Zermatt Marathon – Erlebnisbericht von Raphaela Debély
Redaktion FIT for LIFE
Karnevalstimmung auf der Riffelalp: «Yes, we can!»
Zermatt, 5 Uhr in der Früh. Die allerersten Sonnenstrahlen entzücken die auf der Strasse versammelten Japaner, Chinesen und Koreaner und lassen das Matterhorn rot erglühen wie ein Lampion am 1.August.
So beginnt der Morgen einer Bergmarathon-Novizin und Heimweh-Walliserin auf dem Balkon des Hotelzimmers stehend und vom Treiben der Touristen angelockt. Mein Entzücken weicht dann allerdings rasant der Aufregung und dem Respekt vor dem Bevorstehenden, denn dort hinauf will ich heute gehen, rennen, wie auch immer….
Nach dem üblichen Vorbereitungsszenario lasse ich mich vom Strom der in Richtung St. Niklaus (Start) gleitenden Läuferschar mitziehen. Per Zahnrad-Bahn ruckeln wir hinunter ins Startgelände des Zermatt Marathons auf 1085 m ü. M.
Kurz nach dem Startschuss führt die Strasse, für die kalten Muskeln schon unangenehm ansteigend, durch das malerische Dörfchen und sorgt dafür, dass mein Puls bereits viel zu hoch ansteigt, mir Sorgen bereitet und andere Läufer zu Gehpausen zwingt. Bei km 3 bin ich dann allmählich warmgelaufen und die Wallisersonne heizt uns ganz schön ein. Einige Teilnehmer brauchen die Ambulanz, um wieder auf die Beine zu kommen.
Für willkommene Abkühlung sorgen die jeweiligen Dorfbrunnen und die vom einheimischen Publikum verteilten Schwämme sowie zu Duschen umfunktionierte Weide-Bewässerungs-Schläuche. Mit wallisertitschen Zurufenund fröhlichen Gesängen treiben uns die Dorfbewohner das Tal hinauf.
Romantische, blumengeschmückte Holzbrücken und schmale, wurzeldurchzogene, weiche Waldwege wechseln sich mit steinigen Pfaden entlang der Zermattbahn ab. Und so überwinden wir knapp 600 Höhenmeter.
Einmalig ist die «fahrende Tribüne»: Die für Zuschauer reservierten Bahnwagen, von denen aus Coachs und Angehörige ihre Athleten bewundern und das Rennen mitverfolgen können. Sie winken und applaudieren denn auch eifrig, dicht aneinandergedrängt und die ihren suchend. Nach zwei Stunden Laufzeit beim Verpflegungsposten kurz vor Zermatt, Wechselzone für Staffelläufer, höre ich den Speaker und die Blechmusikanten und freue mich auf das erste Etappenziel.
Es empfängt uns eine jubelnde Menschenmenge, wie ein Spalier das Strässchen säumend. Eigentlich möchte man lieber verweilen.
Stattdessen wird es jetzt still – und in trägerem Tempo, auf Schritt und Kraft konzentriert, arbeite ich mich das steile Strässchen durch den Wald hinauf. Es werden drei zähe Stunden, aber die Bäume spenden Schatten und je höher wir aufsteigen, desto frischer wird das Lüftchen, das uns Kühlung verschafft.
Zwischenziel Sunnegga erklommen und km 32 erreicht, geht es endlich mal wieder flach weiter und sogar bergab. Ich lebe auf, das Gröbste geschafft, denke ich! Auch hier ist es still und besinnlich, ein Ausblick zum Stehenbleiben und Geniessen. Und für Erschöpfte fährt hier der unterirdische Sunnegg-Express talwärts. Bis zur Riffelalp überqueren wir jetzt die Geleise der Gornergratbahn, Europas höchstgelegene Zahnradbahn, und der Weg steigt nochmals giftig an. Ab 34 km dann Aufatmen, Freude pur, Weitblick, Berge soweit das Auge reicht. Es geht bergab über Stock und Stein, ich fühle mich wie ein junges Berggeisslein.
Auf der Riffelalp herrscht Karnevalstimmung! Die Terrasse des Bergrestaurants ist dicht bevölkert, die Guggenmusik «Wäsmelichatze» spielt brasilianische Rhythmen und heizt uns Läufern ein. Mich haut es fast aus den Socken, nicht ahnend, was noch kommen sollte… Es fehlen 10 km, aber die haben es in sich! Hinter mir versucht eine deutsche Läuferin, mich vor zuviel Übermut zu warnen: «Jetzt gehts dann erst richtig los!» 3 km und 350 Höhenmeter auf unbefestigtem Untergrund und Schotter und das vermeintliche Ziel, die Bergstation, in Sicht, hechle ich Schritt für Schritt bergwärts, Obamas Worte im Kopf: «Yes we can!»
Der Lautsprecher ertönt von Weitem, Betreuer, Staffelteilnehmer und Wanderer sitzen auf Steinen und picknicken. Geschafft, bin oben!
Der Kreislauf spielt verrückt vom Hyperventilieren am Berg, mir ist schlecht und ich suche den Zielbogen in unmittelbarer Nähe. Aber 42 km sind noch kein Marathon und so folgen noch weitere lange 200 m hinauf bis zur endgültigen Glückseligkeit einer neuerkorenen Bergmarathon-Finisherin.
Raphaela Debély hat bei der FIT for LIFE-Verlosung einen Startplatz für den Zermatt Marathon 2009 gewonnen und berichtet im Blog über Ihren ersten Berg-Marathon.









Infos und Tipps zur Trainingsgestaltung, eine Agenda inkl. Trainings-Protokoll, Wochen-Pläne, Wettkampf-Auswertung und vieles mehr! Das FIT for LIFE-Trainings-Tagebuch gibts gratis gegen ein frankiertes Rückantwort-Couvert (Frankatur: Fr. 1.10) bei: FIT for LIFE, Trainingstagebuch, Neumattstrasse 1, 5001 Aarau.
Suuuper gmacht Mami:D