Ultra Trail Trans Aquitain – Tag 3
Michael Kunst
Hört das denn nie auf?
Obwohl wir schon die ganze Zeit während des Trans Aq in relativer Nähe zum Ozean waren, prägte doch die letzte Nacht ein für Mitteleuropäer eher ungewohntes Geräusch: Das Klatschen und Rauschen der Wellen, die sich auf dem Strand, hinter den Dünen, ein paar Hundert Meter neben dem Camp brachen. Ausserdem nutzten einige Läufer den lauen Abend und gingen für ein paar Stunden rüber zum Atlantik, vielleicht, um sich mental ein wenig auf den kommenden Tag einzustimmen. Denn der sollte nicht nur mit 58 Kilometern die längste Strecke dieses Rennens bringen, sondern zudem einen langen Streckenabschnitt direkt am Strand als besondere Aufgabe bereit halten. Unnötig zu erwähnen, dass der aquitanische Atlantikstrand aus Sand, Sand und nochmals Sand besteht, und ebenso so selbstverständlich ist es, dass der Weg dorthin ebenfalls aus Sand besteht.
Entsprechend vorsichtig gingen (im wahrsten Sinne des Wortes) fast alle diese Etappe an: Keiner, der respektlos die ersten Kilometer bolzte, sondern eher zurückhaltendes Herantasten an die Tagesform war angesagt. Start erst um 8.30 Uhr, so dass jeder möglichst lange von der lauen Wärme (27-30 Grad) dieses Junitages profitieren konnte. Die ersten zehn Läufer sollten die gesamte Etappe über bis auf einige wenige «Heartbreaker» in den Dünen laufend bzw. trabend unterwegs sein, während das Gros eine gesunde Mischung aus strammem Marsch und lockerem Trab absolvierte – ganz hinten schleppte man und frau sich freilich schon von den ersten Kilometern an über den gesamten Tagesparcours.

Traditionell sind die dritten Etappen in den Ultraläufen so ausgelegt, dass sie die Spreu vom Weizen trennen. So auch bei diesem Trans Aq: 17 Aufgaben an diesem einen Tag sprechen für sich und bedürfen keines Kommentars. Doch wie immer bei diesen Gelegenheiten, wuchsen auch viele Läuferinnen und Läufer, denen nach der gestrigen Etappe eigentlich kaum noch jemand zutraute, überhaupt noch bis zur Startlinie zu kommen, über sich hinaus – gerade die älteren, erfahreneren Ultraläufer unter den Startern konnten auf dieser Distanz ihr Know-How ausspielen.
Die Etappensieger brauchten knappe 6 Stunden für diesen Tag – immerhin ein durchschnitt von 10 km/h auf dieser Strecke. Die meisten anderen waren etwa 7 – 9, 5 Stunden unterwegs, und ca. 30 Starter nahmen sich zwischen 10 und 12 Stunden Zeit für ihren ganz persönlichen Spagat zwischen Inferno und Nirvana. Vergleichbar diversifiziert fielen dann auch die Kommentare der Läuferinnen und Läufer aus, als sie nach den letzten Strandkilometern, nach einem nicht enden wollenden Trott entlang des Atlantiks, unter dem Zielbogen eintorkelten- von «der schlimmste Tag in meinem Leben» über «ich könnte eigentlich noch weiter» bis «c’est la mecque des coureurs» (das Mekka der Läufer) war alles dabei.
Am Abend, als in dem idyllischen Camp unten am Strand, mit Blick auf die gigantische Düne Pyla, (mit 110 m Europas höchste, übrigens, und am Freitag Mittelpunkt der Nachtetappe!), als also an diesem Abend die Resultate und vorläufigen Gesamtclassements ausgehängt wurden, hätten Schweizer Fans, wenn sie denn dagewesen wären, allen Grund zur Freude gehabt: Das Ehepaar Ruth und Pierre-André Maillard aus der «Suisse Romande» liegt beim männlichen und weiblichen Classement nahe an der Spitze. Und machen beide den Eindruck, als wollten sie die diese Konstellation bis zur letzten Minute des Rennens beibehalten. 12 h 30 war der Koch Pierre-André Maillard bisher auf den 3 Etappen unterwegs, seine Frau Ruth brauchte 16 h 54.
Es bleibt also spannend, nicht nur wegen der schweizerischen Familientriumphe: Von Donnerstag auf Freitag folgt eine Nachtetappe über 39 km, dann eine Tagesetappe (ja, ja, auch am Freitag, gleich morgens!) über 20 km und schliesslich die abschliessende Samstagsetappe 28 km. Uff!

Michael Kunst bloggt täglich vom Trans Aq, einem Langstreckenlauf in 6 Etappen und 6 Tagen über gesamt 240 Kilometer, der durch die französische Region Aquitaine führt.
Schlagworte: TrailRunning, Ultralauf








Infos und Tipps zur Trainingsgestaltung, eine Agenda inkl. Trainings-Protokoll, Wochen-Pläne, Wettkampf-Auswertung und vieles mehr! Das FIT for LIFE-Trainings-Tagebuch gibts gratis gegen ein frankiertes Rückantwort-Couvert (Frankatur: Fr. 1.10) bei: FIT for LIFE, Trainingstagebuch, Neumattstrasse 1, 5001 Aarau.