Thömus Osterblog aus Giverola
Thömu Wyss«Chicks» und andere Hühner auf dem Rennvelo
Da die Postzustellung aus der Schweiz wohl ähnlich organisiert ist das Internet (niemand hat von irgendwas auch nur die entfernteste Ahnung), schreibe ich keinen Osterblog, da dieser wohl erst an Pfingsten aufgeschaltet werden würde. Nein, denn dann müsste ich ja erwähnen, was in meinem Osternestli ist. Nicht das, was ihr euch jetzt erhofft, Ihr Ferkel! Aber in der Tat gibt es schon ein paar «Chicks», die legen zwar keine Eier, aber sonst was/wen flach. Tja, und apropos Eier.
Das Wichtigste am Rennvelo sind nicht in etwa die teuren Aero-Felgen, sondern der Sattel. Das gilt für Männlein wie Weiblein. Ansonsten wird so ein Tag im Sattel ein Graus, und manch einer hat vom Hin- und Hergehopple auf dem Sattel am Abend Sitzbeschwerden und einen roten Allerwertesten, der aussieht wie ein Pavian. Dafür gibt es ja auch eine Abhilfe in Form von Sitzcrème, und ich bin bis jetzt sprichwörtlich sehr gut damit gefahren.
Es soll jedoch auch schon vorgekommen sein, dass in der hitzigen Vorbereitungszeit zu einer Königsetappe ein Radler noch schnell ins Zimmer zurückspurtete, um seinen Hintern mit der wohltuenden Salbe einzubalsamieren. In der Hitze des Gefechts wurde die Sitzcreme jedoch mit der Tube für die Handwäsche verwechselt. Ihr könnt Euch ja das Gefluche selber ausdenken. Und wie sagte doch früher die Waschmittelwerbung: «Mit em OMO-Schümli putzt mis Mammi s‘Pflümli.»
So, fertig Seich erzählt, die Tour beginnt. Als Guide hat man ja sehr selten die angenehme Möglichkeit, sich hinten im Feld einzuordnen und den Mitreisenden beim Pedalen zuzusehen. Zum Glück, sage ich da nur, denn was man sonst dort zu sehen kriegt, grenzt manchmal schon an ein Verbrechen. Da wird geschaltet auf Teufel komm raus und zwar unter Volldruck, tja, auch diese Zähne müssen geputzt sein. Aber es gebe auch eine sanftere Version, die Gänge zu wechseln. Der eine drückt in die Pedale wie ein «Muni», und ich bin mir oft nicht sicher, ob das Knacken vom Tretlager oder doch von den Kniescheiben kommt. Dafür hat er solch dicke, muskelbepackte Wädli, dass diese bei jeder jeder Pedalumdrehung den Bidonhalter streifen. Die Spezies der Bidon-Fahrer, also diejenigen, die ein solches Bidon (lies «Ranzen») haben, dass dieser das Oberrohr berührt, gibt es in Giverola praktisch keine, zum Glück.
Am Schönsten ist es natürlich, wenn mann das Hinterrad von einer rassigen Frau «nimmt». Um möglichst viel vom Windschatten zu profitieren, wird so nahe ans Hinterrad des «Radlmausis» aufgeschlossen, dass sogar die Zähne am Reissverschluss des Satteltäschlis gezählt werden können. Aber das sind Einzelfälle; nicht die knackigen Radlerinnen, sondern die «Aufgeschlossenen». Also immer auf (Sicht)-Kontakt bleiben!
Wo wir ja schon beim Gruppenfahren sind, möchte ich nochmals ein paar Worte zu einer besonderen Art von «Gümmeler» verlieren. Der «Brägel». Was, Du kennst ihn nicht?! Der Brägel ist der Inbegriff des Gümmelers. Im deutschen Veloheftli «tour» hat er sogar eine eigene Kolumne, sehr lesenswert. Aber eben, auch wir Schweizer haben unsere Brägels. Er ist jener Fahrer in der Gruppe, der immer alles besser weiss. Ich fahre zum Beispiel in ein Städtchen, das ich seit ewig und einem Tag kenne, und der Brägel meint, wieso ich nicht vorhin nichts rechts abgebogen wäre, das wäre doch eine Abkürzung. Dass die vermeintliche Abkürzung aber diese Saison vor lauter Bauschutt kaum fahrbar ist, sage ich ja nicht. Der Guide ist ja kein Besserwisser, ich bin ja kein Brägel.
Im Stadtverkehr überholt der Brägel mich, drängelt an den Autos vorbei, bis er von einem abbiegenden Auto rechts abbiegt. Endstation Strassengraben für unseren «Lappi», und ich kann mir ein verhaltenes Smile nicht verkneifen. Weiteres Beispiel von unserem Velo-Cowboy gefällig? Wir fahren an eine Ampel, und man muss wissen: in Spanien sind die Ampeln immer rot. Brägel versucht im Stillstand zu stehen und will partout nicht aus den Clickpedalen raus. Er weiss nicht, dass jede Ampel in Spanien videoüberwacht wird, und der Operator in der Zentrale erst auf grün schaltet, wenn auch der letzte der Brägels ausgeclickt hat.
Brägel beansprucht auch immer uneigennützig die erste Position hinter dem Guide. Aber leider fährt der Depp immer seitlich links versetzt, sodass A) ich Mühe habe, Löcher in der Strasse zu umfahren und B) niemand vom Windschatten profitieren kann. Auch will er ständig führen, und wenn ich ihn dann endlich mal lasse, dann gibt er einen solchen Druck in die Pedale, wie wenn das Peloton der Tour de France auf die Champs-Elysées einbiegt. Brägel fährt gerne in der Gruppe, da er sonst immer alleine unterwegs ist und die Strecke ja auch nicht kennt. Aber er ist auch der Erste, der sich erkundigt, ob wir auch tatsächlich die Originalstrecke gefahren wären, da er «nur» 178 km auf dem Tacho hat, ausgeschrieben wäre doch die Tour mit 180 km. Tja, ich könnte euch noch Tausend solche «Müschterli» erzählen. Wie erkennt man denn den Brägel, wenn er nicht auf dem Velo sitzt? Er ist derjenige, der am Abendbuffet immer noch das Velotrikot trägt. Gell, jetzt weisst du, wer Brägel ist.













Hey Du “Anti-Brägeli” !
Wir haben einige Anmerkungen zu Deinem Blog:
- Du schreibst ja gar nichts über das Wetter in Spanien?!
- Du reduzierst die Bikerinnen auf Ihren Hintern (Kommentar von Nicole)!
Nun sind wir gespannt auf Deine weiteren Erlebnisse und Blogs!
Tschüss!
Nicole & Andy