Schwimm-EM der Masters – Himmel und Hölle

Regina Senften

Waiting AreaFreud’ und Leid sind nahe beieinander

Wie im richtien Leben sind auch an der Schwimm-EM der Masters in Cadiz Freuden und Leiden nahe beieinander. Sehr nahe.

Die Hölle, da sind sich alle Masters-Schwimmer an dieser EM einig, ist die Waiting Area vor dem Call Room. Dort, wo man sich eine Stunde vor seinem Wettkampf einfinden und auf das Aufrufen seines Laufes warten muss. Die Luft ist stickig, überall liegen Schwimmer am Boden oder hüpfen wie aufgezogene Gummibälle auf und ab. Kein Durchkommen, ein riesiges Gewühl. Trotzdem muss man irgendwie durch, will man auf den Startblock vordringen.

Das Schöne daran: Ganz plötzlich trifft man in diesem Gemenge auf ein vertrautes Gesicht, entdeckt hier eine Schwimmfreundin, da einen Schwimmfreund, den man zuletzt an einem Wettkampf in Deutschland getroffen hat. Man fällt sich in die Arme, tauscht Erinnerungen aus, macht ein Foto, erkundigt sich nach dem Verlauf der Wettkämpfe und wünscht sich gegenseitig von Herzen viel Glück für den nächsten Start. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Masters macht sich breit!

Marina und Regina

Einen Raum weiter, im Call Room, da wähnt man sich dann schon eher wieder in der Hölle. Anfeuerungsrufe tönen von Trainern in vielen Sprachen durch den Raum, die Dantes Inferno harmlos erscheinen lassen dagegen: «Muori, muori!» (stirb! stirb!) ruft ein italinischer Coach seiner Schwimmerin zu, bevor sie ins Wasser steigt. «Ich schwimme bis ich kotze», ruft eine deutsche Schwimmerin ihrer Kollegin zu und haut sich mit der Faust zweimal auf die Brust. Unvergesslich auch der Ruf des deutschen Trainers: «Quäl Dich, du Sau!» Eine zierliche Spanierin übergibt sich im Last Call Room kurzerhand über einen Abfalleimer und flüstert entschuldigend: «No me siento bien» (ich fühle mich nicht gut). Aber deswegen aufs Schwimmen zu verzichten?! Auf keinen Fall.

Kaum steigen die Schwimmer aus dem Wasser, herrscht eitel Sonnenschein. Die einen jubeln schon im Wasser, kurz nach dem Anschlag, weil sie Bestzeit geschwommen oder eine Medaille gewonnen haben. Andere fallen im Ausschwimmbecken über ihre Kollegen her und liegen sich minutenlang strahelnd in den Armen. Die Russen sind noch eine Spur direkter: Da holt der eine Kollege für seinen Kumpel, der Bestzeit über 50 Freistil geschwommen ist, kurzerhand die Wodka-Flasche hervor. Auf dass dieser sich einen tiefen Zug genehmige.

Open Water

Auch bei mir sind Himmel und Hölle nahe beieinander. Die 200 m Rücken liefen mir so gut, dass ich am liebsten grad noch weiter geschwommen wäre! Keine Stunde später, nach den 50 m Delfin, war ich am Boden zerstört, weil ich einen Triumph um 14 Hundertstel verpasst habe.

Und apropos Hölle: Der Open-Water-Wettkampf vom Sonntag über 5 km wird im Industriehafen von Cadiz geschwommen. Vorbei an riesengrossen Containerschiffen und Ladekränen, in salzigem Atlantik-Wasser, das von Gezeiten in Bewegung gehalten wird. Himmlisch daran: Die Strecke wurde soeben auf 3 km verkürzt. Angeblich, weil die Gezeiten im Moment so heftig seien, dass kein sicherer Wettkampf gewährt werden könne.

Es wird sich zeigen, ob der Open Water Wettkampf himmlische oder höllische Seiten hat. Oder ob es auch diesmal so sein wird, dass Himmel und Hölle nahe beieinander sind. Sehr nahe.

T-Shirt-Aufdruck

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Kommentare

Ein Kommentar zu “Schwimm-EM der Masters – Himmel und Hölle”
kerstin 21.9.2009 21:11 Uhr

hallo regina!
deine berichte von der em gefallen mir gut.
wir sind gut gelandet in berlin.
gruß kerstin

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