Unterwegs in Graubünden: Swiss Alpine, Davoser Seelauf, Berninapass, Nusstorte – das ganze Programm!
Roman WürschUnterwegs in Graubünden
Der Faszination Swiss Alpine Marathon bin ich schon lange erlegen. Die langen Strecken sind die meisten schon absolviert. Also war es an der Zeit, die relativ neue Strecke K 21 mit dem Start auf der Sunnibergbrücke kennen zu lernen. Ein Halbmarathon entspricht auch eher meinem Trainingszustand als ein echter alpiner Marathon oder gar ein Ultra-Marathon über Keschhütte und Scalettapass.

Die verkehrsfreien Strassen sind zwar eher die Träume von Gümmeler und Skatern, aber auch für Läufer ist der Start auf der Sunnibergbrücke ein Erlebnis. Ein Grund, sich weit vorne zu postieren, um das das Gefühl der autofreien Brücke noch besser zu erleben. Aber Achtung, das könnte zu einer überhöhten Pace verführen! Da ich mich aber für die zweite Startgruppe (Zielzeit über 2h05) entschieden habe, ist dieses Risiko einigermassen kalkulierbar. Es war ein total befreites Gefühl, auf dieser Fahrbahn zu laufen, die wie von aufgespaltenen Pfeilern getragen wird. Der Blick zurück – einfach phantastisch.

Nach rund 800 Metern geht es von der Brücke weg ins Gebirge. Jetzt heisst es, gut auf den Körper hören und das ideale Tempo finden. Die Strecke, die viel im Wald verläuft ist herrlich, zumeist breite Fahrwege, nicht zu toll ausgewaschen und nicht immer in der Maximalsteigung. Nur kurz vor und nach Cavadürli geht es ganz tüchtig zur Sache. Die junge Laufkollegin in unserer Gruppe kann es auch hier nicht lassen und kickt – wohl unfreiwillig – einfach aus purem Übermut.
Die beiden provisorischen Brücken in Davos-Larett und bei der Flüelastrasse sind nichts für empfindliche Gemüter, man könnte direkt seekrank werden, so schaukelten diese, aber über Treppen lohnt es sich aber ohnehin zu marschieren. Der Einlauf in Davos ist einfach fantastisch, auch wenn der Jubel natürlich mehrheitlich den Finishern von K42 und K78 gehört. Aber das mag ich denen auch von Herzen gönnen. Mit der Zeit von 1h50 bin ich zwar etwas unter der angegeben Zielzeit, aber – wenn wunderts -, trotzdem zufrieden.
In der herrlichen Bergwelt von Davos mit den unzähligen Sportmöglichkeiten ist es nicht ganz einfach, sich zu beherrschen und sich nach einem Wettkampf die nötige Ruhe zu gönnen. Ich habe trotzdem acht Tage Laufpause geschafft. In der Zwischenzeit aber zieht es mich zuerst ins Dischma mit dem Bike und später noch auf den Flüelapass. Die Davoser, die sich in der Disziplin Flüela-Up-Hill messen, sind zufrieden, wenn sie unter einer Stunde brauchen – dafür fehlen mir ein paar Radkilometer. Aber nicht bei jedem ist dieser Run garniert mit der Begegnung mit einer originalen Postkutsche.
In den Sommerwochen veranstaltet der Track-Club-Davos zweiwöchentlich den Seelauf. Abgerechnet wird die Serie erst nach der letzten Veranstaltung. Ich habe mich für eine Runde, also 4 Kilometer entschieden. Mit 16 Minuten konnte das Minimalziel knapp erreicht werden. Die ersten beiden Kilometer waren definitiv zu schnell, so dass ich die zweite Hälfte voll in der Säure durchquälen musste. Auch bei 4 Kilometern lohnt sich vermutlich ein Negativsplitting.

Unterwegs in Graubünden schliesst aber mehr ein als die Landschaft Davos: Der Berninapass ist schon längst überfällig. Er passte bisher noch in keine Velotour. Um das «Fuder» nicht zu überladen sind wir mit der RhB nach Pontresina gefahren und haben dort die richtigen Untersätze gemietet. Der Hinweg bis Poschiavo ist ein harmloses Einfahren mit der dauernden Verlockung zu überpacen. Die Abfahrt gibt eine Vorahnung für den Rückweg: Zuweilen fürchte ich, vornüber aus dem Sattel zu kippen.
Gestärkt mit einer feinen Pasta geht es auf den Rückweg: rund 1500 Höhenmeter auf 15 Kilometer. Im Hospiz belohne ich mich schliesslich mit einer feinen Nusstorte.
Eine kleine Biketour auf die Jschalp, zwei kleine Wanderungen auf die Schatzalp und die Stafelalp runden die sportlichen Aktivitäten ab. Dieses sportliche Programm war aber angesichts des zahlreichen gesellschaftlichen Engagements – unter anderem der Küchendienst am Sertigschwinget – und den üppigen kulinarischen Verlockungen ein absolutes Muss.













