Öko-Sportartikel: das Rennen ist lanciert!

Stefan Kausch

«Eine von hundert Personen interessiert sich.»
Die Schweizerinnen und Schweizer sind Weltmeister im Konsum von Bio- oder Fairtrade-Lebensmitteln. Niemand gibt weltweit mehr Geld dafür aus. Wenn es hingegen um Sportartikel geht, spielen ökologische oder soziale Faktoren keine Rolle. Noch keine.

Diesen Frühling bin ich einem Ruderclub beigetreten. Das verpflichtet, will ich doch auf dem Boot nicht nur sportlich, sondern auch material-technisch eine gute Figur machen. Und der Ruderclub hilft mir dabei: Als Mitglied kann ich einfach und günstige Ruderkleidung bestellen. Diese wird aus Kanada geliefert, steht im Clubheft – ohne weitere Angaben. Meine Anfrage bei Club und Importeur, unter welchen Arbeitsbedingungen die funktionelle Kleidung produziert wird, löst grosses Erstaunen aus. Nach der anfänglichen Irritation heisst es aber, beim Anbieter gehe sicher alles mit rechten Dingen zu. Auf der Website des kanadischen Lieferanten finde ich allerdings keinen einzigen Hinweis, wie, wo und durch wen die Kleidung hergestellt wird.

Test im Sportgeschäft. Ich: «Guten Tag, können Sie mir sagen, ob dieser Turnschuh aus China umwelt- und sozialverträglich hergestellt wurde?» Der Filialleiter: «Keine Ahnung, da müsste ich unseren zentralen Einkauf konsultieren» und «dieses Thema interessiert höchstens eine von hundert Personen.»

Letzter Versuch in einem zweiten Sportfachgeschäft. «Auch Leute mit grossem Portemonnaie fragen nicht nach den Produktionsbedingungen. Trotzdem brodelt es in der Branche», versichert mir der Chefeinkäufer. Alle wichtigen Markenhersteller testen die Kundenakzeptanz für grüne und ethische Produkte. Das Problem dabei: Die präsentierten Lösungen überzeugen bisher weder Sportfachhändler noch Endkunden oder werden von den Markenherstellern nicht konsequent vermarktet. Das könnte sich schnell ändern. Die drei Grossen lancierten dieses Jahr alle ihre Öko- oder Fairtrade-Sortimente: Adidas die Grün Kollektion, Nike die Considered Linie, Puma Fairtrade Fussbälle.

Die grossen Marken müssen gegenüber Pionieren wie Switcher oder Simple aufholen und ihre Angestellten und Lieferanten neu polen. Das braucht Zeit – doch das Rennen läuft und ich bin überzeugt, dass die Konkurrenz zwischen den Markenartiklern dazuführen wird, dass in drei Jahren ökologische und ethische Sportartikelsortimente zu einer Selbstverständlichkeit werden. Und vor allem jener, der als erster konsequent in diese Richtung geht, viel gewinnen kann.

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Kommentare

2 Kommentare zu “Öko-Sportartikel: das Rennen ist lanciert!”
Redaktion FIT for LIFE 27.1.2009 15:20 Uhr

Hoi Paede! Im Runner’s World 1-2009 war ein Artikel drin zum Thema «Grüner laufen». Da sind einige Laufschuhe erwähnt, die bei der Produktion «grüner» abschneiden als andere. Leider ist der Artikel nicht mehr online zugänglich. Vielleicht erhält man ihn aber auf Nachfragen bei der Redaktion von Runner’s World nochmals zugeschickt…

Paede 27.1.2009 15:07 Uhr

Juhi ich bin der eine aus den 100! Mir geht’s gleich. Im Geschäft wird man überrascht angeschaut, anschl. nuschelt das Verkaufspersonal etwas von «grossen Fortschritten in diesem Bereich» u.s.w. Schade eigentlich! Meiner Meinung nach sollte man auf so eine Frage überrascht angeschaut werden und die Antwort sollte lauten: «Aber natürlich! Was denken Sie denn was wir hier verkaufen?» (Stimmen muss es dann natürlich auch noch). Bei Kleidung ist es dank Switcher und Co. ja inzwischen möglich, mit einigermassen gutem Gewissen Sport zu treiben. Viel schwieriger sieht es aber bei Schuhen aus. Als Läufer habe ich da einen ziemlichen Bedarf. Leider unternehmen offensichtlich auch die kleinen Nischenmarken nichts in diese Richtung. Ich habe z.B. GNL Running per Mail bezüglich Herstellungsbedingungen angefragt und keine Antwort erhalten.
Wenn mir jemand einen Laufschuhhersteller nennen kann, der sozial- und umweltverträglich produziert, dann renne ich sofort ins nächste Geschäft und kaufe ein Paar dieser Schuhe.

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