Roman Würsch am 3. Lucerne Marathon
Roman Würsch«Der 17. Marathon meiner Läuferkarriere war ein Highlight»
Wer sich in der Schweiz für einen Herbst-Marathon entscheidet, lässt sich auf ein waghalsiges Spiel ein – ein Spiel mit dem Wetter. Die schönen Bilder vom letzten Marathon vor Jahresfrist in Nizza sind noch sehr präsent und die Hoffnung gross, bei ähnlichem Wetter im Herzen der Schweiz zu laufen.

So bestand meine Vorbereitung in der letzten Woche vor dem Lucerne Marathon primär im aufmerksamen Studium der Wetterprognosen. Zumindest kann diese Zeit als Ruhezeit verbucht werden, um dem Marathon-Imperativ von Viktor Röthlin «Du kannst nie genügend ausgeruht an den Marathon-Start gehen», genüge zu tun. Ob allerdings Arbeitstage von 12 und mehr Stunden diese Kriterien auch erfüllen, ist eher fraglich. (Dies sei kein Lamento zuhanden meines Chefs und auch keine Ausrede für eine allenfalls enttäuschende Zeit, sondern nur eine Feststellung.)

Luzern hatte eigentlich nichts zu bieten, was mich zu einem Start hätte bewegen können: Meine Frau und ich machen gerne eine (Städte-)Reise zum Lauf; ich schätze Zwei-Rundenläufe nicht sehr und ich laufe ungern bei Regen oder kühler Witterung.
Alles vorbei und vergessen! Der 17. Marathon meiner Läuferkarriere war ein Highlight.
Zum Beispiel, weil ich meinem guten Freund Christoph Wyss, den ich zum Laufen gebracht habe, auf seinem ersten Halbmarathon begleiten darf. Weil die Luzerner einfach «es rüüdigs Publikum» sind. Weil die Luzerner Musikanten (nicht diejenigen vom KKL) ein unterhaltsame Luzerner Musikmeile definiert haben. Weil die Organisatoren etwas verstehen von der richtigen Temperatur des Trinkwassers. Weil sich die Sonne allen Prognosen zum Trotz doch gezeigt hat. Weil die Kulisse von Luzern, das Seebecken, der Pilatus usw. einfach zum Laufen anregen. Weil Laufen auch ohne Garmin Spass macht.
Weil Abklatschen mit Viktor ebenso zur Läufervita gehört wie der Murtenlauf. Weil die Startnummer bei der Ankunft schon im Hotelzimmer bereitliegt. Weil an der Pastaparty auch Rösti serviert wird. Weil Schellen und Treichlen eine ungeheure Anfeuerungsgewalt haben.
Schade, dass ich trotz so vielen guten Gründen für einen weiteren Start im nächsten Jahr sagen muss: «Sorry, ich laufe jeden Marathon nur einmal».
Über diese Philosophie könnte ich eigentlich ein anderes Mal schreiben.
Schlagworte: Erlebnis, Lucerne Marathon












