3. Lucerne Marathon – Pacemaker Reto Curti blickt zurück und verabschiedet sich
Reto CurtiAls Pacemaker darf man sich keine Schwäche leisten
Der 3. Lucerne-Marathon gehört der Vergangenheit an. Bei warmem Herbstwetter genossen die meisten Läufer das Spektakel und schwärmten am Ziel in den höchsten Tönen von ihren erlaufenen Zeiten, den Erlebnissen unterwegs und vom Anlass insgesamt. Auch dieses Jahr waren viele Zuschauer und Bands am Strassenrand und sorgten für eine willkommene Aufmunterung.

Bei den meisten Läufern ist die Stimmung nach so einem tollen und anstrengenden Wettkampf jeweils zweigeteilt. Einerseits fühlt man sich im Hoch, geniesst die Nach-Freude über das Geleistete und die vielen Erlebnisse, andererseits schmerzen die Beine. Und man ist sich bewusst, dass das Hoch einer Nach-Wettkampf-Melancholie weichen wird. Diese depressive Phase ist auch deshalb schwierig auszuhalten, weil jetzt unbedingt Regeneration angesagt ist und auf das geliebte Laufen zumindest teilweise verzichtet werden muss.

Die meisten von uns Pacemakern waren am Freitag und am Samstag schon im Einsatz, wir halfen beim asics-Stand bei der Herausgabe der Pacemaker-Bändeli mit. Für mich war das eine interessante und tolle Erfahrung. Interessant deshalb, weil viele Läufer auch gleich noch eine Frage hatten und man wirklich beraten konnte. Wie schnell können wir etwa laufen, welche Zielzeit soll ich anvisieren? Und natürlich Fragen zur Strecke. Ein Läufer wollte gar wissen, was er tun könne, damit er unterwegs nicht immer einen WC-Stopp einlegen müsse…
Nachdem wir von asics ja schon die ganze Laufausrüstung bekommen hatten, wurden wir hier noch mit Pulli und Jacke eingekleidet. Super grosszügig! Nach Startnummerausgabe und Pastata-Party war dann noch ein kurzer Lauf mit einigen Steigerungen angesagt, bevor ich dann versuchte, runterzufahren und einen geruhsamen Abend zu verbringen.

Am Sonntag trafen wir uns im Verkehrshaus zur gemeinsamen Vorbereitung. Zusammen mit den Parlamentariern waren wir in zwei separaten Räumen untergebracht, wo es letzte Instruktionen und die obligaten Pacemaker-Ballons gab. Viele Läufer fragen immer wieder, ob es nicht störend sei, mit Ballons zu laufen. Es ist aber so, dass man diese, sofern richtig angebracht, nach einer gewissen Zeit gar nicht mehr wahrnimmt. Wenn sie stören, dann am ehesten den Läufer, der hinter einem läuft!
Interessant waren auch die Vorbereitungen der unterschiedlich ambitionierten Politiker. Während manche auch sonst laufend unterwegs sind, gab es auch regelrechte Greenhorns darunter, welche über die kürzeren Streckenabschnitte der Staffel laufen wollten. Schön war die lockere Stimmung unter ihnen, für einmal stand das gemeinsame Vorhaben und nicht die Parteipolitik im Vordergrund. Ruhig war es dann, als Beat Schorno, Marco Lorenzetti von asics und vor allem Viktor Röthlin noch einige Worte an uns richteten. Vor allem Viktor Röthlin ist immer wieder faszinierend: so ein kleiner, fast schon unscheinbarer Mann, der dann aber solche Leistungen bringt und so schnell Rennen kann – Chapeau!
Danach verschoben wir uns an den Start, wo ich dann auch meine Frau traf, welche mit mir eine Zeit von 1h35 laufen wollte. Für mich war dies natürlich ein Aufsteller,
auch wenn wir wussten, dass das Vorhaben ambitiös war. Zudem traf man natürlich auch viele bekannte Gesichter, und manch ein Mit-Läufer hatte noch eine Frage. So wollten zum Beispiel viele wissen, ob eine konstante Pace geplant war. Was auch so war. Dann kam der Startschuss – und los gings.

Über die ersten 3 flachen Kilometer hatte ich mir vorgenommen, ein schön konstantes Tempo zu laufen. Zu Beginn klappte dies auch gut, mit den vielen Leuten beim KKL und meiner Familie als Verpflegungsposten kurz danach liess ich mich aber zu einer zu schnellen Geschwindigkeit verleiten, so dass wir mit einem kleinen Vorsprung in die Hügel gingen. Über diese liess ich es dann gemächlich angehen, zu gemächlich wie ich in Kastanienbaum bei Kilometer 9 realisieren musste. So dass ich auf dem Weg nach Horw wieder etwas korrigieren und die Pace leicht steigern musste.
Ich hoffe, dass ich hier nicht zu viele Läufer verloren habe, anderenfalls tut es mir leid und ich möchte mich dafür entschuldigen. Für den Schluss dann konnten wir es ruhig und recht regelmässig Rollen lassen, die Zeit im Ziel war mit 1h34’40” jedenfalls wieder okay.
Meine Frau musste bei Kilometer 10 abreissen lassen, es tat mir leid für sie, doch konnte ich darauf keine Rücksicht nehmen. Mit ihrer Zeit von unter 1h40 kann sie aber zufrieden sein und weitere Ziele ins Auge fassen. So werden wir beide beim Halbmarathon in Tenero in zwei Wochen wieder an den Start gehen.
Für mich war es wieder einmal der Beweis, dass diese Pacemaker-Arbeit viel Konzentration braucht. Gerade wenn man alleine unterwegs ist, ist dies gar nicht so einfach. Man darf keine Schwäche haben, man darf sich aber auch nicht von Emotionen leiten lassen. Wenn dann zudem die Strecke noch so coupiert ist, kann dies schwierig werden. Im Ziel jedoch dankte mir manch ein Läufer für die geleistete Arbeit, was für mich eine grosse Genugtuung darstellte.
Ich mache diesen Pacemakerjob wirklich gerne und hoffe, dass ich auch nächstes Jahr wieder dabei sein kann. Die Wertschätzung des OKs, die Unterstützung durch asics und vor allem die vielen Freundschaften mit Pacemaker-Kollegen und Läufern ist mehr als genug Lohn und Entschädigung für den Aufwand.
Ich hoffe, meine Schilderungen und Erlebnisse als Pacemaker des Lucerne Marathons konnten dem einen oder der anderen ein Schmunzeln entlocken und waren nicht langweilig. Für mich geht diese «Arbeit» als Blogger nun zu Ende, Danke Euch für das Interesse.
Der 3. Lucerne Marathon 2009 in der animierten Bildergallerie:
Schlagworte: Lucerne Marathon













Schöner, sympathischer Bericht.
Besten Dank.