Debüt am GP-Bern oder der «perfect run» von Barbara Wehrli
Redaktion FIT for LIFE
Der Weg ist das Ziel!
Unglaubliches Staunen war jeweils die Reaktion bei meinen Läuferkollegen, wenn ich erwähnte, ich wäre noch nie am GP von Bern gewesen. Und das nach 22 Jahren im Laufzirkus, mit Wettkämpfen fast rund um den Globus. Immer wieder hörte ich von diesem «Grand Prix», dachte, das wäre auch noch ein hochgegriffener Name, der eigentlich in den Automobilsport gehörte. Und dann noch der Zusatz «die schönsten 10 Meilen der Welt», ob diese Berner keine Angeber sind? Irgendwann wollte ich es herausfinden. Die Jahre vergingen. Ich sah in den Zeitungen und am Fernsehen die Bilder von schwitzenden Leuten und verschob mein Debüt um ein weiteres Mal. Der Lauf in unserer Hauptstadt scheint ein Hitzelauf zu sein: grosses Leiden vor schöner Kulisse.
2008 dann fasste ich endlich der Entschluss, am GP teilzunehmen. Vielleicht hatte ich ja mit dem Wetter Glück und es wird angenehm kühl? Wunschdenken – es sollte ganz anders werden. Doch der Reihe nach: kurz vor Mittag traf ich meine Freundinnen Anny (auch sie ein GP-Rookie) und Elisabeth (Rookie heisst nur ihr Labrador!) am Bahnhof Adliswil. Es hatte sich schon ein Grüppchen von «alten» Hasen von unserem Sportclub SSC eingefunden.
Thema Nummer eins war natürlich das sommerlich warme Wetter. Langsam angehen und viel Trinken war angesagt, wer weiss das schon nicht? Aber eben: etwas wissen und dann umsetzen können, sind zwei verschiedene Dinge. In Zürich trafen wir auf die ganze Gruppe. Die Fahrt nach Bern war kurzweilig. Mit Gleichgesinnten gibt es immer etwas zu Schwatzen. Unter uns war auch die erfahrenste Läuferin vom SSC, Helga, 80-jährig. Sie hatte vom Veranstalter einen Gratisstart bekommen.
In Bern war es fast noch heisser wie in Zürich. Zumindest kam es uns so vor, als wir den klimatisierten Zug Richtung Startgelände verliessen. Wir flüchteten ins Zelt, besuchten die Expo, holten unsere Nummern und trafen alte Bekannte. Dann schauten wir auf der Allmend den vielen Joggern beim Einlaufen zu. Was für ein schönes Bild; ein Tatzelwurm zog sich ums Gelände, wo gibt es denn sonst so was?
Bald war der Start der Elite. Wir drückten die Daumen für «unseren» Viktor. Auch wir begaben uns in unsere Startblöcke. Verabschiedung von Anny und Elisabeth. Ich hatte mir eine realistische Zielsetzung von 1:40 gesetzt. Der Startschuss für Block 20 fiel: Zusammen mit Claudia und Paul Gisler ging’s los. Ich hatte den festen Vorsatz «der Weg ist das Ziel», wollte die Umgebung wahrnehmen, soviel wie möglich geniessen. Ein wassergetränktes Bärenschwämmli hielt ich in der Hand. Auch das war ein Novum.
Schon nach wenigen Kilometern wurden wir lautstark unterstützt. Was für eine Stimmung! Ganz laut wurde es, als uns Viktor Röthlin in der Altstadt entgegen kam. Ich lief einige Kilometer Seite an Seite mit der Pacemakerin für die 1:40. Wir erreichten das Dählhölzli. Endlich etwas Schatten. Ich wurde richtig euphorisch, wollte das Tempo verschärfen. Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Wegen meiner stark getönten Sonnenbrille hatte ich eine Wurzel übersehen und lag plötzlich am Boden. Dank helfenden Händen kam ich schnell wieder auf die Beine. Der Startnummerngurt war gerissen, Knie und Hosen dreckig, nur nicht runterschauen!
Kurz vor dem Bundeshaus entdeckte ich ein SSC Leibchen und schloss zu Elisabeth auf. Über den Bundeshausplatz liefen wir gemeinsam auf einem grünen Rasenteppich, die Fussball-EM 08 lässt grüssen!
Immer noch war ich im Zeitplan, wohlwissend, dass der Aargauerstalden (cf. Infos zur Strecke GP-Bern) noch vor mir lag. Entlang der Laufstrecke gab es 13 Bands, die mit ihren Rhythmen für Unterstützung sorgten. Von peruanischer Volksmusik, über Samba, Jazz, Funk, Blues, Mundart-Rock, Guggenmusik und Steelband war alles zu hören. Auch hatten Zuschauer CD-Players mit Riesenlautsprechern aufgestellt. Ich hatte meine persönliche Musik dabei, und als ich bei km 14 vor dem grossen Aufstieg ankam, lief zufällig Gölä neuer Song «D’Stadt».
Perfektes Timing, der Refrain in breitem Berndeutsch lautet nämlich «no chli bissä und dänn längts dänn scho». Genauso war es! Ich meisterte den letzten Stutz einigermassen, musste wenigstens nicht marschieren. Noch 500 Meter. Ich bekam Flügel und den Wunsch, die angepeilten 1h40 um ein Weniges zu unterbieten, was mir dann auch gelang. Am Ziel erwartet mich Anny, die ein super Rennen gelaufen war. Und schon kamen die anderen. Alle waren wir happy.
Gegen 19 Uhr versammelte sich eine fröhliche SSC Schar mit Anhang im «Tramdepot» in der Gartenbeiz. Was für ein Ausklang eines langen Tages! Es wurde fachgesimpelt, verlorenen Sekunden nachgetrauert und Myrtha meinte, es wäre jetzt definitiv ihr letzter GP gewesen. Und natürlich wurde angestossen. Viele hatten etwas zu feiern. Immer wieder piepste ein Handy. Die Daheimgebliebenen gratulierten. Zu später Stunde antworte ich endlich: «Bärn – han di uuuuugärn!»

Im Rahmen der Aktion «Your perfect Run» verloste FIT for LIFE in einer Zusammenarbeit mit Adidas fünf Gratisstartplätze für den Aletsch-Halbmarathon vom 28. Juni 2009, inkl. einer Hotelübernachtung in der Aletschregion für eine Person. Gesucht wurden Schilderungen vom schönsten Lauferlebnis, um an der Verlosung teilzunehmen. Die besten Texte werden in diesem Blog veröffentlicht.













Der 2. GP von Bern war wieder traumhaft schön. Eigentlich wollte ich die Eindrücke vom 1. nicht «versauen». Oft ging ich nach einem gelungenen Lauf wieder zurück und es lief gar nicht nach Wunsch. Nicht so am GP von Bern: Sogar die Zeit noch verbessert, jetzt muss natürlich ein 3. folgen, wie heisst es doch so schön «aller guter Dinge sind drei»! Vielen Dank an Elisabeth, die mich auf der ganzen Strecke nicht los wurde und an Anny und Giselle für die Begleitung!