Pilates im Selbstversuch – Knallhartes Aufbautraining für Ausdauersportler
Regina Senften«Schnaufen bis zum BH-Verschluss»
Einem unglücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass ich heute meine erste Pilates-Stunde absolviert habe. Nein, ich bin nicht schwanger. Auch wenn mein Chef ständig danach fragt. Aber die laut schnaufenden Frauen um mich herum liessen zeitweilig schon die Vermutung aufkommen, ich sei in einem Kurs für Beckenbodentraining. Doch der Reihe nach.

Meine Bürokollegin Nicole fragte mich also, während sie mit hübsch polierten Fingernägeln die Tastatur malträtierte, ob ich sie nicht zum Pilates-Training begleiten möge. Jeden Freitagmittag, 50 Minuten lang. «Meine Kollegin Claudia leitet das Training. Macht echt Spass. Komm doch einfach mit.»
Hm, ja. Warum eigentlich nicht. Als Schwimmerin kann ich eine kräftige Muskulatur an Rumpf und Rücken doch gut gebrauchen. Ich sagte zu. Doch da war schon das erste Problem. Was ziehe ich an? Nicole meinte: «Turnhosen, T-Shirt und Socken, das reicht.» Als Chlorwasserjunkie schleppe ich zwar immer mehrere Badekleider, Badekappen und Schwimmbrillen mit mir rum – wozu ein Freund immer spöttisch meint: «häsch s Zält debii», – aber Turnhosen sind nicht im Gepäck . Glücklicherweise fand ich zuunterst in meiner Büroschublade noch ein altes Balletttrikot, einen Ganzkörperanzug, den ich für diese Zwecke missbrauchen konnte.
Bald stand ich also mit Nicole und vier weiteren Frauen im Studio CP und harrte der Dinge, die da kommen mögen. «Wir beginnen in der neutralen Position, atmen tief ein- und aus, jede in ihrem Tempo.» Neutrale Position? Ich fand, wir standen einfach kerzengerade im Spiegelsaal. Aber bitte, das nennt man im Pilates die neutrale Position. Werde ich mir merken, wenn ich das nächtse Mal aufs Tram warte.
Wir schnauften immer lauter, immer weiter, als es plötzlich hiess: «Bälle zwischen die Schulterblätter klemmen und bis zum BH-Verschluss atmen. Und pressen.» Spätestens da fragte ich mich, ob die anderen Teilnehmerinnen wohl bei der Verhütung nicht aufgepasst hatten und in Tat und Wahrheit etwas für die glücklichen Umstände tun wollten.
Viel Energie zum Denken blieb mir aber keine. Die Übungen wurden immer verrückter, bald verrenkten wir uns am Boden wie Gummimenschen, hielten mit dem Fussgelenk einen wackeligen Ball umklammert, derweil der Oberkörper über dem Boden balancierte und die Hände elegant zu Seite gestreckt werden sollten.

Caramba! Ich wusste gar nicht, wo ich überall Muskeln habe! Die Anstrengung brannte wie Feuer im ganzen Körper! Alle Muskeln zitterten! Das Atmen fiel schwer! Und die Lehrerin lächelte auch noch, während sie sich vor uns verrenkte. Wie schafft die das bloss?!
Schweissgebadet, aber noch bei Bewusstsein schlich ich nach der Stunde in die Garderobe. Wohl wissend, dass ich Pilates-Training schleunigst in meinen Trainingsalltag integrieren muss! Pilates ist nichts für Scheinschwangere. Im Gegenteil. Pilates-Training ist knallhartes Aufbautraining für alle Ausdauersportler. Auch für mich! Rumpf, Becken, Rücken, Baum, Arme: Da wird alles trainiert, was man zum Schwimmen, Laufen und Velofahren braucht!
Ich verspreche: Sobald mein Muskelkater abgeklungen ist, werde ich wieder bei Claudia Pagliaro auf der Matte stehen! Und versuchen, lächelnd ihren Verrenkungen zu folgen und bis zum BH-Verschluss zu atmen. Blöd nur, dass ich nie BHs trage.








[...] nur kaum oder überhaupt nicht trainiert, was zu einer schlechten Körperhaltung führen kann. Die Pilates Übungen stärken genau diese schwachen Muskelgruppen und schaffen somit eine verbesserte Koordination, Kondition und Körperhaltung. Die kräftige [...]