Trail Running in Griechenland
Fränzi Gissler
Lauflust in spektakulärer Landschaft
Die intensive Sonnenstrahlung des Unterengadiner Himmels lassen die Schneefelder nach dem langen und strengen Winter endlich aufbrechen. Im April neigt sich die Wintersaison in Scuol definitiv dem Ende zu, aber der Frühling lässt wegen der Höhenlage auf sich warten. Deshalb beschliessen Lukas und ich gegen Süden zu fahren. Ziel war das Pindos-Gebirge in Nord-Griechenland. Mit TrailRunning-Touren wollen wir im Frühling des Mittelmeerklimas eine neue Region kennenlernen.
Nach einer sechs stündigen Autofahrt kommen wir in Ancona an, um dort die Fähre zu besteigen, die uns zum Ausgangspunkt nach Igoumenitsa auf dem griechischem Festland bringen soll. Da wir noch eine Stunde Zeit bis zum Verladen haben, ziehen wir rasch unsere Laufkleider und -schuhe an und drehen noch eine Laufrunde zu einem nahe gelegenen Aussichtshügel in Ancona.

Was für eine Wohltat, nach dem langen Sitzen endlich wieder die Beine zu bewegen! Ein weiterer Genuss ist ebenso der Wechsel aus den Wintertights in die kurzen Sommer-Laufhosen. Durch die italienischen Gassen laufend merken wir wieder, wie Town-Running so ganz anders ist: Es riecht in der Nachmittagssonne nach Pflasterstein, ein wenig nach Fisch und nach Vespa-Abgasen. Wir entdecken einen kleinen waldigen Anstieg, der uns auf Trails zum Aussichtspunkt führt. Eine alte Stadtbefestigung lässt sich dort per pedes leichtfüssig erkunden, bevor wir uns doch noch sputen müssen, um rechtzeitig wieder bei der Fähre zu sein. Dieses kurze Lauferlebnis macht Lust auf mehr, um unbekannte Trails und Landschaften in unserer Zieldestination Griechenland zu entdecken – ein spannender Mix aus TrailRunning, Outdoorleben, Landschaftsgenuss, Kultur und Abenteuer.
In Igoumenitsa angekommen fahren wir noch zwei Stunden nordöstlich in Richtung Timfi-Gebirge. Die griechische Karte sieht nett und farbig aus, lässt aber ahnen, dass diese nicht von allzu detaillierter Kartierung her stammt. Griechen sind keine grossen Wanderer und das Wegnetz daher eher unbeschrieben. Viel Improvisation wird gefragt sein, um Laufwege zu finden. Unseren ersten längeren TrailRun planen wir im Vicos-Canyon.

Ein 25km langer Trail führt entlang der Schlucht, ganz nahe am glasklaren Vicos-Fluss. In unserem Rucksack haben Lukas und ich das Nötigste dabei: Fleece, Regenjacke, Zwischenverpflegung, Camelbag und eine kleine Apotheke für alle Fälle. Auf dem felsigen Weg runter in die Schlucht bewegt sich plötzlich eine kleine Schlange blitzschnell ins Gebüsch. Der kleine Schreckensmoment lässt nach, aber es sollte nicht die letzte tierische Begegnung hier in Griechenland gewesen sein. Der Trail erweist sich vom Gelände her als enorm abwechslungsreich und verlangt viel koordinative Fussarbeit, ist aber herrlich zu laufen. Nach unserer Rückkehr essen wir in einem winzigen griechischen Bergrestaurant, das nicht mehr als drei wackelige Tische zählt und studieren die Karte für weitere TrailRuns. Abends fallen wir todmüde, aber schon um einige Eindrücke reicher, auf die Isomatten in unserem Bus.
Den Eingang zum Hades entdeckt
In den nächsten Tagen entdecken Lukas und ich noch weitere Landes-Schönheiten: Steile, sich windende Trails zu den Meteora-Klöstern, welche mystisch verteilt auf verschiedenen Felskuppen stehen und von orthodoxen Mönchen in schwindelerregender Weise erbaut wurden und immer noch bewohnt sind. Abgesehen von den Strassen und den Kloster-Besuchern tagsüber scheint die Zeit stehen geblieben zu sein und wir kommen uns in unserem TrailRunning-Outfit fast wie von einem anderen Stern vor. Die Wege sind nicht immer nur einfach und wir müssen uns im steilen Gelände auf den schmalen Trails und zwischen den imposanten Felsen durch die Büsche schlagen. Ein absolut weiteres TrailRunning-Highlight ist die Acheron-Schlucht. Wir sind erstaunt, dort einen Trail zu finden, welcher dem wuchtigen Felseinschnitt entlang in die Schlucht führt. Urplötzlich stehen wir vor einem klammartigen Felsspalt. Uns wird klar, dass es sich hier tatsächlich um den in unseren Büchern mythologisch umschriebenen Hades, das Tor zu Unterwelt, handelt. Dahinter befinden sich Platanenwälder, azurblaues Wasser mit Forellen – das Paradies ist wahrscheinlich nicht schöner und lässt vielleicht erklären, warum hier die Toten in den griechischen Sagen nicht mehr zurückkehren wollten.
Lukas und ich verbringen noch ein paar weitere Tage im gebirgigen Nordwesten und geniessen die Freiheit und Ungebundenheit des Laufens in der Natur. TrailRunning verbindet hier in Griechenland Bewegung, Naturerlebnis und Kultur-Sightseeing in einem. Es ist sicherlich ein wenig Anpassungsfähigkeit und Abendteuergeist gefragt, aber mit der nötigen Planung und Einschätzung vor Ort ist es ein ganz besonderes Lauferlebnis. Kurz vor unserer Rückreise ins Engadin haben wir noch einmal eine nicht alltägliche Begegnung, die aber auch in naher Zukunft wieder bei uns zuhause möglich sein könnte: Nach einer weiteren Rückkehr von einem TrailRun zu unserem Bus entdecken wir dort ganz frische Bärenspuren. Der Bär lässt sich zwar nicht mehr blicken, wir realisieren aber nochmals, wie pur, intensiv und ursprünglich Griechenland noch ist. Wir machen uns auf die Heimkehr zurück in die Schweiz und sind dort bereit für neue TrailRunning-Abenteuer.
Ich werde davon hören lassen!

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Schlagworte: TrailRunning









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