Nur berühmte Schwimmtrainer dürfen Seegurken verteilen!
Claude «Moser» Ramme
Über Seegurken
Wenn ich so am Beckenrand stehe und meine Athletinnen und Athleten beobachte, tauchen mitunter Fragen auf, die so gar nichts mit Schwimmen zu tun haben. Naja, gar nichts nicht, am Schluss geht es immer um die Sache (wie bei Zappa, Sie erinnern sich). Also ums Schwimmen. Respektive darum, wie die Bewegungen ausgeführt, wie die Züge vollzogen werden.
Ich druckse rum, ich weiss. Genau wie dort, am Beckenrand.
Wie sage ich jemandem, dass er oder sie im Wasser liegt wie eine Seegurke? Darf ich einer Schwimmerin sagen: «Wer so viel verdrängt, gehört zum Psychoanalytiker.»? Oder: «Sogar ein Hund mit drei Beinen hebt die Beine höher als du.»
Wie beleidige ich jemanden, ohne sie oder ihn zu beleidigen?
Um nochmals die Seegurke zu bemühen – es ist ein Bild, das sich alle vorstellen können. Jede und jeder Erwachsene weiss, wie sich eine solche fortbewegt. Daher ist es eigentlich eine passende Metapher. Wenn ich dagegen sage, du ziehst die Arme zehn Zentimeter zu wenig weit nach vorne, die Rotation beträgt statt 80° nur 35° und der Eintauchwinkel der Hand ist zu steil, dann weiss die Zielperson zwar de facto, dass sie vieles falsch macht, aber sonst nichts. Ich klinge wie eine technische Betriebsanleitung fürs Handy, die niemand liest, weil Bahnhof. Doch dieser Grat zwischen wertneutraler Beurteilung und provokativer Motivation gerät gern mal zur Absturzstelle.
Mich beschäftigt diese Frage schon seit geraumer Zeit, und so stellte ich sie im letzten November in einem Seminar zu sozialer Kompetenz. Genauer: Ich brachte das Beispiel mit der Seegurke. Die Antwort kam postwendend. Eine Teilnehmerin befand, sie fände das «voll Scheisse», was ich da sage. Es entspann sich natürlich eine lebhafte Diskussion, die hier gar nicht weiter vertieft sein will. (Wenn Sie’s doch wollen, dann schreiben Sie mir.) Was niemand wusste. In Tat und Wahrheit hatte ich bis dato – und bis heute – noch niemanden jemals so angepflaumt.
Doch neulich wurde mir folgendes von einer Kollegin zugetragen – sie war im Trainingslager irgendwo im Süden: Der Schwimmtrainer versuchte die Leute mit blöden und mitunter verletzenden Sprüchen zu motivieren. Da dachte ich, wenn ich den Leuten so komme, würde ich vermutlich sofort den Job verlieren. Wenn das aber ein bekannter Trainer macht, ist das in Ordnung.
Vielleicht muss ich nur berühmt werden. Dann darf ich endlich Seegurken verteilen.
Schlagworte: Mosers Mission, Schwimmen, Training













Also ich finde daß ein Trainer das durchaus darf. Macht mein Trainer auch. Aber auf die Seegurke ist er nich nicht gekommen
Man darf das nicht so eng sehen, schließlich gehen wir alle freiwillig ins Training und wollen doch schlußendlich was beigebracht bekommen und wollen uns auch ab und an etwas schinden, oder? Deshalb sei dem Trainer auch ab und zu ein flotter Spruch gegönnt finde ich.