jedem was auszusetzen. Nun, für einmal fehlen mir die Worte. Für einmal gibts nix zu mosern. Und das kam so:

Running by A-Gonseth

Am Sonntag, den 4. Oktober, stand ich – nicht ganz freiwillig – sehr früh auf. Obwohl stockdunkel, wars ausserordentlich hell draussen. Ein in seiner vollen Grösse sichtbarer Vollmond erleuchtete die Nacht. Ein perfekter Moment, um joggen zu gehen – zumal ich nur suboptimal geschlafen hatte, was aber nicht am Mond lag, sondern an unserem sechs Wochen alten Sprössling, der die Nacht zum Tag machte. Nach dem Schoppen hatte ich einfach keine Lust mehr, schlafen zu gehen.

Vollmond by Pixelio/G. Havlena

Es ist schon ein besonderes Erlebnis, im Mondschein durch die Nacht zu rennen. Obwohl ich eine Stirnlampe dabei hatte, benötigte ich sie gerade mal für fünf Minuten, in einem Waldstück, das sogar für den übergrossen Mond zu dicht war. Nachteil: Die Stirnlampe machte all die Spinnennetze sichtbar, in die ich lief, mein Laufshirt war ein einziges klebriges Fadenwirrwarr, die Spinnen selbst waren Gott seis gedankt frühzeitig abgesprungen. Es ist angenehmer, das Unglück nicht auf sich zukommen zu sehen.

Die Limmat glitzerte und funkelte, es war, was in Zürich und Umgebung eher selten ist, ungewöhnlich still. Da bekommt ein solcher Lauf eine ganz neue Qualität. Beim Kloster Fahr wurde es schlagartig viel kälter, die Limmat dampfte wie weiland die Maschine von James Watt, bildete ich mir jedenfalls ein. Und langsam, langsam wurde es heller. Nach einer Stunde, am Wendepunkt, verschwand vor mir (und gleich hinter mir) der Mond hinter der Hügelkette und hinter mir (bald vor mir) leuchtete orangerot der Himmel, kündigte einen sonnigen und warmen Herbsttag an. Die Luft war klar wie schon lange nicht mehr – auch das hat in Zürich Seltenheitswert.

Und genau jetzt, da ich in Dietikon vor mir den Mond und hinter mir die Sonne weiss, die Limmat dampft, die Enten und Schwäne ihre Köpfe aus den Federn ziehen, die ersten Hündeler sich auf die Socken und die Hundekackklauberei machen, das ist so ein Moment, den kannst Du nicht fotografieren (auch wenn mir jetzt so mancher Fotograf gern auf den Kopf trampen würde). Ein epischer Moment. Ein Moment, in dem alle Gründe fürs Mosern untertauchen und meine eigentliche Mission zur Unmöglichkeit wird.

Limmatufer

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Kommentare

Ein Kommentar zu “Running bei Vollmond: Erkenntnis einer höheren Ordnung”
projer 29.10.2009 15:20 Uhr

…wow Moser, das ist super was Sie hier geschrieben haben!!!Natürlich kann man es eh nie fotografieren, diese wunderbare Stimmung – denn sie findet NUR im Kopf statt! Oder haben sie etwas vor dem Laufen geschluckt?
Übrigens mir fällt auf, dass ich diese BESTIMMTE Stimmung eigentlich nur zwischen den kürzeren und kälteren Tagen der Nacht/ Taggleichheit erlebe.Also ein Grund mehr, um jetzt erst recht zu joggen

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