100 km von Biel – der «perfect run» von Andreas Ruefer
Redaktion FIT for LIFE
40% Kondition, 60% im Kopf – so gehts durch die Nacht
Grundsätzlich war ich früher nie ein grosser Läufer. Trotzdem gab es in unserer Region immer diesen speziellen Anlass, der jedes Mal die ganze Familie ansteckte. Der 100 Kilometerlauf von Biel, schlicht der «Bieler 100er». Da der Lauf immer um zehn Uhr abends startet, haben wir jeweils den Start geschaut, sind dann nach Hause gegangen, um dann um halb drei Uhr nachts wieder aufzustehen und die ersten Läufer zu bejubeln. Später am Tag sind wir nochmals an die Strecke gegangen, um die etwas langsameren Läufer für die letzten 20 Kilometer zu ermutigen. Zu diesem Zeitpunkt war für mich klar: einmal musst du diesen Lauf machen! Also fing ich acht Monate vor dem Lauf mit dem Training an. Da ich bis dahin noch keinen einzigen Lauf gemacht habe, wusste ich auch nicht genau, was auf mich zukommt.
8 Monate später
Es ist 21:35 h, die Läufer machen sich langsam zum Start bereit, total sind es ca. 4500 Läufer gewesen sein, welche das Unterfangen in Angriff genommen haben. Dann kommt der grosse Augenblick, der Sprecher zählt von Zehn runter «3…2…1…Start! Ich wünsche allen Läufern eine gute Nacht und bis morgen in Biel». Erst geht es durch die Innenstadt von Biel, wo tausende Leute einen anfeuern. Dann kommt das Dunkle der Nacht. Viele Wege führen über Wiesen und durch Wälder, eine Taschenlampe ist schon fast ein Muss.
Nach 1,5 Stunden erreiche ich Aarberg. Dal alte Städtchen und die alte Holzbrücke haben etwas Magisches. Nach einer Stunde im Niemandsland wird man frenetisch von den vielen Zuschauern empfangen. Es sollte aber die letzte grosse Menschenansammlung für längere Zeit gewesen sein, denn schon bald geht es bereits wieder raus in die unbefleckte Natur. Obwohl: Immer wieder trifft man auch am morgens um 3 Uhr Leute an, welche mit dem Liegestuhl an der Strecke stehen und die Läufer anfeuern. Das ist ein sehr schönes Gefühl.
Es ist 03:30 h und ich erreiche die 50-km-Marke. «Jetzt fängt der 100er erst an» spasst ein älterer Herr und er sollte Recht behalten. Es folgte der berühmtberüchtigte «Ho-chi-ming»-Pfad dem Emmendamm entlang. Der Pfad ist mit Gras überdeckt und ständig sind Wurzeln im Weg, die das Joggen sehr erschweren. Dann nach ca. 10 Kilometer ist der Pfad geschafft und mein erstes Teilziel erreicht, ohne Verletzungen durch den «Ho-chi-ming!» Langsam wird es Tag. Die Vögel zwitschern und man erwärmt sich an der Morgensonne, da es in der Nacht doch recht kalt geworden ist. Trotzdem werden die Beine immer schwerer und man hat zeitweise das Gefühl, still zu stehen. Jetzt wird der 100er entschieden, nämlich im Kopf. Schon im Vorfeld hatten mir dies alte «100-er-Hasen» prophezeit und gesagt: 40% Kondition, 60% im Kopf.
«Ich bin der Grösste!»
Es ist mittlerweile 9 Uhr morgens und ich kann die Kilometer 90 Tafel sehen. Noch nie erlebte Emotionen steigen in mir auf, so dass ich fast in den Tränen ausbreche. Auch auf den kommenden Kilometertafeln immer das gleiche Bild. Jetzt wusste ich: Ich schaffe es und ich bin der Grösste! Dann der Kilometer 99. Ich glaube, es ist das Objekt, welches am meisten in Biel photographiert wurde, dennoch musste ich auch ein Photo davon haben. Nun ging es in die Zielgerade, wieder klatschten mir hunderte von Leuten zu. Auch wenn ich kaum mehr stehen konnte, wollte ich ins Ziel rennen. Dann endlich, nach 13 Stunden sah ich das Ziel und meine Familie und Freunde, welche mich die ganze Nacht unterstützt haben. Geschafft!
Ich habe schon viele Sachen in meinem Leben gemacht, doch kein anderes Erlebnis hat mich mehr geprägt als die 100 Kilometer von Biel. Auch wenn ich die nächsten Tage kaum gehen konnte, stand schon nach kurzer Zeit fest: Einmal machen wir ihn noch.

Im Rahmen der Aktion «Your perfect Run» verloste FIT for LIFE in einer Zusammenarbeit mit Adidas fünf Gratisstartplätze für den Aletsch-Halbmarathon vom 28. Juni 2009, inkl. einer Hotelübernachtung in der Aletschregion für eine Person. Gesucht wurden Schilderungen vom schönsten Lauferlebnis, um an der Verlosung teilzunehmen. Die besten Texte werden in diesem Blog veröffentlicht.









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