My Thai… Kapitulation am Berg!
Marius StahlbergerKeine Höhenlinien auf thailändischen Karten
Scheinbar nichts deutete darauf hin, dass wir auf dieser Etappe in den Lenker beissen müssten. Die Strecke tags zuvor war nicht allzu anstrengend und die Nacht erholsam. Nebel verhinderte ein zu schnelles Ansteigen der Temperatur, und gestärkt mit leckeren Omeletten und frischem Kaffee starteten wir gegen 9 Uhr. Das sollte reichen, um die 70 km nach Khun Yuam zu schaffen. Klar wussten wir, dass es happig werden würde. Die Einheimischen warnten uns, dass es eine sehr hügelige Strecke sei.
Über den höchsten Berg Thailands
Aber he, wir kommen ja schliesslich aus dem Land der Berge! Ausserdem: Zwei Tage zuvor hatten wir den Doi Inthanon erklommen, mit 2585 der höchste Berg Thailands. Obwohl: Ganz oben waren wir nicht. Nach 5 Stunden Anstieg erreichten wir den Kulminationspunkt, wo die Strasse nach Mae Chaem, unserem Zielort, abzweigte.
Uns war auch bewusst, dass es wie schon beim Doi Inthanon sicher die eine oder andere heftige Steigung haben könnte. So genau wussten wir es jedoch nicht, denn auf jeglichen thailändischen Karten fehlen sowohl Höhenmeter als auch Höhenlinien. Aufgrund halbwegs korrekt eingezeichneter Schattierungen und Flüssen muss man versuchen zu erkennen, wie viele Pässe man wohl zurückzulegen hat.

«Über 7 Berge musst du fahr’n…»
Alles kein Problem, dachten wir. Nach lediglich 42 km sollten wir eine Ortschaft erreicht haben, wo wir Mittagessen könnten. Beim Losfahren scherzte Andrea noch und sang à la Peter Maffay «über 7 Hügel musst du fahr’n…». Ich war etwas pessimistischer und wollte die Strecke ursprünglich mit dem Bus zurücklegen. Aber insgeheim dachte auch ich, das wäre machbar.
Zic-Zac im 1. Gang
Schon beim ersten Hügel floss der Schweiss in Strömen. Der Nebel war ruckzuck weg und bereits um 10 Uhr drückte die trockene Hitze aufs Gemüt. Serpentinen scheinen die Thais nicht zu kennen, Tunnels schon gar nicht. Meist führt die Strasse einfach gerade nach oben. Geschätzte 20 % waren immer wieder zu überwinden. Absteigen und schieben konnten wir zwar mit Müh und Not abwenden. Jedoch war dazu Zic-Zac-Fahren im 1. Gang notwendig – von insgesamt 27 Gängen. Man begann zu rechnen: für einen Kilometer brauchten wir über 10 Min. Und wir waren noch nirgends! Andrea wollte partout nicht aufgeben, glaubte an ein Abflachen der Strecke – vergebens. Es wurde immer «verreckter»!
Kapitulation nach 25 km
Nach 3 ½ Stunden kapitulierten wir. Wasser- und Essensvorräte neigten sich dem Ende entgegen. Bis dahin hatten wir lediglich 25 km zurückgelegt.
Von wegen «über 7 Berge musst du fahrn»! Beim 7. Pass kapitulierten wir. 5 Minuten später lagen die Velos auf dem Dach und wir sassen im Innern des Busses. Buddha war wohl auf unserer Seite, denn es war der einzige Bus, welchen wir den ganzen Tag auf dieser Strecke sahen.
Bei der nächsten heftigen Bergetappe entschieden wir bereits am Abend zuvor, den Bus zu nehmen. Zwischen Mae Hong Son und Suppon (Pang Mapha) zählten wir dann tatsächlich 6 Bergpässe. Jeder einzelne elend lang und steil. Wir hätten wohl schon beim 2. Anstieg aufgegeben.
Die nächsten Berge stehen bevor…
Jetzt heisst es Batterien aufladen. Nach Pai sind es lediglich 45 km, eine «Erhebungen» liegt dazwischen – ist ja bloss der zweithöchste Berg Thailands. Notfalls fahren ja auch noch Busse…
Unsere Bisherige Route (ab Sukhotai)
Sukhotai – Thoen: 100 km. Erster, wunderschöner Pass. Kaum Verkehr.
Thoen – Li: 39 km. Hügelig, sehr schön.
Li – Lamphun: 115 km. Flach, eher abwärts. Gegen Ende verkehrsreich, deshalb auf eine herrliche Nebenstrasse dem Fluss entlang ausgewichen (dafür einige zusätzliche km gemacht).
Lamphun – Chiang Mai: 20 km. Hauptstrasse, viel Verkehr. Aber lohnenswert wegen der bekannten Allee.
Chiang Mai – Chomtong – Mae Chaem: Bis nach Chom Thoem mit dem Bus. Dann über den höchsten Berg Thailands, Doi Inthanon. 60 km, 1400 Hm.
Mae Chaem – Mae Na Chon: 30 km. Sehr hügelig, kein Verkehr, drückende Hitze. Wunderbare Unterkunft im Hot Coffee Guesthouse.
Mae Na Chon – Khun Yuam: 70 km. Unzählige Pässe, nie flach. Kapitulation nach 25 km, Verladen in den Bus.
Khun Yuam – Mae Hong Son: 62 km. Eine der bisher schönsten Etappen. Kein Verkehr, super Strasse, abwechslungsreiche Landschaft. Aber brutal heiss.
Mae Hong Son – Suppon (Pang Mapha): 67 km. Mit dem Bus, weil unmöglich zu fahren. Nonstop steilste Passstrassen. Herrliches Bergpanorama.
Fortsetzung
Erstmal Erholung, geniessen, wandern. Dann Pai, voraussichtlich Mae Taeng, Chiang Dao, Richtung Thaton. Via Floss nach Chiang Rai, die nächste grössere Stadt…








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Hallo Marius
eindrücklich deine/eure Schilderung der thailändischen ‘Hügellandschaft ‘. Nur gut, dass du in der Vorbereitung im Spinningkino warst, weiss der Geier wie du das sonst soweit geschafft hättest…
keep going
Gruss aus der Kälte
Martin & Michael