Beinschlag: das Fundament für Ausdauerschwimmer

Gunther Frank

«Schwacher Beinschlag ist wie Laufen gegen den Wind!»
Viele Triathleten bewältigen mehr oder weniger problemlos einen Ironman und weisen sich somit eine exzellente Ausdauer aus. Die Beine aller Läufer und vor allem Triathleten wären an und für sich genügend «ausdauernd» und konditioniert, doch da ihnen die Fähigkeit abgeht, ihre Beinmuskulatur während der Bewegung zu erholen, weitet sich der Beinschlag zur Mühsal, ja buchstäblich zum Krampf aus. Sehen wir einmal davon ab, wie wesentlich der Beinschlag nun wirklich ist, so kann man auf jeden Fall sagen, dass ein schwacher bis inexistenter Beinschlag mit einem Laufen im oder gegen den Wind zu vergleichen ist. Das muss nicht sein!

Beinschlag, das Fundament des Hauses
Auf die Frage, wann sich die Muskulatur beim Kraul Beinschlag ausruhe, kommen neben den unglaublichsten Behauptungen meistens nur Kopfschütteln und «keine Ahnung» als Antwort. Wann es denn beim Velofahren sei, so meine Folgefrage, antworten fast alle mit einer richtigen Antwort, nämlich im Wechsel während der Tretbewegung.

Anscheinend gibt es hier auch eine gewisse Priorität der Interessen. Ist man beim Ironman immerhin zwischen fünf und sieben Stunden auf dem Rad unterwegs, so ist es im Schwimmen ja nur eine bis eineinhalb. Zudem schwimmt eine TriathletIn fast ausschliesslich mit den Armen, oder (!?), da ist der Beinschlag ja nicht so wichtig!

Sehen wir einmal davon ab wie wesentlich er nun wirklich ist, so kann man auf jeden Fall sagen, dass ein schwacher bis inexistenter Beinschlag mit einem Laufen im oder gegen den Wind zu vergleichen ist. Dabei wird durch die Verbesserung des Beinschlages zumeist auch die Souplesse auf dem Velo verbessert, weil ja gelernt wurde, dass beim Abwärtsschlag der vordere Oberschenkelmuskel (Quadrizeps) aktiv, und der hintere (Bizeps) entspannt ist. Natürlich kehrt sich das Ganze bei der Aufwärtsbewegung um.

Zentral: wichtige Bewegungsvorstellung
Voraussetzung beim Schulen oder Trainieren des Beinschlages ist eine richtige Bewegungsvorstellung. Generell wird beim Kraul- und Rücken Beinschlag von einer Vorlaufbewegung des Oberschenkels gesprochen, wobei erst der Unterschenkel und dann der Fuss folgen. Folgerichtig bewegt sich der Oberschenkel demnach schon wieder nach oben, bevor der Unterschenkel und Fuss den unteren Tiefpunkt erreicht hat. Das Gleiche gilt für den oberen Umkehrpunkt, wo der Oberschenkel seine Abwärtsbewegung schon beginnt, während sich der Fuss noch zur Oberfläche hin bewegt. Zumeist wird das Knie beim Abwärtsschlag zu wenig gebeugt, aber vor allem aufwärts fast nie gänzlich gestreckt.

Lernen und vor Augen führen lässt sich der korrekte Ablauf am Besten an Land. Stehend auf einem Bein lässt man/frau die Fussballen nach hinten und nach vorne die Zehenrücken über den Boden schleifen, wobei auf die komplette Streckung im Knie rückwärts, und die deutliche Beugung vw. geachtet werden muss. Dabei sollte das Bein etwa gleich weit hinter wie vor die Körperlängsachse bewegt werden.

Training zu Land und zu Wasser
Die gleiche Bewegung kann nun im Wasser, auch auf dem Rand stehend (einen Meter unter Wasser!), durchgeführt werden. Danach wird die komplette Bewegung stehend im tiefen Wasser erfahren, wobei mit Selbstbeobachtung auf die richtige Bewegungsausführung geachtet werden sollte.
Wird der Beinschlag nun in der Horizontalen geübt, so hat sich hierbei die Rückenlage – mit dem Brett auf dem Bauch – als erfolgreicher erwiesen als direkt in der Bauchlage. Erstens ist der Bezug zur Bewegung direkter und zweitens lässt sich auch hier die zeitweilige Beobachtung besser bewerkstelligen als in der Bauchlage.
Seitenlage rechts und links, immer mit dem Fokus auf das Zurückziehen der Kniekehle!, folgt im Wechsel mit Üben in der Rückenlage, wobei später auch nach etwa 10 Schlägen von der Seitenlage über die Rückenlage, Seitenlage zur Bauchlage und wieder zurück gewechselt werden kann.

Trainingseinheiten
Nachdem die Technik des Beinschlages der Beschreibung entspricht, wird mit kurzen Strecken, so z. B. mit 4 x 25 Metern begonnen, wobei dazwischen auch jeweils 50 m locker geschwommen werden kann. Später wird die Anzahl und Distanz sukzessive erhöht, so dass nach einer geraumen Zeit 8 x 50, 4 x 100 oder sogar 400 m Kraul Beinschlag, wie bei «richtigen» Schwimmern, problemlos möglich ist.

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