Trans Swiss Run – 5. Tag

Transswiss Runners

Erlebnisbericht von Roli Gyssler

Gestern ging ich kurz vor 22 Uhr ins Bett, erlegte zwei Stechmücken und stopfte Ohrenstöpsel rein. Wir sind zwar bloss zu dritt im Viererzimmer, aber eng ists alleweil. Ich hoffe, meine Zimmerkollegen lassen das Fenster geschlossen, denn Mücken hats genug. Tatsächlich: Um 1.30 Uhr erwache ich schweissgebadet, Fenster zu, Temperatur hoch, Luft stickig. Also Decke weg, trockenes Shirt an und abgwägen: Fenster auf, dann kommen die Mücken rein und die Nacht wäre für mich gelaufen. Oder: wenden und weiterschlafen. Ich wähle die zweite Variante und erhole mich weiter im Schlaf. Gegen 5.30 holt mich ein böser Traum zurück. Um 6 Uhr gehts los mit werken, packen, salben, frühstücken uam.

Heute gibts zwei Gruppen. Die erste um 7.30, die andere startet um 8 Uhr. Als ich um 7.50 von der Toilette komme, staune ich, hat sich doch meine Gruppe um 7.45 davongemacht. Am Schluss mag ich nicht rennen und so geht die Hatz los. Trotz kühler Temperatur ist mein schönes grünes Shirt nach 20 Min dunkel eingefärbt. Nach 25 Min auf einem geraden Stück entlang dem Lambach sehe ich die vier Laufkollegen, habe allerdings immer noch rund 300 m Rückstand. Also weiter in diesem Tempo. Bis Sundlauenen sinds noch 200 m. dann gehts steil hoch über die Hauptstrasse Richtung Beatushöhlen, hier zeigt sich der Pilgerweg von seiner schönsten Seite.

Bei der Beatushöhle verzweigen sich die Wege mehrmals und ich wittere meine Chance, habe ich doch keine Mühe mich auf der Karte zurechtzufinden und ohne Tempodrosselung weiter zu laufen. Anders meine Laufkollegen, die nicht besonders kartenkundig sind und sich lieber aufs GPS verlassen. Jedenfalls muss ich die Gruppe ohne es zu bemerken überholt haben. Also hetze ich weiter und bald schon erreiche ich die erste Verpflegungsstelle wo sich Läufer der ersten Gruppe auf den Weg machen. Tolles Wegstück erneut bis Merligen. Schade ist die Sicht nicht besser, unsere ausländischen Kollegen würden staunen welch Panorama sich hier bietet.

So bleibt mir bloss kurz auf den Niesen und dessen wunderschöne Form aus dieser Perspektive hinzuweisen. Beim Weiterlaufen erkenne ich meinen Sitznachbarn von einer Oldtimerauktion in Toffen. Wir fachsimpeln kurz und weiter gehts auf dem Pilgerweg gen Thun. Ein ständiges auf und ab, die Schrittwechsel kommen mir entgegen. Das monotone Flachlaufen behagt mir nicht. Einmal mehr muss ich eingestehen: Ich bin kein «Roller».

Meine Kartenwechsel sind ein Ereignis und ich feiere diese Momente. Heute laufen wir die A4-Blätter der Länge nach, was pro Blatt (heute 7) eine Stunde beanspruchen kann. Beim Wechsel von Blatt 2 auf 3 bin ich schnell marschierend unterwegs, und die Konzentration ist beim Kartenwechsel – schon ist die Abzweigung verpasst! Kurz an den See runter und nach dem Bach wieder hoch.

In Oberhofen die 2. Verpflegung. Ich trinke jeweils rund einen Liter Apfelschorle; tolles Getränk – habe nie Magenprobleme. Noch ein Stück Linzer und noch ein belegtes Brot auf den Weg. Unverhofft bin ich als erster bei dieser Verpflegung vorbeigekommen. Für die treuen Seelen ein freudiges Ereignis, verbringen sie doch den ganzen Tag mit Warten. Um 12 sollte ich überschlagsmässig bei VP3 sein.

Kurt-Brodbeck/PIXELIO; Schloss SchadauAuf Blatt 4 führt der Weg beim Schloss Schadau über die Aare. Komisch, in Thun kann man doch vom Bahnhof direkt aufs Schiff, da hat doch ein Steg keinen Platz! Und tatsächlich hats scheinbar eine Fähre; heute natürlich nicht. Also weiterlaufen bis zur malerischen Holzbrücke, zum Bahnhof rüber und zurück zum See. Ein Telefon zu Walti, damit er die andern darob informieren kann. Er weiss allerdings unterdessen Bescheid. Richtung Gwatt zur VP4; eine feine Kürbissuppe aus Hansjürgs Garten lässt mich rund eine Viertelstunde rasten.

Blatt 5 führt unter Eisenbahn und Autobahn in die Guntelsey. Hier war ich doch schon am Thuner 3-Tage-OL. Dem Wanderwegweiser «Amsoldinger Tropfsteinhöhle» kann ich nicht widerstehen und tatsächlich, das Läuferherz hüpft und jubelt – so muss es sein, da müssen nächstes Jahr alle durch. Aus 200 m Entfernung winken der Amsoldinger- und Überschi- und Dittlisee. Einsame Höfe, stolze Bauernhäuser, schmucke Gärten, eine lauschige «Beiz», ganz abwechslungsreich präsentiert sich die Gegend.

Ich muss mehrfach meine eingeknickte Haltung korrigieren und sofort wird der Schritt wieder länger und das bescheidene Tempo etwas flotter. VP4 bei der Sägerei an der Gürbe ist heute die Letzte. Ein guter Liter Schorle begleitet mich weiter. Wir sind auf rund 600 m ü.M., das Grunigelbad auf 1150 m. Es sind noch etwa 7,5 km zu laufen.

Nach rund 3 h setzt jeweils eine Mattigkeit in den Beinen ein, ich nenne dies saftlos. Kommt und geht, dieses Gefühl. Unterdessen weiss ich, dass es nicht schlimmer wird und so freunde ich mit diesen leichten Schmerzen an. Bergauf ist sowieso kein Problem und mein trockenes Shirt ist rasch wieder nass.

Bei all der Euphorie übersehe ich die sumpfige Pfütze und ziehe im wahrsten Sinne des Wortes einen vollen Schuh raus. Was solls, bis morgen sollte mein einziges Paar Schuhe wieder trocken sein.

Maren-Be-ler/PIXELIOAndere, die über Blasen klagen, haben jeweils das Problem der Schuhwahl – hier hab ichs einfacher: keine Blasen und die Schuhe sind gewählt.

Um 15.45 gibts ein heisses Wienerli vor dem Gurnigelbad und ich mach mich auf in die erfrischende (!) Dusche. Nach und nach tropfen die anderen rein. Heute hats mal Platz im Massenlager. Für rund 10 Läufer ein grosszügiger Saal mit mehr als 20 Betten. Akkuladen, Wäsche trocknen, Panaché und Blogschreiben und warten aufs Znacht.

Morgen gehts an die Königsetappe.

Herzliche Grüsse

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