Schwimm-EM der Masters – Fulminantes Ende ohne Zuckerschlecken
Regina SenftenNach fünf Wettkampftagen ist die Schwimm-EM der Masters in Cadiz am Sonntag mit einem königlichen Schlusspunkt zu Ende gegangen. Als Dessert einer äusserst gelungenen Wettkampfwoche warteten 3 km im offenen Gewässer.

Der letzte Wettkampftag stand ganz im Zeichen der «aguas abiertas», also den Wettkämpfen im open water. Ursprünglich sollte eine Strecke von 5 km im Industriehafen von Cadiz geschwommen werden. Doch nur wenige Tage vor dem Start wurde die Strecke auf 3 km verkürzt. Angeblich aus Sicherheitsgründen, weil die Gezeiten an diesem Tag zu heftig seien und selbst im Hafenbecken eine Strömung von 7 km/h erwartet werden musste.
Nun gut, so stürzten sich denn die Masters aller Altersklassen (von AK 25+ bis AK 75+) in Abständen von 15 Minuten sortiert nach Jahrgängen nacheinander in die Fluten. «Fluten» ist für einmal die richtige Bezeichnung. Denn was an der äusseren Hafenmole strömungsmässig abging, kann kaum beschrieben werden. Wer nicht mit aller Kraft, die Arme und Beine hergaben, Gegensteuer gab und den Kurs um die gelben und orangen Bojen einzuhalten versuchte, wurde unweigerlich in den Atlantik gesogen. So müssen sich Quietschentchen in der Badewanne fühlen, wenn das Wasser abgelassen wird! Keine Chance, da selber rauszukommen.
Angeblich wurden einige Schwimmer von der Küstenwache aufgegabelt und per Schiff ins Ziel gefahren. Doch auch wer dem Sog unter Einsatz all seiner Kräfte entkam, musste einsehen: 3 km im Industriehafen von Cadiz sind kein Zuckerschlecken. Eher schon ein Salzschlecken. Wobei das Salz des Atlantiks ja noch das kleinere Übel gewesen wäre. Klar, der erste Schluck Meerwasser, den man beim Startgemetzel in die Kehle gespült bekam, war nicht so aufregend wie das Gesöff, das am Abend davor an der Strandparty serviert worden war.

Weit schlimmer waren die Düfte, die einem bei Passieren des riesigen Industrieschleppers in Mund und Nase kitzelten. Wie man sich diese vorstellen muss? Benzingeruch, vermischt mit dem betörenden Durft toter Fische, gewürzt mit einer Prise Abwasserkanal, alles garniert mit einer schmierigen Ölschicht. Und das alles auf der nackten Haut, da an Wettkämpfen der FINA Neopren-Anzüge nicht zugelassen sind.
Ich darf kaum erwähnen, dass ich in dieser Umgebung eine neue Bestzeit über 3km aufgestellt habe. Selten habe ich mich derart angestrengt, um das Wasser so rasch wie möglich wieder zu verlassen! Und weder am Gigathlon noch am Inferno musste ich gegen eine derart heftige Strömung ankämpfen.

Kaum im Ziel, war der Ekel aber umgehend vergessen. Die Abschlussparty der Masters-EM 2009 war bereits in Gange. An die Tausend Schwimmer aus ganz Europa spülten den Salzgeschmack im Mund mit kühlem Mojito herunter und prosteten sich gegenseitig auf die neuen Bestzeiten, Medaillen und Diplome zu.

Hier noch eine letzte Umarmung für die liebenswerten Holländer, da noch ein Foto mit meinen lässigen Freunden aus Deutschland. Und in letzter Minute gelang es mir noch, meine Schweizer Badekappe einem Russen aus Novosibirsk zum Tausch anzubieten.
Diese Badekappe mit der russischen Flagge wird mich von jetzt an im Training an diese wunderbare Schwimm-EM in Cadiz erinnern. Und mir ins Ohr flüstern, warum es sich lohnt, hart zu trainieren: Um an einem internationalen Wettkampf teilzunehmen und eine tolle Woche unter netten Sportlern aus ganz Europa zu verbringen!









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Der Tip der “lässigen deutschen Freunde”, sich mal diese Seiten anzusehen, war sehr erbaulich. Es ist wirklich ein Vergnügen sich diese Seiten mal durchzulesen. Machen sie doch Lust, beim nächsten Event dabei zu sein.