Im Wald laufen statt Geschenken hinterherrennen
Olivier BernhardAlles Weihnachten oder was?
Der 22. Dezember ist nicht mehr weit. Ja, der 22. Dezember – der kürzeste Tag in diesem Jahr – oder auch Wintersonnenwende genannt. An diesem Tag verweilt die Sonne am längsten über dem südlichen Pol und wird uns nur kurz ihr Gesicht zeigen – so hoffen wir doch alle. Sehen wir das ganze etwas positiver, dann können wir an dem besagten Montag eben unbestraft während und sogar über die ausgesprochen lange Dunkelzeit unter der Bettdecke liegen bleiben. Dies tut uns allen sicher gut, denn grosse festliche Feierlichkeiten stehen unausweichlich an.
Deren Vorboten haben uns schon seit Tagen mit einer Wucht eines einschlagenden Kometen erreicht. Der Glühwein gurgelt im Mund, Jingle Bells scherbelt in den Ohren, Lebkuchengewürz juckt in der Nase, Lichtermeere blenden in den Einkaufsgassen aller Städte und wenn dann auch noch der kontrollierende Griff nach rechts hinten auf ein volles Portemonnaie trifft, dann ist Vorweihnachtszeit. Ja noch mehr, all unsere sensiblen Sinnesorgane sind unumstösslich auf fröhliche und besinnliche Zeiten eingestellt – gerade so wie sich die feine Nadel im Kompass dem Sog nach Norden ergibt.
Da kommt in mir die Frage auf, ob die Athleten mehr erschöpft sind vom täglichen Herumrennen und Geschenkesuchen für all ihre Liebsten oder ob es doch eher das stundelage Bancomatenschlagenstehen oder geduldige Warten beim Geschenke-Einpackservice der Einkaufsläden ist, was die Füsse derart platt anfühlen lässt.
Ab 23. Dezember nähert sich die Sonne dem Aequator
Mit dem Aufstehen am Dienstag, dem 23. Dezember nähert sich die Sonne schon wieder mit kleinen Schritten dem Aequator. Aequator hört sich gut an! Alleine dieses Wort bringt mehr Sonne und Wärme in mein Herz. Ein kleiner Tipp am Rande. Auch wenn Sie kurze Trainingsbekleidung zu Weihnachten bekommen, zeigen Sie Geduld als wahrer Ausdauerathlet/in und warten Sie mit dem ersten stolzen Ausritt mit der neuen Uniform bis zum Trainingslager im Frühling. Die Gelenke werden Ihnen dankbar sein. Also – immer schön warm anziehen!
Das Weihnachtsfest selber liegt zeitlich kurz nach eben dieser Wintersonnenwende, was die Ankunft des göttlichen Lichts resp. die Geburt Christi symbolisiert. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in dieser viel zu hektischen und materialistischen Zeit viel Ruhe und den Blick für das Wahre und Wertvolle im Leben finden. Lassen Sie die Priorität des Trainings von der Wende bis zum Anbruch des neuen Jahres noch etwas hinten anstehen. In diesen wenigen Tagen werden oft unbewusst viele Dinge in Gang gesetzt. Sie werden die Energie bald brauchen, um alle herausfordernden Ziele und Visionen mit viel Elan, Energie und Leidenschaft umzusetzen.
Schenken Sie sich und Ihrem Umfeld viel Zeit und ein Paar offene Ohren während den langen Dunkeltagen. Machen Sie es wie der Braunbär – sammeln Sie die Energie im Winter, damit Sie im Frühling und Sommer so richtig aufs Gas drücken können. Ich bin in Kanada schon mal einem Bären begegnet. Ich weiss seither, dass die nicht nur putzig und stark sind – die sind vor allem auch noch schnell. Also hören Sie auf, den Geschenken nachzurennen. Rennen Sie lieber im Wald rum, denn bei uns gibt es im Moment keine Bären.












