Laufentraining in Singapur: Als Läufer kann man schnell zum Verbrecher werden!
Felix LillOhne T-Shirt und Ampeln über die Strasse
Sozialarbeit als Disziplinierung jener, die Zigarettenstummel auf den Boden werfen. Verschreibungspflicht für den Kauf von Kaugummis und strenges Verbot, das Papier oder gar das Gekaute fallen zu lassen. Strafen für das Laufen auf der Strasse oder Überqueren der Ampel bei Rot. Singapur ist strafrechtlich kein Zuckerschlecken.

Das soll der Preis dafür sein, dass der Stadtstaat als einer der ordentlichsten und saubersten Orte der Welt gilt. Einen Tag bin ich vor Ort. Ein kurzes Interview und Laufen. Das Interessantere ist eigentlich das Laufen, weil es auch eine Mutprobe ist. In der Stadt kenne ich mich nicht aus und viel Zeit habe ich nicht. Wenigstens eine kurze Einheit, eine gute Stunde. Ich muss Sightseeing und Training verbinden, und im Zentrum der Stadt viele Strassen überqueren.
Alle paar Hundert Meter stehen Polizisten an der Strasse und sehen nach dem Rechten. Alles, was man hier beachten sollte, ist wohl, nicht blöd aufzufallen, und all seinen Abfall zum Mülleimer zu bringen. Ich muss über die Strasse, weil ich am Wasser bleiben will, da, wo die bekannte Wasser speiende Statue, die Mischung aus Löwe und Fisch namens «Merlion» über Singapur wacht. Anzuhalten kann ich mir nicht leisten, vor allem nicht, wenn kein Auto in Sichtweite ist.

Ich schaue um mich und laufe über die Strasse, ohne Ampel. Die gut zehn Meter auf der vierspurigen Chaussee fühlen sich wie ein Kapitalverbrechen an, beinahe fällt mir noch mein Kaugummi aus dem Mund auf den Asphalt. Das hätte mich eine hohe Geldstrafe gekostet. Ich bin drüben. Keiner sagt was. Ein bisschen wundere ich mich und ich laufe weiter. Entlang dem Hafenbecken, unter der südostasiatischen Mittagssonne, ohne T-Shirt. Seinen Oberkörper zu zeigen ist wahrscheinlich auch verboten, aber es ist zu heiss und ich will mich etwas bräunen. Ich weiss nicht, für was alles ich strafrechtlich belangt werden kann, wenn mich einmal ein Polizist anhält.
Kurz vor Schluss der Einheit muss ich noch einmal über die Strasse. Ich wechsle Blicke mit zwei Polizisten, die mich von der anderen Strassenseite schon gesehen haben. Ich laufe ohne langsamer zu werden und wieder passiert nichts. Die Polizisten beschäftigen sich mit etwas Anderem, als ich meinen Kopf vorsichtig über meine Schulter nach hinten drehe. Ich laufe so schnell und unauffällig wie möglich aus ihrem Blickfeld.
Das Training ist geschafft. Ich bin wieder beim Löwenfisch Merlion und dehne mich. Um mich herum stehen Touristen, die Fotos schiessen, einige von ihnen rauchen. Auf dem Weg zum Schliessfach beim Hafen, wo ich mein Gepäck verstaut habe, beobachte ich einen Einheimischen, wie er seine erstickte Zigarette auf den Boden fallen lässt. Und als ich meine Schuhe ausziehe, klebt ein Kaugummi an meiner Sohle. Ohne mich wäre Singapur um ein klebriges Stück Abfall reicher. Wenn mich jetzt ein Polizist anhält, hab ich alle Argumente auf meiner Seite. Singapur wäre dreckiger ohne mich.













Hi Chrigi,
ich war leider nur kurz in Singapur. Hatte kaum Zeit was zu sehen und musste das kombinieren. Beim naechsten Mal bist du vorgewarnt!
Gruesse, weit weg von Singapur -
Felix