Sportlerinnen sind auch nur Sportler
Claude «Moser» Ramme
Eine Verteidigung der sprachlich neutralen Form des Sportlers
Ich schreibe über Sport. Das ist alles, was ich kann. Ich habe mich nie auseinandergesetzt mit den unsäglichen Niederungen des Lebens, sondern mich bloss Tag und Nacht beschäftigt mit den Sohlen von Joggingschuhen, mit koordinativen Fähigkeiten im Schwimmen, mit dem Arm von Michael Phelps, mit Sattelstützen und Bremsbelägen.
Das darf mit Fug und Recht als Ablenkungsmanöver interpretiert werden, als eine Art Flucht. Aber jetzt hat mich die Realität eingeholt. Nicht die hohle Politik, die verwerfliche Finanzwelt, der stupide Gesellschaftsklatsch oder ähnliches. Nein, ein Problem, wie es sich überall, wo geschrieben wird, in den Weg stellt.

Ich wurde darauf hingewiesen, dass es nicht nur Sportler gibt, sondern auch Sportlerinnen. Ich geb’s zu, ich alter Sack habe das Problem nicht erkannt, und jetzt, wo ich es sehe, weiss ich nicht so recht, wie damit umgehen.
Zu meiner Verteidigung sei mir die Bemerkung gestattet: ich habe schon registriert, dass es auch Sportlerinnen gibt. Ich gehöre zu den Chauvischweinen, die Sportlerinnen wirklich gern zusehen. Beim Tennis sind es zahllose russische Spielerinnen sowie Ana Ivanovic. Da tanzt der Bär in mir. Wenn die kroatische Hochspringerin Blanka Vlasic über den Tartan schwebt, bleibe ich gebannt stundenlang sitzen, lasse meinen Tränen freien Lauf und, hear hear, ich weiss sogar ihre Leistung zu würdigen – wohingegen ich männliche Hochspringer einfach nur todlangweilig finde. Wenn die russische Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa sich in Wolkenhöhen zaubert, bleibt mir der Atem weg – ich musste derowegen schon mehrmals wiederbelebt werden.
Sogar Triathlon, eine nicht wirklich telegene Angelegenheit, finde ich spannend. Jahrelang starrte ich stundenlang in die Kiste, wenn Paula Newby-Fraser die Männer stehen liess. Danach wurde ich zum stillen Bewunderer von Natascha Badmann. Ich liebe Nicola Spirig, finde Daniela Ryf grossartig, Magali Di Marco-Messmer und auch Brigitte McMahon (was man in diesem Land leider kaum laut sagen darf) gehören zu meinen Heldinnen.
Und ich merke gerade selbst, dass es daneben ist, hier von Sportlern zu sprechen. Das sind alles grosse Sportlerinnen. Jetzt ist mir genau das nicht gelungen, wozu ich eigentlich angetreten bin. Nämlich die Verteidigung der sprachlich neutralen Form des Sportlers, worin ich beide Geschlechter vereint sehen wollte. Daher: Asche auf mein Haupt. Ich werde fortan von Sportlerinnen reden und über Sportlerinnen schreiben.
Schlagworte: Mosers Mission












