Aletschlauf 2009 – der «perfect run» von Roland Breitenmoser

Redaktion FIT for LIFE

Für jeden Bergläufer ein Muss

Am Samstag 27. Juni 2009 ging die Reise gemütlich nach Brig, an den Aletsch-Halbmarathon. Das Wetter war sehr freundlich und meine Zeit erlaubte ein gemütliches Mittagessen und eine Altstadtbesichtigung. Die Bettmeralp kannte ich vom Training her nur als schlafendes Dorf. Doch an diesem Wochenende, an dem gegen 2000 Läuferinnen und Läufer erwartet wurden, herrschte reger Betrieb im ruhigen Dorf auf fast 2000 Metern. Gegen 15 Uhr stand ich vor der Pension Lusa. Mein geräumiges Studio erlaubte mir einen atemberaubenden Blick auf die Walliser Berge.

Und schon rief der nächste Termin auf dem Bettmerhorn. Eine kleine Laufgemeinde war vom Bahndirektor und Mitorganisator des Wettkampfes zum Apéro eingeladen. Eine sehr sympathische und intime Angelegenheit. Der Direktor erklärte uns in seinem schönen Walliserdialekt einige Zahlen zur Gondelbahn. Das Verhältnis der Gäste Winter / Sommer ist ca. 80 / 20 %. Die Bahn hat eine Kapazität von 2400 Personen / Std. mit 88 Kabinen und 8 Personengrösse. Auch sie muss laufend grosse Summen in Infrastruktur investieren, gehört aber zu den finanziell starken Unternehmen.

Sonntag, 7.00. Uhr, stahlblauer Himmel über dem Wallis. Ich entschloss, mit einem leichten Joging mein Wohlbefinden zu überprüfen. Schliesslich lief ich das Wochenende davor 75 km beim Défi du Val de Travers mit. Gemütlich trabte ich die ersten Kilometer durch den kühlen Wald. Die Alpenrosen begannen, zaghaft zu blühen. Zu erkennen waren auch die Alpengämskresse, Felsenleimkraut, bittere Schafgarbe, vereinzelnd auch noch Frühlingsenzian, dann natürlich meine Lieblingsblume, das Vergissmeinnicht. Es schien, dass das kleine und zierliche Vergissmeinnicht um seine Wirkung kämpfen muss ob all dieser Blumenpracht.

Etwas besorgt gingen meine Blicke zum Bettmerhorn hoch. Hier tobten noch die letzten dunklen Wolken um die Bergspitze. Immer wieder versuchte eine den Berg hoch zu schleichen, um sich an der Spitze festzusetzen. Die Anzeichen für Regen wären ja gegeben. Meine Uhr zeigte auf Regen und auch einige Kühe liegen am Boden, ein untrügliches Zeichen für Regen.

Nach meinem genussvollen Einlaufen verschob ich mich gegen das Startgelände. Hier traf ich einige mir bekannte Läufer, so reichte es zu einem gemütlichen Schwatz. Die Stimmung war locker und geschäftig. Nur der Speaker übertönte die sonntägliche Ruhe.

Endlich. Der Start. Zuerst die Jugend, dann Feld um Feld. Mein gelbes Feld beginnt sich gemächlich in Bewegung zu setzen um sich durch das Dorf zu zwängen. Viele Zuschauer und auch zufällige Wanderer wünschen uns Glück. Langsam lasse ich es angehen. Nach vier Kilometern läuft mein Feld bereits ins grüne Feld. Hier ist mein Gelände. Schmale Trailwege brauchen grösste Konzentration bei einer solchen Dichte von Sportlern. Es ist herrlich, Läuferinnen und Läufer kommen zurück. Die sehr gut eingerichteten Verpflegungen laufen nur so durch. Immer noch fühle ich mich gut und sehr motiviert schliesse ich mich einem jugendlichen Läufer an, welcher locker überholt.

Die Laufkolonne windet sich gegen die Riederalp. Ich verschwende keine Zeit, um auf das Dorf zu schauen und ziehe immer weiter. Es ist jetzt schon ziemlich heiss. Meine jugendliche Dampflokomotive hat jetzt mehr Dampf und zieht davon.

Nach ca. einer Stunde treffe ich bei der englischen Villa Cassel ein. Sie wurde zwischen 1900 und 1902 vom Londoner Bankier Ernest Cassel erbaut. Fast 20 Jahre diente sie dem finanzkräftigen Engländer als Sommersitz und war gleichzeitig Treffpunkt des englischen Hochadels. Nach 45 bewegten Jahren als «Hotel Villa Cassel» erwarb Pro Natura 1973 das Viktorianische Gebäude und eröffnete in ihm das erste Naturschutzzentrum der Schweiz.

Es läuft perfekt. Im Aletschwald ab Kilometer 10 – 15 ist ein Überholen unmöglich. So stelle ich mich geduldig in die zähfliessende und schnaubende Schlange. Geniesse die Aussicht in die Tiefe, sowie auf die gegenüberliegenden Berge. Hier ist es angenehm kühl und waldig. Welch eine angenehme Abwechslung, sicher der schönste Streckenabschnitt. Endlich treten wir aus dem Wald, um an der Hinterseite der Villa Cassel nochmals vorbeizuziehen, dann wird der Laufweg wieder breiter.

Zur Moosfluh hole ich meine junge Zugmaschine wieder ein, sie dampft nicht mehr so stark, darum lasse ich sie gleich stehen. Bis ins Ziel begegnen wir einander nicht mehr. Hier wäre eigentlich ein Stopp obligatorisch, um die grandiose Aussicht auf den Aletschgletscher zu geniessen. Die laufende Uhr lässt aber nur ein paar Blicke zu. Eigentlich unwürdig für dieses einmalige Unesco-Weltnaturerbe. So, noch zwei Kilometer. Auf diesen Anstieg bin ich im Kopf vorbereitet. Das Ziel ist zum Greifen nahe, aber eben hoch oben. Mit grossen Schritten, steinharten Waden und einer Lunge, welche jeden Moment explodieren will, zieht es mich Richtung Bergstation. Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden überholt. Noch eine erlösende Verpflegung, welche den glühenden Atem etwas abkühlen kann. Mit einem 23-jährigen deutschen Gast laufe ich um die Wette. Die Jugend ist im Kopf noch etwas härter, so zieht er vor dem Ziel davon wie von einer Biene gestochen.

Herrlich dieser Zieleinlauf. Viele Zuschauer feuern mich an, als ob gerade der Sieger einlaufen würde, (der stand vermutlich schon unter der Dusche). Überglücklich stellte ich meine Zeit von 2:38. fest. Nicht ganz meine erwartete Zeit. Aber was spielt dies für eine Rolle? Dieser Lauf ist so überwältigend, so eindrücklich, so gewaltig von der Aussicht, so anstrengend, dass es für jeden Bergläufer ein Muss bedeutet, hier an den Start zu gehen.

Sofort mache ich mich hinter die grosszügige Verpflegungsausgabe, dabei konnte ich den Bahndirektor beim Arbeiten wieder antreffen. Ein herzlicher Dank an die perfekte Organisation. Ein Dankeschön an das sympathische junge Adidas-Team, welches uns rührend betreut hat. Es war rundum dem Slogan von Adidas entsprechend ein «perfect run».

Roland Breitenmoser ist einer der Gewinner von «Your perfect Run». Im Rahmen der Aktion «Your perfect Run» verloste FIT for LIFE in einer Zusammenarbeit mit Adidas fünf Gratisstartplätze für den Aletsch-Halbmarathon vom 28. Juni 2009, inkl. einer Hotelübernachtung in der Aletschregion für eine Person.

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