2. Glacier 3000 Run – Erlebnisbericht von Regula Batt
Redaktion FIT for LIFE
Bei der Oldenegg fängt das Leiden an
Samstag 8. August 2009: Ich bereite mich auf meinen ersten Glacier 3000 Run vor. Draussen regnet es in Strömen und die Kleiderwahl ist alles andere als leicht. Die Verhältnisse werden auch kurz vor dem Start kaum besser und das Ziel liegt in weiter Ferne auf knapp 3000 m ü. M. im Nebel. Die ersten 10 km sind flach und wir Läuferinnen und Läufer werden von vielen Zuschauern angefeuert. Ich versuche, mich an das Tempo meiner drei Mitläufer anzupassen und nach 16 km glaube ich das erste Mal daran, dass ich das Ziel erreichen werde.
Nun liegen «nur» noch 10 km vor mir, doch der Anstieg in die Berge ist steil. Ich bin motiviert und lasse eine 500er-Marke nach der anderen hinter mir. Die Durchschnittszeit pro km ist inzwischen von 5 auf über 10 Minuten angestiegen. Ich erinnere mich an die Ausschreibung bis jetzt befinde ich mich immer noch auf dem Bergwanderweg, meine Beine werden schwer und ich versuche mit Getränken, Riegel und Banane wieder zu Kräften zu kommen.
Bei der Station Oldenegg bleiben 6 km bis zum Ziel und mit der alpinen Route fängt das Leiden an. Die schmalen Wanderwege mit ihren Steinen sind glitschig und erfordern meine doppelte Kraft. Laufen ist kaum möglich, über Steine und Geröll muss mehr geklettert werden. Die Beine schmerzen und langsam spüre ich auch Krämpfe. Vor mir und versteckt im Nebel liegt die Moräne. Ich schaue zweimal auf, bis ich überzeugt bin: Das sind wirklich meine Konkurrenten, die dort «hochklettern» kein Zweifel, diese Steigung wartet noch auf mich.
Die steile, steinige Passage kann nur auf dem Vorderfuss bezwungen werden und erstmals überkommt mich das Gefühl, dass ich die letzten 2 km nicht mehr schaffen werde. Kein Wunder, habe ich für den letzten Kilometer doch ganze 25 Minuten gebraucht! Ein Helfer motiviert mich und meldet mir, dass lediglich 200 Höhenmeter auf ziemlich flachem Untergrund folgen. Er behält Recht! Und ich bin froh, dass ich die verbleibenden 2 km doch noch ein wenig laufen kann.
Die letzten 500 Meter auf dem Gletscher verlangen mir abschliessend noch einmal alles ab der Schnee ist weich, rutschig und verunmöglicht das Laufen beinahe komplett. Doch gleich ist es geschafft. Nach 3 Stunden und 41 Minuten habe ich tatsächlich den Gipfel erreicht! Abgekühlt und ausgebrannt frage ich mich, wo bei diesem unglaublichen Kampf die Freude liegt und weshalb ich jetzt schon wieder an den nächsten Glacier 3000 Run denke…














hallo,
erst mal gratulation zum überstehen des laufes.
“wo liegt die freude an so was”
ich denke, jeder empfindet es anders.
für mich ist es, wie wenn man den rest-knopf drückt. spüren wie klein der mensch gegenüber der natur ist. die eigene leistungsfähigkeit austesten, abschalten vom alltag und dem ganzen streß. in sich hineinhören und den eigen körper und signale deuten können (nach der letzten hütte: kann ich noch etwas joggen oder geht der oberschenkel jetzt zu, wie kommt man ins ziel?). aber nachher, wieder in gstaad, frisch geduscht und angezogen, kann man doch stolz auf sich und seine mitstreiter sein. wenn man es einmal für sich entdeckt hat, läßt es einen nie mehr los, es ist nicht nur ein “hobby” vielmehr eine lebenseinstellung. egal ob berglauf, radtour o. schwerer arbeitstag: man “beißt” sich durch.
mit freundlichen grüßen, tino.