Hallwilerseelauf-Rückblick mit Silvio Bertschi
Redaktion FIT for LIFEDer «Dauerläufer» ist zum 35. Mal dabei!
Nur drei Läufer haben es geschafft, keine einzige Austragung des Hallwilerseelaufs zu verpassen! 34 Mal am Start und 34 Mal im Ziel anzukommen. Silvio Bertschi ist einer davon. Beat Bucher heisst der zweite und Peter Ramseier der dritte.
Silvio Bertschi erinnert sich: «Früher hiess es noch „Langstreckenlauf rund um den Hallwilersee“. Damals waren es auch noch nicht 21, sondern 22 Kilometer. Und der Start war am selben Ort wie das Ziel.» An die erste Austragung 1975 hat der bald 58-Jährige eine spezielle Erinnerung: das schlechte Wetter. «Es hat richtig geregnet – nein: ‹gschiffet häts›. Ein Stück dem See entlang war ein Ackerweg. Der war richtig tief, ‹schlifrig›». 450 Läuferinnen und Läufer trotzten dem schlechten Wetter – was für damalige Verhältnisse bei einer Erstaustragung erstaunlich viel war. Damit es nicht zu eng wurde auf der anderen Seeseite, wurde das Feld einige Jahre später zweigeteilt und um eine Stunde zeitverschoben gestartet. «Trotzdem kam es bei der Seerose um die Ecke zu Stau», sagt Silvio Bertschi. «Wie beim Engadin Skimarathon musste man warten, es bildete sich eine richtige Traube».
Erlebt hat Briefträger Bertschi das selber aber nicht. Dafür war er zu schnell. Immer lief er unter 1:30 ins Ziel. 33 Mal. Bis letztes Jahr. «Da wusste ich schon am Start, dass es nicht mehr reichen würde. Beruflich hatte ich zu viel zu tun, ich war nicht so gut vorbereitet.» Die eineinhalb Stunden für einen Halbmarathon sind immer noch die Herausforderung für Silvio Bertschi. In den 80er-Jahren ging es für ihn vor allem darum, wie viel unter 1:30 er laufen würde, doch jetzt hat sich die Situation geändert «Jetzt heisst es für mich: Schaff ich es noch oder nicht mehr?».
Das sei halt der «Lauf der Zeit», meint Bertschi. Ebenso die Entwicklung des Laufes. Zu Beginn wurde dieser noch von der Mehrkampfgruppe Homberg organisiert. Später nannten sie sich Läufergruppe Homberg. Und seit einigen Jahren ist es die Hallwilerseelauf GmbH. «Jetzt scheint es darum zu gehen, möglichst viele Läufer an den Start zu holen», sagt Bertschi kritisch. Es freut ihn aber natürlich, dass immer mehr Freude an dem Lauf haben und nach «Böju» kommen. 1991 ist die Strecke angepasst und auf Halbmarathon-Distanz gekürzt worden. Die Teilnehmerzahlen stimmen noch immer. Vergangenes Jahr zählte der Hallwilerseelauf über 5800 Finisher – gezählt über alle Kategorien. Dieses Jahr findet erstmals ein 10-Kilometer-Lauf statt, was wohl nochmals einige hundert Läufer mehr anlocken dürfte.
Auch wenn es für Silvio Bertschi bei jeder der 34 Austragungen etwas Neues zu entdecken gab – einige Dinge ändern sich nie. Beispielsweise einzelne Zuschauer. «Seit vielen Jahren steht ein ehemaliger Arbeitskollege von mir immer beim Schiffsteg, beim Seenger-Zopf. Das freut mich natürlich, wenn ich die Leute kenne – und vor allem, wenn die Zuschauer mich kennen und anfeuern.» Was für Bertschi ebenfalls immer gleich bleibt, ist die Gänsehaut, die ihn überkommt, wenn er durch den Schlosspark läuft. «Da stehen die Leute Spalier und man läuft vor historischer Kulisse». Das sei für ihn jedes Mal sehr eindrücklich. «Und wenn man da durch ist, weisst du: jetzt geht’s heim.» Die letzten Kilometer dürfe man aber auf keinen Fall unterschätzen, denn es gehe noch einige Male auf und ab.
Und noch etwas ist für Silvio Bertschi bewährt Tradition: Er läuft immer in einem gelben Shirt. Woher er das erste hatte? Er ist sich nicht mehr ganz sicher, vermutet aber, dass es ein Shirt von der Modelinie des damaligen amerikanischen Spitzenläufers Frank Shorter war.
Wer also vor Ort ist und einen schnellen Läufer in gelbem Shirt sieht: anfeuern, es könnte Silvio Bertschi sein! Vielleicht reicht es ihm dann doch noch einmal unter die magischen 1:30 h. 20 Prozent Chancen gibt er sich selber. «Bei Kilometer 15 muss ich bei 58 Minuten durch, sonst reicht es nicht mehr.» Und wenn nicht? Halb so schlimm, sagt Bertschi. «Ich habe es 33 Mal geschafft. Eine Schnappszahl. Das passt doch wunderbar.»
FIT for LIFE verlost drei Startplätze für den diesjährigen Hallwilerseelauf! Wer am 10. Oktober über die Halbmarathon-Distanz starten möchte, schreibt an blog@fitforlife.ch ein Mail mit Name, Vorname, Adresse, PLZ/Ort, Telefonnummer, dem Jahrgang und der ungefähren Laufzeit. Einsendeschluss ist der 2. Oktober.









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Meine Premiere am Greifenseelauf ist gelungen, darum mache ich doch gleich mit am Wettbewerb!