Marathontraining verschafft Freiheitsgefühl
Daniel StirnimannMarathontraining im Militär
Manchmal ist es schwierig, neben der täglichen Beschäftigung noch Zeit und Motivation für das Lauftraining zu finden. Im normalen Alltag ist das für mich aber eigentlich immer nur eine Frage der Prioritätssetzung. Wenn ich dem Lauftraining genügend Gewichtung gebe und es zur passenden Tageszeit durchführe, dann klappt es nicht nur zeitlich, sondern auch mit der Motivation. Jetzt wo ich gerade für drei Wochen im Militär (WK) bin, ist das schon schwieriger.
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Im Militär brauche ich Nerven und Geduld. Nerven, weil ich nicht weiss, ob ich heute zu einem Lauftraining komme; und Geduld, weil ich abwarten muss. Nach einem Tag draussen in der Kälte wurde beim Antrittsverlesen (AV) mitgeteilt, dass wir heute Abend von 20 Uhr bis 23.30 Uhr Ausgang hätten. Ich nutzte diese Gelegenheit für mein Lauftraining. Mein erster Gedanke war zwar, dass es heute wohl eher ein «Müssen» als ein «Wollen» sein würde. Denn nach diesem Tag wäre ich eigentlich auch ganz gerne in der Wärme geblieben. Aber was solls: ein Ziel erreicht man nicht ohne Fleiss. So schnürte ich die Laufschuhe und spürte schon nach wenigen hundert Metern ein absolutes Freiheitsgefühl. Der Lauf wurde unvergesslich und ich jauchzte meine Freude mehrmals in die Nacht. Seit Tagen wurde mir alles befohlen: von der Tätigkeit zur Essenszeit bis zur Nachtruhe. Vor wenigen Minuten noch in Militärklamotten, lief ich jetzt in einer fremden Gegend umher – und es war egal, ob ich links oder rechts abbiege!
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal so frei gefühlt habe. Ich lief ohne Ziel eineinhalb Stunden. Und es spielte dieses Mal absolut keine Rolle, ob die Strasse vereist war oder die Pace zu langsam oder ob ich mir sonstwie den Kopf über allerlei Gedanken zerbrach.
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