Maxim Mountain Rally – Königsetappe hatte es in sich!

Marius Stahlberger

Unvergessliche Momente dank Missgeschicken

Am Dienstag wollte ich angreifen. Wirklich! Ich fühlte mich topfit, hatte gute Beine und nahm mir vor, die «rote Laterne» heute abzutreten. Die Mountain-Rally ist zwar kein Rennen – aber etwas für die FIT for LIFE-Ehre zu tun, wäre nicht schlecht. Ich nehme es vorweg: Mein Plan ging nicht auf. Überhaupt nicht! Ich wurde wieder Letzter. Mit Abstand.

Und wurde während der letzten drei Stunden von Sandro Sattler begleitet, ein mir bis anhin unbekannter Biker. Mit im Gepäck: Erlebnisse, die mich ein Leben lang an diese Tour von Weesen nach Flüelen erinnern werden. Aber der Reihe nach…

Das Feld gleich mehrmals von hinten aufrollen
Zwischen 9 und 9.30 ist das Startfenster offen. Da ich mich am Morgen einmal mehr mit Bloggen beschäftige, während alle anderen Gels, Bananen und Getränke fassen und losradeln. So kommt es, dass ich mal wieder am Ende bin, bevor es losgegangen ist.

Aber ich fühle mich fit und rolle in der Ebene bis Näfels an einigen Bikern vorbei. Dann mache ich nach Nestal und zurück etwa eine 10-Minuten-Zusatzschlaufe. Leider vergeblich, da der Bike-Shop geschlossen hat. Also muss ich heute erneut auf eine Pflege meines köpereigenen Sitzpolsters verzichten. Nicht weiter schlimm, heute fühle ich mich sattelfest. In der ersten Steigung kann ich das Schlusslicht abtreten und auf Distanz halten.

Nach dem Mittagessen sieht das schon wieder anders aus. Während viele sich mit einer Suppe begnügen, haue ich richtig rein. Lachs auf gebratenem Gemüse und Reis. Schliesslich brauche ich Energie für die insgesamt 2800 Hm und 72 km. Nur leider warte ich eine Stunde, bis ich bedient werde. Mittlerweile leisten mir die beiden Guides vom «Besenwagen» Gesellschaft.

Gestärkt fliege ich regelrecht auf den Längeneggpass (1814 m ü. M.) und habe einige Positionen gut gemacht. Auf dem verdammt heissen Downhill komme ich richtig in Fahrt. Nichts kann mich mehr stoppen – ausser einem Plattfuss! Ich werde wieder durchgereicht.

Die «Höhi» ist die «Höhe»
Danach überhole ich unter anderem meine Partnerin zum dritten Mal! In Muotathal habe ich den Kontrollschluss (15 Uhr) für den letzten happigen Pass um über eine Stunde verpasst. Egal: Sandro Sattler und ich entscheiden uns, trotzdem über die «Höhi» zu biken. Die Bidons sind voll, Gels haben wir zu genüge und die Beine fühlen sich richtig gut an.

Nur: Der Weg ist nun nicht mehr mit den Mountain-Rally-Wegweisern ausgeschildert. Die sind abmontiert, weil es vom OK nicht mehr empfohlen wird, hier rüber zu gehen. Aber die Königsetappe (bezüglich Höhenmetern) wollen wir uns nicht entgehen lassen. Ausserdem haben wir Karten dabei und Sandro ist mit GPS ausgerüstet. Was kann da schon passieren?

Karte und GPS: verirren unmöglich?
Wir plaudern im Aufstieg über den Bikergott und die Welt, als Sandro bemerkt, dass wir laut GPS-Track falsch sind. Aber wir haben nie einen Abzweiger gesehen, also spielt uns die Technik bestimmt einen Streich. Nach einigen weiteren verstrichenen Minuten, während derer die Unsicherheit immer grösser wurde, überholt uns ein Gümmeler. Ob es hier auf die «Höhi» geht, wollen wir wissen. «Klar kommt ihr hier auf die Höhe. Einfach nur der Strasse folgen».

Das GPS scheint nun völlig falsche Angaben rauszuspucken. Die Satelliten würden uns völlig an einem anderen Ort durchlotsen. Wir checken unsere Position mit der Karte. Hmm, in diesem Tal gibt es ja eigentlich nur eine Strasse. Da kann nichts schief gehen.

Nach fast einer Stunde sind wir auf der Höhe. Aber eben nicht auf der «Höhi», sondern auf «Liplisbüel». Wir sind im falschen Tal. Keine Chance, hier mit dem Bike irgendwo über die Gipfel zu kommen. Es beginnt zu regnen. Und wird gleich ein bisschen dunkler. Ein Donnergrollen. Umkehren!

Hauptsache Abenteuer!
Auf dem Weg wieder runter nach Muotathal sehen wir den Abzweiger, den wir vorhin verpasst haben. Es ist für Biker-Verhältnisse eigentlich eine riesige Kreuzung, beide Wege sind geteert. Aber keine Diskussion: Die Übung mit der «Höhi» wird abgebrochen. Gegenwind und Sintflut auf der Hauptstrasse nach Schwyz. Endspurt auf der Axenstrasse bis nach Flüelen.

Ich sag mir im Ziel einmal mehr: «Es ist ja kein Rennen. Mir sollte es völlig egal sein, dass ich in der dritten Etappe zum dritten Mal als Letzter ins Ziel eintrudle.» Und das Beste ist: Heute geht es mir wirklich komplett an meinem geschundenen Hinterteil vorbei! Denn diese Etappe werde ich nie mehr vergessen.

GPS-Daten und Kartenausschnitte unter: www.mountain-rally.ch

Die dritte Etappe der Mountain Rally als animierte Bildergallerie:

Schlagworte: ,

Kommentar schreiben