My Thai zum Letzten
Marius Stahlberger
Beim Einschlafen zählt man keine Schafe, sondern Kilometersteine
Als wir vor drei Monaten in Bangkok landeten, waren wir uns sicher: Wir werden einen Kulturschock erleiden auf unserer ersten Asienreise! Eine fremde Kultur, eine unverständliche Sprache, tropische Hitze – und wir mit dem Fahrrad unterwegs. Dichter Verkehr, gefährliche Strassen, rücklichtslose Autofahrer. Kommt das gut?
Beruhigen konnten uns Blogs von Radlern, die von Thailand berichteten, dass es null Problemo sei. Und Kollegen, die kurz zuvor Thailand bereisten, waren sich sicher, dass die grösste Gefahr von uns ausgehen würde (Krach, Velo-Unfälle, etc.). Inzwischen wissen wir, weshalb Thailand bei Touristen so beliebt ist: Es ist tatsächlich alles extrem easy und unkompliziert. Vor allem bietet das Land eine kulturelle, kulinarische und klimatische Vielfalt (abgesehen von Schnee), die seinesgleichen sucht. Ob Backpacker, Pauschaltourist oder Luxus-Geniesser: Hier findet sich für jeden etwas – und erst noch für wenig Geld. Und als Radler hat man das Glück, fast alle Seiten abdecken und alle Facetten des thailändischen Lebens entdecken zu können, denn wer pedalt, kommt auch dort vorbei, wo keine Tourbusse hinfahren oder anhalten.
My Thai…
… ist Bangkok, die 7-Millionen-Metropole, die Dreh- und Angelpunkt für fast ganz Asien ist. Hektischer Strassenverkehr und «Touristenfänger» waren die ersten Eindrücke. Aber die Hauptstadt bietet so viel, dass die Stadt alleine eine mehrwöchige Reise wert ist.
… ist religiös, vorwiegend buddhistisch. Es ist schwierig, einen Hügel oder einen Ort zu finden ohne Tempel und Buddha-Statue. Mönche sind überall zu sehen. Selbst im Internetcafe, am Handy und auf dem Velo!
… verehrt den König. In jedem Laden, am Strassenrand, im Bus: überall hängen Bilder, Plakate und Kalender von König Bhumibol und seiner Familie.
… ist eine einzige, riesige Imbissbude. Grösstes Vergnügen bieten kulinarische Entdeckungen auf den Märkten. Und auf den Strassen wird man von mobilen Essständen, die meist aus einem Töff plus Seitenwagen bestehen, überholt. Da wird sogar während voller Fahrt ein Hühnchen gegrillt!
… ist fussballverrückt. Liverpool oder ManU? Nur diese beiden Clubs kommen in Frage. Die Premier League läuft in jedem TV, an das Spiel des FC Basel gegen Liverpool 2002 in der Champions League mag sich sogar noch mancher Thailänder erinnern, selbst wenn er Manchester-Fan ist.
… spricht Kauderwelsch. Ohne Intensivkurs hat man keine Chance die Sprache zu verstehen. Ausserhalb der Touri-Hochburgen können die Einheimischen kein einziges Wort Englisch. Da hilft der Sprachführer «Kauderwelsch» jedesmal aus der Patsche. Und er ist eine tolle Möglichkeit, mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen.
… ist kontaktfreudig. Die Leute sind extrem offen, freundlich und hilfsbereit.
… hat wohl die dichteste Massagesalon-Dichte der Welt. Für 10 Franken kann man sich 1 h verwöhnen lassen: Thai-, Fuss- oder Oil-Massage finden sich überall.
… ist bergig, so sehr, dass wir kapitulieren mussten und mehrere Male den Bus nahmen.
… ist aber auch topfeben, nördlich und nordöstlich von Bangkok. Endlose Zuckerrohr- und Reisfelder, landschaftlich eher langweilig, dafür komplett untouristisch und deshalb attraktiv, um Thailand von einer anderen Seite kennenzulernen.
… bietet schönste Strände, paradiesische Inseln, klarstes Wasser. Und es gibt sie noch: Die einsamen Strände! Oft nur wenige Kilometer entfernt vom Massentourismus.
… hält den Daumen hoch. Fast jeder Töff-, Auto- und LKW-Fahrer drückt damit seine Begeisterung für uns radelnde Touristen aus, wenn sie uns jeweils überholen und rufen «Hello, where you go?»
… hat als Familienauto ein Moped. Es ist unfassbar, aber sehr oft sieht man drei oder vier Personen auf einem Töff. Vater, Mutter, zwei kleine Kinder – und Helm trägt hier fast niemand.
… bietet super Strassen zum Radeln. Alles beschriftet, signalisiert (meistens in Englisch) und immer mit Strassennummern versehen. Verfahren unmöglich! Dazu kommt, dass jeder Kilometer mit einem Stein markiert ist. Beim Einschlafen zählt man irgendwann keine Schafe mehr, sondern Kilometersteine.
… ist noch so viel mehr: eine artenreiche Flora und Fauna in den Nationalparks, Dschungel, Höhlen, Bergvölker, Elefantenreiten, «Knebelschiessene», Longtail-Bootstouren, pitoreske Karstfelsen, Wasserfälle, Kletter- und Tauchparadiese, tropische Hitze, kalte Nächte im Norden, tausende von Hunden am Strassenrand, romantische Bambus-Bungalows, luxurieuse Resorts, krähende Hühner in den frühen Morgenstunden.
Thailand hat so viele unterschiedliche Gesichter. Aber eines ist bei allen gleich: Das freundliche, ehrlich gemeinte Lächeln.














Toller Abschlussbericht, Mari. Guten Flug und auf bald bei neuen Reiseabenteuern…. Frat 2.