Alpine & Trail Running Camp

Fränzi Gissler

Lauftechnik und Berglaufgenuss

Die Alpwiesen blühen. Die Schneegrenze krebst jeden Tag höher in Richtung Berggipfel hinauf. Strahlende Bergsonne. Was will man mehr, um drei Tage lang Trail Running «at its best» zu geniessen?! Wir befinden uns im malerischen Scuol im Unterengadin. Neben der noch lebhaft gepflegten romanischen Sprache, den natürlichen Mineralquellen, welche aus den Dorfbrunnen sprudeln, den Capuns und den typischen Steinhäusern mit Sgraffito verziert, gibt es noch unzählige weitere «Engadiner Spezialitäten». Eine etwas neuere davon ist mit Sicherheit auch das Trail Running: Ein vielfältiges Wegnetz überzieht das von Ost nach West ausgerichtete Haupttal sowie die Seitentäler des Inns (romanisch genannt: En, darum das «En»gadin).

Ob abendlicher Trail Run auf den nahe gelegenen Piz Mezdis, ob Tagestour in ein Zuflusstal mit möglicher Passüberquerung bis hin zum mehrtägigen Trail Running-Tour in der Silvretta von Berghütte zu Berghütte – der Fantasie für das Trail Running ist hier wirklich keine Grenzen gesetzt. Und Capuns füllen den Energiespeicher am Abend wieder herrlich auf.

Hungrig auch nach…
Anfangs Juni finden sich neun trailhungrige Läuferinnen und Läufer zum «Alpine & Trail Running Camp» der Laufschule Scuol ein. Bei der Begrüssung steht in einigen Gesichtern noch etwas Unsicherheit («Wer rennt den jetzt wie schnell den Berg hinauf?», «Habe ich die richtigen Schuhe für das Terrain?», «drei Tage hintereinander?», «..und dann auch noch mit Rucksack…»). Trotz einigem Bangen überwiegt die Vorfreude auf das Laufen in den Unterengadiner Dolomiten.

Die Technik macht’s beim Trail Running aus
Bevor wir uns aber auf die wurzeligen und gerölligen Pfade begeben und über Bäche springen, können die Teilnehmer des Camps ihren Rucksack neben Powerriegeln noch mit einer guten Portion «Technik im Trail Running und Berglaufen» füllen: Dynamische Fussarbeit, Körperstabilisation, Propriozeption, Abstoss und Armarbeit sind nur einige der Elemente, welche nun spezifisch für die Trail Running Technik unter die Lupe genommen werden. Dazu kommen weitere Elemente für das Bergauf- und Bergablaufen.

Als alpine Sportschule hat sich die Laufschule Scuol auf die Lauftechnik spezialisiert, insbesondere im Trail Running und im Berglaufen. Dynamisch und trotzdem kräftesparend zu laufen bietet nicht nur grösseren Genuss, sondern lässt auch einen spielerischen Umgang mit dem unwegsamen Untergrund zu. Ziel ist es, den Teilnehmern eine möglichst optimale Trail Running Technik zu vermitteln, d.h. sich ökonomisch, agil und gelenkschonend im Gelände zu bewegen. Daneben steht natürlich das Unterwegssein in der Berglandschaft ebenso im Vordergrund.

…und für drei Tage ab auf die Trails
Camp-Tag 1: Nach der technischen Einführung und den Übungssequenzen begeben wir uns auf die erste Lauftour, welche durch die Clemgia-Schlucht führt. Einige sticht der Hafer und ich muss bewusst auf die Bremse stehen. Drei Tage Trail Running bieten genügend Laufzeit und ein langsamer Beginn ist umso wichtiger. So legen sich auch die letzten Bedenken wegen Tempo und Anschluss zur Gruppe. Wir sind in ruhigem und stetigem Rhythmus unterwegs und legen immer wieder auch Pausen ein. Das im Trail-Rucksack mitgebrachte PicNic gibt auf dem Lai Nair neue Kraft und lässt die Landschaft innehaltend geniessen. Nach einem Abstecher ins Val Zuort und vorbei am Schloss Tarasp kehren wir zurück nach Scuol, um auf der Sonnenterrasse des Hotels unsere beanspruchten Muskeln zu stretchen und um beim Cappuccino übers Trail Running zu fachsimpeln. Oder um einfach die Seele baumeln zu lassen.

Camp-Tag 2: Einige Frühaufsteher und Nimmersatte starten mit mir etwas früher los, um rennend zum Ausgangspunkt der heutigen Trail-Tour zu gelangen. Diejenigen, die ein langsameres Aufwachen bevorzugen, folgen mit dem Bus. Die Route führt ins Val Plavna, ein wirklich noch ursprüngliches Tal mit wohlbehaltener Natur. Asco, der Bordercollie-Hund, ist mit von der Partie und freut sich über die schon bald zu überquerenden Schmelzwasserbäche, die er leichtfüssig überspringt oder eben gezielt trifft, um sich Abkühlung zu verschaffen. Wir haben koordinativ schon genug mit unseren zwei Beinen zu tun… Geschicktes Abspringen und Balancieren ist nun gefragt, ebenso wie eine agile Fussarbeit. Nach gut 1000 Höhenmetern haben wir die Hochebene erklommen, die uns an den noch schneebedeckten Bergübergang zum Ofenpass führt. Auf einer Alp geniessen wir das Panorama und machen uns nach einem kühl aufziehenden Wind wieder in Richtung Tal auf. Unten angekommen sind die Beine doch schon etwas müder, aber die Gesichter umso zufriedener.

Camp-Tag 3: Der letzte Tag dieses Camps führt uns hoch übers Haupttal auf die Alp Laret. Ein sich am Berghang entlang windender Trampelpfad ins nahe gelegene Val Tasna lässt uns nochmals auf die ganzen Trail Running-Kosten kommen. Wir laufen entlang blumenübersähter Alpwiesen, überqueren Bergbäche, atmen tief die glasklare Luft ein und haben noch nach der Rückkehr der 1500 Höhenmetern und einer guten Halbmarathondistanz das Tosen des Tasna-Wassers in den Ohren. So schön kann das Laufen in den Bergen sein!

A revair in Engiadina Bassa
Die drei Camptage sind voll mit wunderbaren, verschwitzten, anstrengenden, genussvollen und bleibenden Erlebnissen. Bald schon fahren die Züge in Richtung Zürich und weiter, die Flugzeuge heben nach Norddeutschland und Belgien ab, sowie der Fiat Cinquecento nach Bergamo kurvt.

Am nächsten Arbeitstag werden vielleicht im Büro einige der Teilnehmer den Gang zum Drucker mit leichtfüssigem Hüpfen zurücklegen. Denn nach dem Camp erreichen mich Rückmeldungen, dass teilweise akutes TRS («Trail Running Syndrom») ausgebrochen sei. Ich empfehle da als Linderung der Symptome Unterengadiner Bergluft und Trails – a revair!

Dieser TrailRunning-Blog wird ermöglicht durch Salomon Sports.

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Kommentare

Ein Kommentar zu “Alpine & Trail Running Camp”
Roland Breitenmoser 6.7.2009 10:04 Uhr

Hallo Fränzi

Es ist ein wunderbarer Bericht über eine junge Sportart, welche bei uns noch zuwenig bekannt ist. Seit ca. 3 Jahren betreibe ich Trailrunning und habe persönlich meine schönsten sportlichen Erlebnisse durchlebt. Zum Beispiel ein UTMB oder La Réunion sind unglaubliche Erlebnisse.
Dein Bericht über Dein Lager kommt wirklich gut an. Für alle Läufer kann ich ein Wechsel auf Trailrunning nur empfehlen. Die gewaltigen Naturerlebnisse in den Bergen können einen Flachmarathon, Städtemarathon oder sonst ein Lauf bei weitem übertreffen. Es reut mich, dass ich erst seit kurzem den Trail endteckt habe. Mein Trainingsgebiet ist das Wallis und hier kann man soviel erleben und endtecken. Zudem ist Trailrunning viel angenehmer zu trainieren und gesünder als die kurzen Strassenläufe!

Wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und freue mich auf Deine Berichte über das Trailrunning.

Mit sportlichem Gruss von einem fanatischen Trailer.

Roland Breitenmoser

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