Das Alpenbrevet 2009 ist definitiv keine Kaffeefahrt
Thömu WyssVon Tiefs, Textilbremsmanövern und dem erlösenden Tunnel
Nachdem mich ja meine charmante Transalp-Partnerin beim 4. Engadiner Radmarathon würdevoll beim Radeln aber auch beim Blog-Schreiben vertreten hatte, darf ich nun über «mein» Alpenbrevet berichten. Auf dem Flyer sieht es ja noch relativ human aus; so 276 km und 7030 hm lassen sich mit dem Finger auf der Karte rassig abfahren. Aber wenn du dann selber am Samstag früh im Startblock stehst, sieht es schon noch ein bisschen anders aus.

Mit Start um 6.45 h im Dorfzentrum Meiringen schickt uns Speaker Heinz Schild ins Ungewisse: Mit vollen Batterien stürmen wir den Grimsel rauf, immer die Angst im Nacken, der Regen könnte einsetzen. Aber mehr als ein Pass in diesem Tempo mache ich nicht mit, und so bin ich froh, mich auf der Abfahrt nach Ulrichen erholen zu können. Den Nufenen rauf geht es dann ein wenig gemütlicher, noch habe ich genügend Schnauf, mich mit ein paar Gümmelern zu unterhalten. Aber je höher wir kommen, wird die Luft dünner und dünner. Vom Panorama sieht man nichts, wirklich schade.
Wir Schweizer sind uns ja die tolle Aussichten gewohnt, aber heute ist es mir und vor allem den vielen ausländischen Velofreaks leider vergönnt. Die opfern da ihre Ferien und dann beim Saison-Highlight den ganzen Radtag kein Sonnenschein, üble Sache. Der Nebel ist so dicht, dass ich andauernd die beschlagene Brille reinigen muss.
Unten in Airolo wäre noch die Möglichkeit, über den Gotthard «abzukürzen», aber wir haben uns ja für eine Challenge über 5 Pässe angemeldet und nicht für eine Kaffeefahrt. Mit leichter Schadenfreude nehmen wir vom kilometerlangen Gotthard-Stau am Südportal Kenntnis, wir fahren in einer kleinen Gruppe rennmässig Ablösung und die flache Transferstrecke runter nach Biasca vergeht so wie im Flug. Apropos Flug: Die Strasse ist nass und kurz vor einer scharfen Kurve bremse ich zu stark und knalle wie eine gefällte Eiche zu Boden und benutze bis zum vollständigen Stillstand noch die Textilbremse.
Wie im Fernsehen bei den Profis schon x-mal gesehen, stehe ich sofort auf, drehe sofort Hinter- und Vorderrad, um zu sehen, ob meine Weiterfahrt zumindest technisch möglich ist. Dem ist so, und ich schwinge mich (nicht sehr elegant) auf mein Rennvelo. Das rechte Handgelenk schmerzt, ein bisschen «Tapete» weg, aber zumindest kann ich weiterfahren, aber das werden noch happige 160 km werden, denke ich.

Bei der Verpflegungsstelle Biasca nehme ich das Full-Service-Package: Mänu (mein Freund und treuer Wegbegleiter bei meinen sportlichen Spinnereien) bringt mein Velo in Schuss und ich schlucke eine Schmerztablette, die auf dem 40 km langen Weg rauf zum Lukmanier langsam wirkt. Irgendwann finde ich wieder meinen Tritt und schwuppdiwupp ist die Passhöhe erreicht. Bei Tempo 75 Richtung Disentis frage ich mich plötzlich, ob der Lenker wohl hält, bei einem Sturz würde ich wohl die Karotten von unten her wachsen sehen.
Nur nie zuviel studieren, «Gring ache» etc. sagte ja schon die Anita Weyermann. Den Oberalp nehme ich noch mit vollem Elan, aber unten in Andermatt habe ich – wie das Wetter – ein Tief. Aber nach jedem Tief geht es wieder aufwärts. Der Aufstieg zum Susten ist dann aber schon noch eine Herausforderung. Aber ich überhole an die 20 «Gold-Fahrer»; die haben 100 km und 2 Pässe weniger in den Beinen, müssen aber viel mehr kämpfen als ich, und das ist gut so, zumindest für mein Ego. Zum Glück regnet es wieder und der Nebel verdeckt die Gipfelsicht, so komme ich nicht in Versuchung die «schier» endlose Strecke rauf zur Passhöhe zu sehen. Und endlich kommt er dann doch noch: der Sustentunnel, das heisst in weniger als einer Stunde fahre ich in Meiringen ein, sofern…
Aber meine Bedenken sind grundlos und so fahre ich nach 12 Stunden und 09 Minuten müde, aber glücklich ins Ziel. Unabhängig, ob Silber, Gold oder Platin gefahren wurde, ein jeder Fahrer darf sich zurecht als Sieger fühlen und stolz sein.

Dieser Blog wurde in Zusammenarbeit mit der Swiss Radmarathon Challenge (Engadin-Radmarathon,Alpenbrevet und Alpen-Challenge) realisiert.










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Jetzt bringt’s dieser Edi Manser aber nochmal auf den Punkt, respekt: http://www.edimanser.ch